Dienstag, 31. März 2026

Cc 19: Ontologie des Nichts

 Vor seiner Weltreise ohne Widerkehr, Ende 49, trägt Ninlinii in einem Vorvortrag am 12.2.1921 in Ceachelle vor:


Die ontosophischen Einstellungen des Bewusstseins zum Nichts sind dreierlei:


1. Das Nichts ist das Höchste und gegenüber dem Sein grundsätzlich zu bevorzugen.


2. Das Nichts ist die Mitte: Es gibt ein besser und ein schlechter als Nichts.


3. Alles ist besser als das Nichts.


Das Nichts ist dabei stets eine ontologische Asymptote. Das ontosophisch Beste ist eine voraussetzungsreiche Kombination von 1 und 2, dagegen ist 3 grundsätzlichst ultraharam.


28.4.1921. Diine Yiihhi: 


1. Ontologischer Pessimismus. Das Nichts ist das Beste; Seiendes ist graduell hierarchisiert, aber diskret oder kontinuierlich ungleichwertig?


2. Die Nulllinie ist eine Asymptote, muss aber überschreitbar sein.


3. Fauler Pantheismus: Euphemistik des Schlechten oder ästhetisch haltbar bei strenger und stufendiskreter Hierarchuie? Die Voraussetzung wäre ein bereits über Null liegender Mindestweltwert.


Und übrigens, lächelt Diine, hat Gol Shingol Gottes Segen. Amen quadramen kubamen.



29.4.1921: Unmittelbare und vermittelte Phänomenologie des Nichts (Diskussion).



Diine Yiihhi, 30.4.1921:


Das Bewusstsein ist, als Seiendes betrachtet, Nichts.


Sein ist eine ruhige Tätigkeit: bewusst sein oder sein für das Bewusstsein.


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1-4.5.1921. Kurvendiskussion des Nichts.


Es wäre ein Wunder, wenn es sich nicht so verhielte, argumentiert van Anderten: alles korrekt mit einem Verb zu Beschreibende ist Nichts im Sinne der Substanz; in der Hochniedlichkeitsphysik, wo alles unbeobachtbar klein ist, sind Tätigkeitsquanta und deren Substanzsubstantivierungen komplementär. Yiihhi fragt nach dem Täter, van Anderten verweist auf bereits existierende und noch zu erfindende Maschinen als automatisch tätige Algorithmen.


Ilf und Bernard haben das transzendentale, positive, negative und ursprunggebende Nichts sprachimmanent nachgewiesen. Das Nichts als ontologische Kategorie ist fest in der Kultur verankert und wird erst bei Kategorienfehlern explizit entdeckt (z. B. wenn das Nichts nach dem Tod mit dem Nichts als Fehlen von etwas verwechselt wird, oder Nichts vor der Geburt mit dem konkreten Nichtsein dieser einzelnen Existenz).


Aller Geheimnisse Kleinstes ist, dass das Nichts selbst als Asymptote unzulässig substantiviert wird, sagt Aurele. Was nicht bedeutet, dass das Nichts kein Gegenstand des Bewusstseins sein kann, antwortet Irr. Augen seien vor der Tatsache unverschliessbar, dass etwas nur im Nichts existieren kann und alles, egal wie objektiv niedlich es ist (sei es nur ein Pikometer, Kätzchimeter oder Mäuschimeter), von anderen Objekten, ob naiv-realistisch oder empirisch-realistisch bei transzendentalem Idealismus, durch reales Nichts voneinander getrennt ist, spricht Rui. Selbst wenn es im Äther oder im Netz der grundlegenden Quantenquadrate existiert, fragantwortet Yiihhi.



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Seit dem Zweiten Symposium von Reburt haben Aurele, van Anderten und andere fleißig an neuen Sprengstoffen gearbeitet und lachen am 24.7.1921 in einer durch den bekannten Terroranschlag in Arenkord halb zerstörten und vorerst so belassenen Hafenkneipe laut auf, als sie aus dem Radio erfahren, dass Mun jetzt sogar Gol Shingol übertrifft. So „verhandelt man nicht mit Terroristen“, affirmiert der Barkeeper, alter Kriegsveteran, die Massakratur.





Ceachelien



28.11. - 4.12.1769. 1. Ceachelium: „Nihilismuskonferenz“ (Coona).

20-25.5.1779. Cc2: Ontologische Trias (Dark).

14-18.10.1785. Cc3: Weltenportale (Ane).

8-16.8.1795. Cc4: Weltenachse (Loken).

14-18.8.1802. Cc5: Ontomoralischer Sinn existenzieller Ungewissheit (Crouch).

17-22.12.1811. Cc6: Dienst und Dünkel (And One).

30.9. - 4.10.1821. Cc7: Funktionsontologie der Freiheit (Drenthe).

30.4. - 4.5.1831. Cc8: Liebe und Gerechtigkeit funktionsontologisch (Frightfear).

24-28.11.1839. Cc9: Tiefenpsychologische Zyklenhistoriographie (Bumm).

2-8.11.1847. Cc10: Religionshistoriologie (Lawrie).

4-8.8.1856. Cc11: Funktionelle Tiefenpsychologie (Selff).

16-20.12.1866. Cc12: Lebensphilosophische Wertetheorie (Aniaine).

23-29.8.1874. Cc13: Tiefenpsychologische Systematik der Ontologischen Trias (Ingret).

25.5. - 1.6.1881. Cc14: Lebensphilosophische Systematik der Ontologischen Trias (Ingret).

29.12.1887. - 3.1.1888. Cc15: „Zweite Nihilismuskonferenz“ (Ingret/Aurele).

16-22.12.1899. Cc16: Ontologische Empirie und narrative Ordnung (Aurele).

3-6.1.1906. Cc17: Kategorienlehre der Ontologischen Trias (Aurele).

18-24.7.1912. Cc18: Achsen der Qualiaemergenz (Ninlinii).

28.4. - 4.5.1921. Cc19: Ontologie des Nichts (Yiihhi ).

E. N. Einigis (1741-1794)

 Der wie der Naturmagier Huckenstein (1536-1589) Dreiundfünfziggewordene philosophierte durch Sprüche. Er war durch und noch durcher Wissenschaftler, der Philosophie blieb er als ein Captain Obvious der alexanderklugeendmusikartigen Lakonik enthalten.


Er war kein Whataboutist oder Thereisnosuchthingist. Reduktionismus war gerade kein Merkmal seiner Lakonik. Zur Gottesvorstellung als ein höheres Wesen, das durch Gebote, Verbote, Regeln und Strafen regiert sagte er: „Wozu braucht Gott Macht? Er ist Gott“. Ein Wesen, egal wie powerful, zeigt sich gerade im Machtstreben und in der Machtausübung als ein nicht-göttliches Wesen. Aber auch Gott kann sich selbst nicht lieben. Zur Liebe braucht es ein Du. Das so als Hint; ein Religionskritiker war Einigis nicht, denn es war für ihn offensichtlich, was heilig ist und was profan.


Je nordöstlicher hinein ins Ostcolochmetien, umso kultfigürlicher wird Einigis. Seine Sprüche sind lokales Kulturerbe. Er war ein ungelehrter Unvisersalwissenschaftler, hatte für „Romane“ (so nannte er jedes Schriftstück länger als 160 Wörter) keine Zeit. Die ontologische Trias von Alien Dark bereicherte er bereits ab 1767 mit natürlichen und mathematischen Triaden. Er erfand immer bessere Rechenmaschinen, und sagte, dass wenn das Prinzip verstanden sei, es nur noch automatische Rechenleistung erforderte. Diese Arbeit war für ihn nicht geistig, es war stupide Nervenarbeit, vergleichbar mit frondienstlicher Muskelarbeit.


Er wollte alles durchmechanisieren, wollte den Dritten Stand durch Maschinen ersetzen. Er hatte kurz und knapp aphorisierte Befürchtungen, die andere dann zu großen dystopischen Erzählungen weiterverbreiteten; seine Alpträume hießen Demokratie, Promiskuität, Kapitalismus, Egalitarismus, Säkularismus. 


Die karierten und die linierten Wissenschaften haben nach Einigis unterschiedliche Wahrheitskriterien, Erkenntnisse können nicht direkt übertragen werden, und dennoch können sich karierte und linierte Wissenschaften intuitiv bereichern. Aus der Grammatik schließt Einigis auf die Fundamentalität von 1, 2 und 3, und nennt sie, zusammen mit der 0 „ursprüngliche Zahlen“. Alle anderen Zahlen nennt er „emergente Zahlen“. Die dezimale Systementalistik hat für ihn einen ästhetischen Wert; der binären Janeinistik zieht er die „grammatische Vollständigkeit“ vor und entwickelt eine Ursprünglichkeit der Zahlizität. Doch er warnt auch vor der Zahlenmystik, und zeigt an den Beispielen von Huckenstein auf, dass es ihm um „automatisches Kopfrechnen“ ging, und eben nicht um versteckte magische Bedeutungen.


Der Weg von der 0 zu 1 ist grundsätzlich nicht fassbar. Die intellektuelle Anschauung zeigt, dass die 1, sobald sie ist, nicht die 0, sondern die Nicht-1 sichgegen hat, und das führt zur 2. In der 3 kommt dieser Dualismus zur Ruhe, und ab der 4 kann der Verstand die emergenten Zahlen weiterverfolgen. 


Karierte Wissenschaften sind Anwendungswissenschaften, linierte Wissenschaften sind Erklärungswissenschaften, so Einigis. Unreflektierte Anwendungswissenschaften sind in der Sohngeneration nur noch Technik (Gebrauch ohne Verstehen), und in der Enkelgeneration Magie. Unreflektierte Erklärungswissenschaften sind in der Sohngeneration Weltwissen und in der Enkelgeneration Märchen. 


Einigis kritisierte einseitige Heftigkeit und fo/örderte im Bildungssystem die Gleichheftigkeit von Kariert und Liniert; er selbst sah ein, dass er zu wenig im linierten Bereich wusste, und erkannte das als ein epistemisches Problem auf der Reflexionsebene. 

Sonntag, 15. März 2026

Die Dritte Ruhige Kugel

 

 

 Lile. Das Stadion des CV Lile wurde am 1.6.1920 fertiggestellt. Eine hohle Steinkugel mit dem Durchmesser von 222 cm wurde symbolträchtig vom Anstoßpunkt zum Nullpunkt (literarische Bezeichnung) des Higeilles-Parks gerollt. Anroller war der legendäre General Riki, für keinen Unsinn zu alt.

Der fertiggestellte Teil des Parks wird in großer Kürze Schauplatz der Dritten Ruhigen Kugel sein.


5-8.6.1920. J. M. Higeilles trägt in kleiner Runde mit leiser Stimme Elfenlyrik vor. Selbst Eichörnchen hören zu.


Lockere Gesprächsrunden bis zum Monatsende. Die größten Denker arbeiten. Der schon etwas ältere und kaum noch aktive Wolf Irr liest aus dem jüngst geborgenen Nachlass von Gravelaine. Magic Moment, wie T-1000 durch Gitter, ist, als er liest: „Ich habe nur noch Angst. Ich habe Angst, dass sie gewinnen, und wir so werden wie sie. Ich habe Angst, dass wir gewinnen und so werden wie sie“. [Das Schriftstück erweist sich 1942 linguistisch und 2026 physikalisch als eindeutig ein Original].


Willi Mun, erster Präsident der Rechtsrepublik Vengria, legt am 30.6.1920 hier vor den Colochmeten seinen Amtseid ab. Der Bund von Finstern und nebellungentreue Verbündete vereinbaren für die Zukunft, dass ein gemeinsames politisches Staatsoberhaupt gewählt werden soll [Spoiler: es wird erst am 3.4.1961 passieren, bis dahin wird diesbezüglich eine ruhige Kugel geschoben]. 


Kontextum minimum: 1848 als Adelsrepublik gegründet, wird Vengria nach dem zusammen mit den Colochmeten-Staaten und Keria gewonnenen Krieg von 1911-1914 und den Folgescharmützeln immer unregierbarer. Bevor ein Bürgerkrieg ausbricht, einigen sich die Vortrefflichsten der Adligen auf eine Verfassubgsreform, das Bürgertum einbeziehend. Der kulturelle und religiöse Einfluss der Colochmeten ist derart überwältigend, dass diese als Meister anerkannt werden (im Meister-Schüler-Verhältnis).



Aurele und Bernard lobten 1918 die neue vengrische Rechtsphilosophie, und bestätigten die Korrektheit der Dark- und Ingret-Rezeption; „…aber seid nicht nur Zaungäste“, bemerkte Aurelius 1919. Am 3.7.1920 stellt den Nordvenger Len Ede (*1888) sein neues Buch über die Geschichte der westlichen Philosophie vor:

“Und es fängt doch mit Kjelde an!“

Die Argumentation Edes ist, dass die wissenschaftliche Philosophie in dem Sinne Meta-Physik ist, als dass sie, wie die Mathematik, eine Fortsetzung der Erkenntnis des Seienden mit abstrakteren Mitteln ist. Er trennt sie daher von der Philosophie an sich, die keine strenge Wissenschaft sein kann, sondern die Kreismitte des Weltbezugs, umkreist von Kunst, Psychologie und Moral, darstellt. Über ihr steht die Religion, unter ihr der Krieg, und so wird aus dem Kreis eine Kugel.


Kjelde ist der erste neuzeitliche Philosoph in diesem engen Sinne, nach ihm kommt Geavelaine, dann weniger prominente Denker, dann Juni Jungkind…


…und dann liest Ede einen dreiseitigen Abschnitt vor, in dem immer mehr der Ton von Ilf Ill erkennbar wird. Endschliesslich führt Ede die Quelle an: Ill, 1921. Ede hat also Ill aus der Zukunft zitiert. In dem Buch, das Ill erst nächstes Jahr veröffentlicht, geht es darum, dass alle geistesgeschichtlichen Zuordnungen arbiträr sind und sich nach dem richten, was für den jeweiligen Rezipienten das Wesentliche ist. Das Lachen dauert lange, dann aber gesteht Ill, Teile des Manuskripts Ede gezeigt zu haben. Ede stellt den Rest seines eigenen Buches vor und erklärt, dass für ihn der positive ontologisch skeptische Nihilismus die einzige Form des Weltbezugs ist, also sind nur für ihn allein, für Leonhard Ede, Kjelde, Gravelaine, Jungkind, N. N. Denn und als letzter Vertreter dieser Linie der anwesende Ilf Ill die bestimmenden Denker der Geistesgeschichte.


6.7.1920. Eric Bernard warnt vor monokausalistischen Verengungen. Sich auf den historischen Roman "Rom" (1824) von Roman Rim beziehend, zeigt Bernard, dass die am Ende des Romans über ein Imperium in einer fiktiven Welt gestellte Frage: "Warum haben die Eliten Roms das Christentum angenommen?" zu monokausalen Erklärungen einlädt, die zwangsläufig kontrafaktisch sein würden. 


Doch der im selben Roman erwähnte "Occams Taschenmesser", eine Methode, die alle tatsächlichen Gründe für ein Ereignis einbezieht, und keinen Grund auslässt, führt in Erklärungsnot, da sich dadurch jedes Ereignis als ultrakontingent erweist. Also bedarf es absichtlicher Auslassung valider Gründe. Das tut allerdings der Wahrheit im klassischen Sinne von Übereinstimmung von Sache und Vorstellung über die Sache Abbruch. 


Eine geschichtswissenschaftliche Vorlesungsreihe über die beiden Extreme Monokausalität und Ultrakontingenz wird Bernard im Herbst 1920 in Preteria halten. 

Dienstag, 17. Februar 2026

Arian Alihaide (1716-1761)

 Es wäre kein kategorischer Kategorienfehler, diesen radikal Rechten auch einen Rechtsradikalen zu nennen. See: er war als Funktionsmetaphysiker sozialisiert worden, ging also von prinzipieller ontologischer Gleichheit aus. Somit war er durch und durch Demokrat, und konnte im demokratischen Spektrum der Politik nur noch weiter nach rechts gehen, wo er längst hätte nach oben gehen sollen.


Für die Philosophiegeschichte vielleicht ein Glück, denn bis heute haben Rechtsradikale eine vortreffliche Identifikationsfigur. Alihaide wuchs in Ceachelle und auf den nordwestlichen Inseln auf; er war Bürger zweier Länder, die sich bekriegten. Obzwar von 1721 bis 1755 offiziell Kriegsruhe herrschte, waren die Kolonialräuber mit uns durchaus verfeindet, was aber die aussterbende Familie Alihaide (er war einziger Sohn und blieb kinderlos) nicht in ihren lebensweltlichen Verhältnissen störte.


Alihaide begann 1741, also mit 25, politisch-philosophische Essays zu verfassen. Er war frei in seinem Ausdruck, und er fing an als gemäßigt Rechter. Also hatte er viel Luft nach rechts. Und er atmete sie.


Was war die tiefere Ursache seiner Versteifung auf das Politische? Warum verschlief er die Moralische Revolution? Es gab mehrere Gründe. Er wollte unbedingt an den epistemischen Beschränkungen des klassischen Idealismus festhalten, und hielt die theoretischen Grundlagen der Philosophie für erforscht. Für den individuellen Willen sah er in der Weltordnung keinen Platz außer dem Bürgerlichen, der ihm mehr als gemütlich schien.


Alihaide versuchte bis Ende 20, eine Verbindung der politischen Philosophie mit der Naturwissenschaft herzustellen und schrieb Menschengruppen tierische Abstammungen zu. Er betrieb sehr tendenziös Völkerkunde, was ihm aber bald selbst langweilig wurde. Er wollte keineswegs eine reduktionistische Rassenphilosophie begründen; was er als Rassen bezeichnete, verstand nur er, da es weder phänotypisch noch lebenskukturell so etwas wie Rassen gibt. Aber vielleicht gab es sie! Vielleicht könnte es sie in anderen Welten geben! Keine Sackgasse, die er nicht durchwanderte.


Mit Mitte 30 wurde er streng soziologisch und schrieb, dass je besser eine Gesellschaft, umso mehr sie nach Weltherrschaft streben sollte, damit so viele wie möglich so gut wie möglich sozialisiert und regiert werden. Dass jede Gesellschaft und jede Regierungsform Resultat bestimmter Zusammenwirkungen war, und eben nicht pauschal als oktroyiert zu betrachten, war dem Funktionalisten, der er war, zu unkonstruktivistisch. Er sah letztlich ein, dass er von der Moralischen Revolution rechts überholt wurde, aber er verstand nicht, wie und warum.


Die Teilnahme am politischen Diskurs schien ihm zu sehr Selbstzweck zu sein, als damit irgendwohin hinaus zu wollen. Er las sich selbst gern schreiben wie so viele Parlamentarier sich selbst gern reden hören. Seine nordwestliche Herkunftswurzeln blieben ihm immer präsent, und er kokettierte durchaus mit der Teilnahme an der dortigen Politik. Doch die Kriegsbetreibungen seiner Landsleute zeigten ihm, dass Politik auch für sie eher Nebensache war.


1758 schrieb Alihaide, das Politische sei eine Illusion, und das Eigentliche sei in der Finisterre das über-politische Moralische, in den Ländern der Aggressoren aber das unter-politische Tierische, das banal Verbrecherische. Er nahm am Krieg als Offizier teil und kämpfte mit rechtsradikaler Härte. Endlich konnte er seine politischen Gedanken verwirklichen. Im Rahmen der militärischen Ehre, und nie die Grenze zur Grausamkeit überschreitend, zeichnete Alihaide sich militärisch und standrechtlich aus. Er exekutierte gern eigenhändig.






„Das Gute ist die Negation des Wahren. Was ist, soll nicht sein. Das ist der strukturelle Gedanke hinter dem kometenhaften Aufstieg des Antinatalismus im Sommer der Moralischen Revolution. 

Das nicht wahre Gute ist dem Wahren ein Nichts. Doch für es selbst ist es die Überwindung des Bestehenden. Das ist die andere Seite der Moralischen Revolution, die sich im Juni 1748 direkt und und ohne gedankliche Vorarbeit im Zeitgeist festsetzte. 

Die Moralische Revolution nach Alihaide ist nicht mehr als das; das positive Moment blieb ihm verschlossen. So postulierte er im Frühsommer 1752, am Ende der Geschichte zu leben, und das Politik, wenn nicht zum Kriege fortschreitend, überflüssig geworden sei. In Lxiour wurde in jenem Jahr das 100-jährige Staatsjubiläum gefeiert; das System von Alien Dark war zu diesem Zeitpunkt nur Programm, es gab keine konkrete Vorstellung von der Zukunft. 

Mit Mitte 30 fand sich der politische denkende Alihaide in einem politischen Vakuum wieder. 1753 war von Politik nirgends mehr die Rede, es brach eine mystische Zeit an…“

Aus dem Buch „Mysterious Times“ von Dan Croor, 1998.

Freitag, 30. Januar 2026

L. A. Preciado (1687-1748)

 


Preciado springt einer wichtigen Senatorenfamilie ur. Früh untersach er die als mangelhaft befundenen Kenntnisse der Traditionsgeschichte in Preteria, und kehrte selbstzufrieden in die Finisterre zurück. Ab 1717 begründete er in Lxiour die Schule der Kapitalwissenschaften, und steuerte Kapital zur Gründung der Schule der Sozialwissenschaften 1718 bei. Von da an arbeitete er mit Leen interdisziplinär der Vorbereitung der Grundlagen der Moralischen Revolution zu: nur vollendet im Wahren konnte das Zeitalter des Guten begrüßt werden.


Sächlich der Tat war es quasi sozusagen halt eben die Finisterre halt, die fruchtgereift als erste Kulturlandschaft der Neuzeit dem Guten entgegenging. Käumlichst zwar Originaldenker, dennöchlich halt eine große natürliche Autorität, tat sich Preciado auch politisch immer hervorer, und verweilte die letzten 11 Jahre seines Lebens im höchsten politischen Amt. Wenige Tage vor seinem Tod trat er zurück. In seinem letzten Jahr als Regierungschef erlebte er die Moralische Revolution.


Kurzundgut, sind nun nur noch die weiteren Vorbereiter zu nennen, denn abgesehen von den Weltanschaülern gab es halt eben halt quasi sozusagen bis Alien Dark keine wichtigen Philosophen. Nhieu und Dexter waren durchaus interessante Denker der alten Tradition, aber halt nicht mehr relevant ab 1747. Wer war also los?


Ray Kress (1695-1765), ein Vorfahre von Wolf Kress, systematisierte die Zweckphilosophie, die aus der Preteria-Vienne-Tradition als einzig wertvolles Destillat gewonnen werden konnte. Greg Wilson (1703-1766) entwarf die automatische Argumentalistik, ein Veri- und Falsifikationsleitfaden für die Relevanzfähigkeit von Argumenten. Andres Tree (1704-1776) untersuchte die Kompetenzenkompetenz sprachlicher Darstellungsweisen der Wirklichkeit. Ken Kiroff (1708-1761) legte Grund für die Exegese religiös und religionsphilosophisch relevanter Schriften. Kurz: die neue Tradition war nicht auf der Ignoranz der alten gegründet; sie ließ das Gültige gelten, und ging selbst neue Wege.


Mitteende Mai 1748 begann der kürzeste, aber gewaltigste Xicesommer der Finisterre. Und Preciado führte das Land des Tees in ein neues, unbekanntes Zeitalter: alles, was in der Finisterre vor 1748 geschah, ließe sich in die Geschichte früherer Zivilisationen parallelübertragen, doch von da an betrat eine Kultur Weltneuland. Als Kultur über das vollendete Wahre hinaus in die „eigentlich“ nur individuell erreichbare Sphäre des Guten zu kommen, bedeutete auch, dass die noosphärischen Grundlagen des Schönen ebenhier Home und Heimat finden würden.


Inian Leen (1683-1754)


„Was ist Lassen?“ ist sein genuin philosophisches Hauptstück. Darin kritisiert er die Askese scharf: Ja, sie sei durchaus ein Anzeichen eines starken Willens, aber ein starker Wille, der sich auf die Entsagung fixiert, lebt nur noch von und in der Entsagung. Sie kann aber kein Selbstzweck sein. Also sollte die Willenskraft nicht an die Askese verschwendet werden, vielmehr muss das Lebensweltliche klug und effizient gemanagt werden, damit das Geistige und Höhere in den Mittelpunkt rücken kann.


„In einer degenerierten Gesellschaft wird die Fiktion von Rache besessen sein, und eine schlechte Welt (mit Grausamkeiten und profanierenden Kontingenzen) wird dies verstärken“, aphorisierte er, und da denkt sich selbst sich einem spontan an all die Avengers, Punishers und Equalizers und Monte Crispies, John Does etece uswufs.


„Der Mann, der sich viel Zeit ließ“, vom Vater als biographischer Roman geschrieben (Danger Russell, 1961), vom Sohn verfilmt (Cameron Russell, 2001), so wurde Leen selbst von den ruhigsten Kugelschiebern genannt. Er war faul und effizient, nicht langsam im debilen Sinne. Keiner schob eine ruhigere Kugel.


Er hetzte und eilte nie, und war immer im Flow-Zustand. Ein angeborener Taoismus.


Die Konsequenz, nicht Strafe, für den Verrat am Wahren sei der Wahnsinn (im negativen Sinne), wusste Leen, und brachte so um 1736 einem jungen Radikalfighisten bei, dass das Gute ein Weg und kein Selbstziel ist. Ein Weg vom Basislager des Wahren zum Palast des Schönen, wird der nicht mehr junge Alien Dark seinem Schüler Linn Crouch später beibringen. 


Das Schöne wurde bereits im Frühessentialismus mit dem Guten identifiziert, weil beides noch eine Höhenasymptote war. Erst mit dem erkannten und erfolgreich verteidigten Wahren war das Gute konkret, und somit nur noch das Schöne abstraktes Ideal.


Ad Superhominem: Der Mystiker Higeilles (1670-1741) und der westcolochmetische Staatschef Nin:inii (1658-1740) waren gute Freunde von Leen. Sie trafen sich oft zum Tee und hatten Teebutler, die die Teesorten abprotokollierten; nur schwarze Tees trinken taten die Männer tun, und es waren am Ende 231 getrunkene Schwarzteesorten. Allein 21 davon kamen direkt aus Dorcor.

Freitag, 16. Januar 2026

Mauro Aprecido (1668-1751)

 


Der Begründer der wissenschaftlichen Geographie und der Förderer der Geologie und Biologie wurde in der Nähe von LC in Actinien geboren. Die Solare Trias aus der Finisterre, Actinien und der Highice wurde 1721 mit der Gründung der Highice durch Aprecido vervorläuferisiert; erst ab dem 4.5.1761 existiert sie offiziell, als Ergebnis des Sieges im Iniischen Krieg (1755-1761). Aprecido hätte in diesem Krieg mit Sicherlichkeit gekämpft, wenn er noch gelebt hätte, aber er starb schon in einem so hohen Alter, dass es.


Im Alter erforschte er das Alter, und stellte fest, dass es einen, wie wir heute sagen, genetischen Grund gibt, dass wir an ein Maximalalter stoßen, das nicht überschritten werden kann, egal wie weit die, wie wir heute sagen, Gentechnik noch fortschreitet. Doch spätestens hier ist ein thematisches Zurückzulück notwendig, denn in Aprecidos Leben und Werk kulminiert ein ganzes Zeitalter, das für die Finisterre 1652 (zweites Xice) bzw. 1672 (zweites Lhinn) anfängt. Nach Alien Dark verkörpert keiner so wie Mauro Aprecido die Vollendung der Zeit des Wahren (1652-1748).


1685-1698 bereiste Aprecido, basically, die Welt per Schiff. 1697 war er bei der Gründung der ersten Siedlung in der Highice dabei, das Land wurde im Juni 1697 überhaupt erstmals betreten. Durch die Seeblockade im 18. Jahrhundert hatte es für die Finisterre und Actinien lange nur die Bedeutung, dass bekannt war, dass es existierte. Erst ab 1811 war es möglich, eine permanente Verbindung herzustellen. 


Natur- und Völkerkunde waren sein philosophischer Beitrag, der an Kurzweil kaum zu übertreffen ist. Er bereiste auch das Land per es selbst, besuchte Ende 1732 und Anfang 1746 Dorcor. Die erste Ceachelle-Konferenz zur Weltlage eröffnete er am 3.8.1744 mit seinem ausführlichen Bericht. Er hörte zu, und es wurde ihm zugehört. Politisch wuchs sein Einfluss nahezu exponentiell, bis letztlich aus grauer Eminenz weiße Immanenz wurde: er war von September 1746 bis zu seinem Tod Senatspräsident.


Atlas und Almanach wurden von Aprecido erfunden; er standardisierte das Einschätzungsverfahren für natur- und kulturstatistische Parameter. 1700 kam das erste Ceachelle-Almanach heraus, und 1750 redaktierte er das 51-ste und letzte unter seiner Sosicht. Die Almanächer waren auch ein wichtiger Zustandsbarometer, und beeinflussten die 1613-Diskussion im Jahr 1750 entscheidend. Moncur argumentierte nicht spekulativ, er bewertete reale Daten aus den Almanächern von Aprecido.