Freitag, 17. Oktober 2025

Jaffa Rui (*1872)



In die Finisterre eingewanderter Sohn von Actinien-Einwanderern, welche Gewisse-Pflanze-Bauern waren. Besuchte die Akademie von Ceachelle, trank Bier, Portwein, Whisky und Rum. Und, natürlich…


Doch sein Lieblingsstimulans ist konservativerweise Kaffee, dessen Zubereitung er zur Perfektion entwickelte, wonach er 1899 das selbstnamige Kaffeehaus in Ceachelle eröffnete.


Er entdeckte vorkjeldische Schriften eines gewissen Hedonikus, dessen Gedanken er weiterentwickelte. Er sah sich selbst als aufgeklärter Hedonist und rehabilitierte den in Verruf geratenen Xetter.


Rui zufolge gibt es die banale, erotische und transzendente Lust. Die banale Lust ist an Bedürfnissen enggeführt, die erotische fängt bei Machtlust an, geht durch die Erotik selbst hindurch und endet im liesbialen Wukroud. Die transzendente Lust wurde von Hinterstocklern des 18. Jahrhunderts als Geilfinden ohne Grund bzw. interesseloses Wohlgefallen definiert. Quatsch, sagt Rui: das Bewusstsein ist immer intentional und hat daher immer ein Interesse.


Die Idee zu einer Steinkugel als ästhetische Darstellung der Ruhigen Kugel (die in diesem Herbst als jährliches Philosophie-Symposium beginnt) stammt von drei Geister gleicher Höhe: dem schon zu Lebzeiten, die zum Glück noch andauern, legendären General Riki, der uns bereits 1896-1907 regierte, dem derzeitigen Regierungschef Langole und Jaffa Rui, in dessen Kaffehaus ich mir gerade einen 40-jährigen Arecast gönne.


N. T. van Anderten, 13.4.1912.
 

Herausgegeben von Jaffa Rui, 1910:

Hedonikus: Gesammelte Fragmente

Das nur fragmentarisch erhaltene Gesamtwerk des antiken Philosophen enthält neben den berühmten Abhandlungen über das Etwas und über die Kugel auch interessante epistemologische Einsichten. Der niemandsländische Denker, der weder zu den Griechen noch zu den Römern eindeutig zu zählen ist, unterscheidet in der Wissenschaft objektive und subjektive Fragen. Objektive Fragen sind die Was- und Wie-Fragen, Fragen nach der Substanz und der Funktion. Subjektive Fragen sind die Warum- und Wozu-Fragen, Fragen nach Intentionalität und Zweck.

Was ist die Welt, fragt Hedonikus. Sie ist eine Mannigfaltigkeit aus Atomen, aus denen alles besteht, und die sich mit der Zeit zu immer komplexeren Formen zusammentun. Für die komplexeste Form hält er das menschliche Gehirn. Wie ist die Welt entstanden? Da vertritt Hedonikus die Steady-State-Theorie. Auf objektive Fragen gibt es sinnvolle Antworten, auf subjektive Fragen nicht. Denn Antworten auf objektive Fragen sind entweder richtig oder falsch, Antworten auf subjektive Fragen sind relativ und willkürlich.

Warum ist die Welt und nicht die Leere? Das muss jeder für sich selbst entscheiden, so Hedonikus. Philosophen, zu denen damals auch Physiker zählten, können lediglich erklären, wie aus der Leere eine Welt und aus der Welt wieder die Leere entsteht. Wozu gibt es die Welt? Diese Frage ist für Hedonikus sogar subjektiv sinnlos. Denn darauf hat nicht nur jeder eine andere Antwort, sondern die subjektive Antwort ändert sich auch mit den Lebenszeiten.
Fragment über das Etwas:

1. Bevor Etwer ar, bevor Etwa sa, Etwas as. Etwas nicht konnte immer früher sein, denn irgendetwo Ende war. Ende war, wo nicht Etwas as, aber Nichts nacht.

2. Nichts nacht, und nacht um Nichts, das eben ums ebene Nichts nacht. Da nur Nichts nacht und kein Etwas as, konnte kein Etwas sein.

3. Da Etwas ist, und Nichts nacht, muss aus Nichts Etwas geworden sein, was unmöglich. Nichts nicht nichtet - beim Oon! Also war, was nicht as, nicht nacht, nicht Etwas, nicht Nichts, und das war Können.

4. Können konnte Nichts nichten und nichtnichten; Nichts nacht, und konnte sein, nicht nacht.

...

9. Nichts nacht, konnte nichten und vernichtet sein, oder Etwas werden, womit als Nichts vernichtet sein. Nichts konnte so ins Nichts und ins Etwas vernichtet sein, und war, wo mehr war.

10. Wo Nichts nacht, nun Etwas as. Etwas war nicht Etwer nicht Etwa, in welchem Sinne Nichts, und es nacht, und da es nicht Nichts, so nacht es sich.

11. All Etwas, das sich vernacht, ist nicht Etwas, was ist. All Etwas, was ist, nicht vernacht.

12. Etwas konnte wedernochsein und so oder so sein, und war, was mehr war.

13. Etwas wurde Etwer und Etwa und erhielt sich und etwas blieb als Etwas zurück.

...

16. Mehr Etwas as, weniger Nichts nacht, bis der Welt wurde Rand; im Vorrand Etwas ist, im Hinterrand Nichts nichtet.

17. Und so sei gewusst und überschwiegen, kein Nichts in der Welt. Und sei ungewusst und übersprochen, kein Etwas außer der Welt.


Fragment über die Kugel:

1. Götter, die sind, sind die besten unter den Göttern, oder sie wären nicht.

2. Götter, die bessere Götter vor sich sähen, sterbten im Kampfe, bis die besten Götter geblieben, die keine besseren Götter sähen.

3. Die besten Götter erhalten die Welt bestmöglich.

4. Die bestmöglich erhalten werden könnende Welt ist die bestmögliche Welt.

5. Wäre eine Welt, die eine bessere Welt vor sich sähe, wäre sie von den Göttern zerstört und durch eine bessere Welt ersetzt worden, bis sie keine bessere Welt vor sich sähe.

6. Die beste Form ist die Kugel, also ist die beste Welt eine Kugel.

...

11. Da die Welt eine Kugel ist, ist das Unten endlich, und das Oben unendlich.

12. Das Unten strebt zum Mittelpunkt der Kugel, welcher die Mitte der Welt ist. Von der Mitte aus gibt es nur ein Oben und kein Unten.

13. Das Oben strebt ins Unendliche, und es gibt keinen Punkt, von dem aus es nur ein Unten und kein Oben gibt.

...

17. Bewegung ist ein Streben zur Mitte.

18. Widerbewegung ist ein Streben zu einem beliebigen Punkt der Welt.

19. Unbeseelte Körper können Widerbewegung nicht urheben, beseelte Körper können Widerbewegung  urheben.

20. Hebt ein beseelter Körper Widerbewegung ur, kann ein unbeseelter Körper sich widerbewegen, bis Bewegung und Widerbewegung sich gleich werden.

...

24. Das Größte und das Kleinste ist das Äußerste und Kugel.

25. Das Innerste, das weder das Größte noch das Kleinste ist, ist nicht Kugel. Wenn Kugel, dann aus Zufall.


26. Das Unendliche und das Nichte ist Kugel.



Weitere mehrzehn Fragmente im Buch mit Kommentar des Herausgebers.
 


Houdaillebergen, 24.4.1912
 
Anwesend: Jaffa Rui (Referent), Hiite Ingret, Kiite Aurele, N. T. van Anderten, Vincent Langole, Diine Yiihhi.



Wer war Hedonikus? Sein Sein war lange umstritten, doch er war. 

Hedonikus wurde 1453 in Reburt-Feiglingszarten geboren (damals Bergfestung Feiglingszarten). Er beschütze als Kind und Jugendlicher die niedlichsten und zartesten Ängstlinge (heute nennen wir sie Cuties). Er hatte eine Kuschelkindheit und eine miezenkuschelitäre Jugend. Er wuchs seiner Natur gemäß auf.

Im Colochmetischen Krieg (1461-1494), der auf den Tod des Vengerkönigs Keren IX folgte, wurde Reburt größtenteils zerstört und Feiglingszarten belagert. Die unübersichtlichen Verhältnisse verschleiern seinen Offizierswerdegang, aber er schlug mit den Keriern zusammen 1494 die Serpedier in der entscheidenden Schlacht von Sfagota. 

Hedonikus nahm diesen Denkernamen mit 31 an, er schrieb von 1484 bis 1516, dem Jahr, in dem er an Altersleichtschwäche starb.


Fragmentarisch blieben Werke von ihm in Liine und Sfagota übrig. Im 16. Jahrhundert wurde die Region durch das Vengrische Imperium befriedet. Reburt hatte um 1450 fast 100000 Einwohner, um 1500 nur noch 10000 oder weniger, doch als vengrische Hauptstadt ab 1558 schon um 1600 wieder 100000 oder mehr. Durch die Kriegswirren wurde Hedonikus zur Legende, und seine angeblichen Lebzeiten ins 13. Jahrhundert verlegt, wovon noch Kjelde und später Krizhenaidzhan ausgingen. 


Ich habe mich seit 1887 mit dem Lebenswerk von Hedonikus beschäftigt und seine Historizität so klar wie dieser 36-jährige Port Eleine feststellen können. Stoßen wir mit diesem Whisky auf einen echten Colochmeten an! 
 

Freitag, 3. Oktober 2025

H. F. Ninlinii (*1871)

 

 

 

Hieihis Unschärferelation von Wie und Was blieb nichtenwegs als ostenstative Weisheit stehen, und hat stattdessen zu einer westeriotypen Torheit geführt: Die Denkwelt teilte sich in die Wieher und die Wasser auf (Ingret). 

Die Zeit der Wieher war die tiefenpsychologische Dominanz von J. X. Selff, der kognitive Funktionen wie Substanzen behandelte, und wie handelnde Subjekte. Die mystische Antwort war ja nicht wissenschaftlich zu verwerten: mit dem Verzicht auf das Wie kann das Was nur noch postuliert werden; „Wir wollen nicht wissen, wie es funktioniert“, bedeutet nicht: „Wir wissen, was es ist“.

Das funktionale Wie-Wissen sagt nichts über das Wesen einer Sache, aber wenn das Wesen geleugnet wird, gibt es nichts mehr zu erklären. Doch für diesen Reduktionismus waren selbst die lautesten Wieher noch zu klug, und so gab es reduktionistische Welterklärungen nur als satirische Denkmöglichkeit oder rhetorische Übertreibung. Das Was-Wissen schien aber sich an kein System zu halten und keiner Methodik zu folgen, als könnte es nur aus mystischen Eingebungen kommen.

Durchaus, so Ninlinii: das Was-Wissen ist nämlich ein Wissen vom Ganzen, und das funktionale Wissen bleibt bei den Teilen stehen. Das Ganze ist nicht nur mehr, es ist etwas qualitativ anderes als die Summe seiner Teile, während die Teile das sind, was sie für das Ganze sind, und an sich selbst nicht sind (keine Substanz), sondern nur funktionieren.

Das Verhältnis der Teile zum Ganzen und ihre Funktionsweise sind logisch zu erkennen, das Ganze selbst intuitiv: denn das Ganze kann nur als Ganzes in Erscheinung treten; da es aber erscheint, ist es möglich, es phänomenologisch zu erkennen. Damit ist Ninlinii ins Reich der Qualia eingetreten.

Ein Quale ist ein einfaches irreduzibles phänomenales Ganzes. Sein Ansein besteht im Fürsein, wobei es an und für sich selbst nicht ist: es ist für das Bewusstsein. Was etwas ist, gehört der Kategorie der Qualität an, und eine einzelnes einfaches Ganzes ist ein Quale. Gibt es also ohne das Bewusstsein nichts Ganzes? Das wäre keine zulässige Antwort, wenn man das psychologische Bewusstsein voraussetzte: Ninlinii will erst einmal erforschen, was „Bewusstsein“ ontologisch bedeutet.

Bei Phänomenen, die eine komplementäre Beschreibung erfordern, weil es sich um phänomenologisch kontraintuitive Logophänomene handelt (die sich mathematisch ausdrücken, aber nicht anschaulich beschreiben lassen), wäre eine Unterscheidung zwischen Wie und Was eine Überinterpretation: Eine Welle, die sich wie ein Teilchen verhalten kann oder ein Teilchen, dessen Verhalten in Wellengleichungen ausgedrückt werden kann, das ist kein Unterschied zwischen Wesen und Funktion, das ist eine funktional komplementäre Ausdrucksweise. Es sei denn, das Ganze wird als das Feld definiert, und das Teilchen als eine fest quantifizierbare Irritation des Feldes? Nein, auch nicht, es sei denn "Elektrizität" ist das Wesen, also das Ganze, aber eine solch naturphilosophische Betrachtung löst die Unschärfe nicht auf, und lässt sie vielmehr auf der Funktionsebene liegen.

Aber was ist damit über die Unschärfe als Prinzip gesagt? Ist Unschärfe selbst wesenhaft oder nur ein funktionales Verhältnis? Ist die Inkommensurabilität von Wie und Was ein funktionales Phänomen innerhalb des Erkenntnisprozesses oder ist der Erkenntnisprozess immer im Bezug auf Funktions- und Substanzkategorien pfadabhängig?



Diine Yiihhi, 7.2.1912

Donnerstag, 2. Oktober 2025

Vic Nelien (1864-1911)

 

 

 

An der tainchinischen Front beim Sturm von Evielle am 28.12.1911 tödlich verwundet, starb er eine Nacht übernächst in Crouch. Da seine existenzphilosophische Biographie des legendären existenziellen Skeptikers („Gravelaine“, Ceachelle, 1912) soeben erschienen ist, und die eigenen Grundgedanken des Nihilismushistorikers und Offiziers zusammenträgt, wird sie in diesem Eintrag besprochen, den ich im Auftrag von van Anderten, der sich gerade mit den Truppen zum südlichen Meer vorkämpft, verfasse.

Nelien wurde in Heschen geboren, ging dort zur Schule, besuchte die Universität von Arenkord, und promovierte in Ceachelle über das Verhältnis von der Unmöglichkeit sicheren Wissens (spekulativ) und deren Konsequenzen für den Lebensvollzug (normativ), wobei der theoretische Skeptizismus auf Nhieu und der praktische auf Kjelde und insbesondere Gravelaine zurückgeführt wurde. Dass die normativen Skeptiker ihre Gedanken schon erdacht hatten, bevor die Grundlage ihres unentrinnbaren Zweifelns deskriptiv dargelegt wurde, zeigt, dass sich die rein logische Existenzphilosophie schon immer im Kreis drehte. Wer sich Erkenntnisquellen verbaut, kann nichts erkennen. Wer feststellt, nichts erkennen zu können, unterzieht alle möglichen Erkenntnisquellen destruktiver Kritik.

Kjelde (1596-1648) ist in den letzten Jahren der Gründungszeit der Finisterre großgeworden, kam ursprünglich aus Keria. Je älter er wurde, umso mehr griff eine Unterfangsstimmung um sich, die in der ideellen Hybridisierung der Gesellschaft der Finisterre ihren Ursprung hatte. Der Krieg, der diesen unwahrscheinlichen Staat scheinbar seinem wahrscheinlichen Ende zuführte (1614-1646), und ein einer vernichtenden Niederlage gleichendes Unentschieden zum Resultat hatte, entschied über die Stinmung der letzten Lebensjahre des „Denkers des klimatischen Minimums“ (Nierynckx).

Gravelaine (1631-1683) wurde am Westrand der Finisterre geboren, wuchs im besetzten Gebiet auf, und sah die verheerenden letzten Kriegsjahre als den Default-Zustand des Inderweltseins. Überleben in äußerster Not oder Untergang: das waren die beiden Lebensoptionen. Weiterleben ohne Sinn oder sterben, was eh unvermeidlich ist, das klingt wie ein Echo durch Gravelaines Philosophie. Kjelde setzte sich mit den konkreten lebensweltlichen Konsequenzen dieser Wahlmöglichkeiten auseinander, Gravelaine machte aus erlebter Ohnmacht ein gedankliches Konstrukt, das das Prinzip des Lebens selbst erklären sollte. Damit radikalisierte er Kjeldes existenziellen Pessimismus um die Verbindlichkeit, die Existenz an sich nicht anders denken zu können.

Baust du etwas auf, wird es sofort eingerissen. Du bist nirgendwo sicher, kannst auch nirgendwohin fliehen. Diese existenzielle Paranoia ist bei Kjelde Stimmung und bei Gravelaine System. So wundert es Nelien nicht, dass die späteren Denkergenerationen sich auf den fröhlichen Nihilisten Xetter als den ersten Philosophen der Finisterre einigten, und die Untergangspropheten aus dem fernen Keria und den zusammenbrechenden colochmetischen Kleinstaaten nicht zu der eigenländischen Philosophiegeschichte zählten.


Diine Yiihhi, 27.1.1912

Keri N. Toxvaerd (*1864)

 

 

 

Die Begründerin der Emotionalphilosophie war eine phantasievolle Theoretikerin: sie wusste nicht aus Erfahrung, wovon sie schrieb. Die emotionale Default-Einstellung kannte sie durchaus, wer kennt sie nicht: du steckst andere mit positiven Emotionen an, geteilte Freude ist vermehrte Freude, so weit, so banal. Doch die Nachtdenkerin dachte weiter: Wäre es möglich, nachdem man sich von positiven Emotionen anstecken ließ, in der Quelle der Emotionalpositivität seine eigenen negativen Emotionen abzuladen, die Quelle zu verstopfen, ihr verunmöglichen, die selbstgeschöpften positiven Emotionen zu erfahren?

Es geht um Qualiaraub, stellten Ingret und Aurele fest, und ermutigten die Zuendedenkerin des emotionalen Horrors, weiterzudenken. Also schrieb sie über Spiegelung, Miegelung, Identitätsraub. Die Horrorphantasie des Phantasten ist unbegrenzt, und die Nacht ist besonders im Wald sehr dunkel. 

Die Nachtdenkerin reist immer noch durch colochmetische Wälder und übernachtet jedesmal an einem anderen Ort. Noch mehr als das Original wurde die Übersetzung "The Other Side" (1907/1910) mit Begeisterung aufgenommen, und zwar dort, wo Schauergeschichten besonders beliebt sind. Und sie schrieb dann auch psychologische Horror Stories.



Diine Yiihhi, 24.1.1912

Mittwoch, 1. Oktober 2025

Wolf Kress (*1863)

 


Der Rechtsphilosoph aus Urspringen unterscheidet heiliges, moralisches und transaktionales Recht, was eine Rechtshierarchie darstellt.


Rechtssuperstition findet bei Anmaßung des heiligen Rechts statt, Unrecht bei der Verfälschung des moralischen Rechts, und Betrug bei arbiträrer Auslegung des transaktionalen Rechts.


Der transaktional Unehrliche verfehlt das Ideal des Wahren, der moralisch Scheinheilige das Ideal des Guten und der falsche Prophet das Ideal des Schönen.


Nach seinem Lieblingsbuch gefragt, nannte er „Lika“ (1885) von Wolf Irr. Das heilige Recht entspricht echter Transzendenz. Irr äußert aufs Extremste, dass wenn der real zu erwartende Transzendenzhorizont nicht bis zur mit 17 (ihrem Seelenalter) entschlafenen, aber ewig jungen und in einer höheren Welt lebenden Lika reicht, er zu eng ist, um in dieser Welt zu leben.


Im letzten Jahr schrieb er das Buch „Sucht und Transzendenz“ (Reburt, 1911), sah in der Sucht eine Form von Suche, eine Zwischenform des Lebens zwischen dem Profanen und dem Heiligen. Kehrt der Süchtige (vor allem und allestem meinte er natürlich den Schnee, nach dem er als Kriegsveteran selbst 16 Jahre süchtig war) zum profanen Leben zurück, ist er im Leben gescheitert, geht er zum heiligen Leben weiter, hat er alles richtig gemacht.




N. T. van Anderten, 5.1.1912

Wolf Irr (*1861)

 


Nicht nur dass er in eine mit 17 entschlafene Lika verknallt war, die likischste aller Liken, und sein erstes Buch ein diesbezüglicher Gedichtband war (1885), vielmehr dass seine staatsphilosophischen Imperative konsequent durchgesetzt wurden, noch während er sie verfasste, macht ihn zu einem tragikomisch überflüssigen Propheten.


Aber sein Werk kann immerhin als historisches Dokument für die Zukunft von großer Bedeutung sein: Die Verhinderung der Kolonisierung der Welt, der Sieg über die neuzeitlichen Großmächte und die Verhinderung der Entzauberung der Welt fanden so statt wie er sie forderte, sodass die zukünftigen Generationen sein Werk als Handlungsprotokoll lesen können.


Seit 1908 schreibt Irr wieder Gedichte und Fiktion. Er hat soeben bis as we speak das Craperhighing-Genre erschaffen, dem ich im aufkommenden Medium Film eine große Zukunft zutraue. Ich denke, die zwei folgenden Generationen werden noch Bücher lesen, die nächsten schauen Filme. „Ghosts of Inii“ (1910) ist jetzt schon ein zeitloser Klassiker.




N. T. van Anderten, 5.1.1912

Kiite Aurele (*1858)



Das Schneejahr 1899 fiel beim Erstschneer Aurelius (so wird er im Osten schon zu Lebzeiten genannt, um ihn in die ältere östliche Philosophietradition zu stellen) ab dem Frühsommer gewaltig aus. Doch schon in seinem zweiten Schneejahr fing er an, ein landesweites Schneeethos durchzusetzen, da längst nicht nur Kriegsveteranen es exzessiv schneien ließen. Ihm selbst verhalf der Schnee zu meditativen Durchbrüchen und Transzendenzerfahrungen, und, wie bekannt, zu seiner Lehre der 16 Piedestale (1899).


Das ontologische Kastensystem Aureles geht von 16 Wertstufen von Seelen aus und von dem Wert entsprechender Verkörperung in echten Welten (zu schlechte Verkörperung kann jedoch in Purgatorien und Strafwelten passieren, ja ist sogar der Sinn der Existenz solcher Halbwelten). Damit postuliert Aurele eine unerschütterliche ontologische Ordnung, die sich direkt in der Natur zeigt.


Das Jahr 1911 geht zu Ende, und es ist abzusehen, dass Kiite Aurele nach dem schon winkenden Tod der lebenden Legende Hiite Ingret der größte lebende Philosoph sein wird. Seine Schaffenszeit fällt in die turbulenten Jahre von 1888 bis, wie man es nimmt, zur Gründung des Großstaates von Lxiour am 16.10.1909 als imperiale Erweiterung der seit 1556 existierenden Finisterre, oder zur am 18.10.1911 schriftlich festgestellten Vereinigung der colochmetischen Kleinstaaten in die zukünftige Hegemonialmacht des Westens, oder, bis wir den Krieg gewinnen, in dem wir unsere Hegemonialstellung erkämpfen.


Er ist und bleibt auch ein großer Krieger, und wird nicht nur schriftlich oder mündlich, sondern auch tätlich weitere Beiträge leisten, auf die wir uns freuen.




Anmerkung von Jack:

N. T. van Anderten, 2.12.1911


Aurele an van Anderten, 18.8.1911:

„Nick, ich habe erstmals eine Lilische Fee getroffen, und weiß jetzt, dass Ane und Loken recht hatten. Vincent hat nicht verstanden, dass höhere Wesen uns nichts beweisen müssen, das wäre unter ihrer Würde. Er hätte den Preis des Wahnsinns durch den Glauben an sie zahlen müssen. 

Es hat bei uns die ganze Nacht geschneit, die Lilischen Feen haben sogar eine Weiterentwicklung davon, und sie scheinen sie nicht von unserer Formel abgeleitet zu haben. Überhaupt, was wir in Actinien für uns pflanzen lassen, scheint sogar gegenüber der hochnicthinischen Pflanze minderwertig zu sein, und die Völker des Westens wissen seit Jahrhunderten nichts davon, aber die Feenvölker hatten es schon immer. Vor der Finisterre, bei den Iniern, war der Feenschnee wahrscheinlich bekannt. Das von Colochmeten bewohnte Land besteht immer noch zu 90% aus Wäldern, insgesamt zu 96% aus ursprünglicher Natur, und ich schließe mich dem alten General Riki an, wenn er sagt, dass wir dafür, wenn nötig, alle Völker des Westens vernichten werden, damit es so bleibt“.

Aurele an van Anderten, 28.11.1911:

„Ingret wird sich freuen, und du solltest deinen Beitrag zur Akademie schicken, das gehört ins Lexikon, nicht dieses Bürokratengeschwafel. Wenn du über mich schreibst, darf der Schnee nicht fehlen. Übertreib ruhig, aber du kannst gar nicht übertreiben. Seit die Fee mir ihren Schnee gezeigt hat, denke ich, Langole sollte den actinischen Coca-Schnee per Dekret verbieten und nur von Ärzten an Süchtige verkaufen lassen, bis sie auf unseren Naturschnee umgestiegen sind“.

Van Anderten an Aurele, 3.12.1911:

„Ingret sagte mir gestern, ich soll vor allem über lebende Philosophen schreiben, weil tote nicht antworten können. Außer ihm und dir haben wir die universenübergreifende Legende Dark, und sonst nur wenige Denker, die den heutigen Philosophen wirkliche Lehrmeister sein könnten.

Danke für den Schnee. Es ist verrückt, aber ich denke, dass nach meiner Erweiterung des Transzendenzhorizonts ich selbst in Purgatorien Philosophen erreichen kann, die, natürlich, ihre Prüfung schon bestanden haben. Sie könnten dann unsere Gedanken empfangen und wissen, dass unsere Welt real ist. Außerdem weiß ich ja, dass für dich nichts verrückt ist“.