Dienstag, 17. Februar 2026

Arian Alihaide (1716-1761)

 Es wäre kein kategorischer Kategorienfehler, diesen radikal Rechten auch einen Rechtsradikalen zu nennen. See: er war als Funktionsmetaphysiker sozialisiert worden, ging also von prinzipieller ontologischer Gleichheit aus. Somit war er durch und durch Demokrat, und konnte im demokratischen Spektrum der Politik nur noch weiter nach rechts gehen, wo er längst hätte nach oben gehen sollen.


Für die Philosophiegeschichte vielleicht ein Glück, denn bis heute haben Rechtsradikale eine vortreffliche Identifikationsfigur. Alihaide wuchs in Ceachelle und auf den nordwestlichen Inseln auf; er war Bürger zweier Länder, die sich bekriegten. Obzwar von 1721 bis 1755 offiziell Kriegsruhe herrschte, waren die Kolonialräuber mit uns durchaus verfeindet, was aber die aussterbende Familie Alihaide (er war einziger Sohn und blieb kinderlos) nicht in ihren lebensweltlichen Verhältnissen störte.


Alihaide begann 1741, also mit 25, politisch-philosophische Essays zu verfassen. Er war frei in seinem Ausdruck, und er fing an als gemäßigt Rechter. Also hatte er viel Luft nach rechts. Und er atmete sie.


Was war die tiefere Ursache seiner Versteifung auf das Politische? Warum verschlief er die Moralische Revolution? Es gab mehrere Gründe. Er wollte unbedingt an den epistemischen Beschränkungen des klassischen Idealismus festhalten, und hielt die theoretischen Grundlagen der Philosophie für erforscht. Für den individuellen Willen sah er in der Weltordnung keinen Platz außer dem Bürgerlichen, der ihm mehr als gemütlich schien.


Alihaide versuchte bis Ende 20, eine Verbindung der politischen Philosophie mit der Naturwissenschaft herzustellen und schrieb Menschengruppen tierische Abstammungen zu. Er betrieb sehr tendenziös Völkerkunde, was ihm aber bald selbst langweilig wurde. Er wollte keineswegs eine reduktionistische Rassenphilosophie begründen; was er als Rassen bezeichnete, verstand nur er, da es weder phänotypisch noch lebenskukturell so etwas wie Rassen gibt. Aber vielleicht gab es sie! Vielleicht könnte es sie in anderen Welten geben! Keine Sackgasse, die er nicht durchwanderte.


Mit Mitte 30 wurde er streng soziologisch und schrieb, dass je besser eine Gesellschaft, umso mehr sie nach Weltherrschaft streben sollte, damit so viele wie möglich so gut wie möglich sozialisiert und regiert werden. Dass jede Gesellschaft und jede Regierungsform Resultat bestimmter Zusammenwirkungen war, und eben nicht pauschal als oktroyiert zu betrachten, war dem Funktionalisten, der er war, zu unkonstruktivistisch. Er sah letztlich ein, dass er von der Moralischen Revolution rechts überholt wurde, aber er verstand nicht, wie und warum.


Die Teilnahme am politischen Diskurs schien ihm zu sehr Selbstzweck zu sein, als damit irgendwohin hinaus zu wollen. Er las sich selbst gern schreiben wie so viele Parlamentarier sich selbst gern reden hören. Seine nordwestliche Herkunftswurzeln blieben ihm immer präsent, und er kokettierte durchaus mit der Teilnahme an der dortigen Politik. Doch die Kriegsbetreibungen seiner Landsleute zeigten ihm, dass Politik auch für sie eher Nebensache war.


1758 schrieb Alihaide, das Politische sei eine Illusion, und das Eigentliche sei in der Finisterre das über-politische Moralische, in den Ländern der Aggressoren aber das unter-politische Tierische, das banal Verbrecherische. Er nahm am Krieg als Offizier teil und kämpfte mit rechtsradikaler Härte. Endlich konnte er seine politischen Gedanken verwirklichen. Im Rahmen der militärischen Ehre, und nie die Grenze zur Grausamkeit überschreitend, zeichnete Alihaide sich militärisch und standrechtlich aus. Er exekutierte gern eigenhändig.






„Das Gute ist die Negation des Wahren. Was ist, soll nicht sein. Das ist der strukturelle Gedanke hinter dem kometenhaften Aufstieg des Antinatalismus im Sommer der Moralischen Revolution. 

Das nicht wahre Gute ist dem Wahren ein Nichts. Doch für es selbst ist es die Überwindung des Bestehenden. Das ist die andere Seite der Moralischen Revolution, die sich im Juni 1748 direkt und und ohne gedankliche Vorarbeit im Zeitgeist festsetzte. 

Die Moralische Revolution nach Alihaide ist nicht mehr als das; das positive Moment blieb ihm verschlossen. So postulierte er im Frühsommer 1752, am Ende der Geschichte zu leben, und das Politik, wenn nicht zum Kriege fortschreitend, überflüssig geworden sei. In Lxiour wurde in jenem Jahr das 100-jährige Staatsjubiläum gefeiert; das System von Alien Dark war zu diesem Zeitpunkt nur Programm, es gab keine konkrete Vorstellung von der Zukunft. 

Mit Mitte 30 fand sich der politische denkende Alihaide in einem politischen Vakuum wieder. 1753 war von Politik nirgends mehr die Rede, es brach eine mystische Zeit an…“

Aus dem Buch „Mysterious Times“ von Dan Croor, 1998.

Freitag, 30. Januar 2026

L. A. Preciado (1687-1748)

 


Preciado springt einer wichtigen Senatorenfamilie ur. Früh untersach er die als mangelhaft befundenen Kenntnisse der Traditionsgeschichte in Preteria, und kehrte selbstzufrieden in die Finisterre zurück. Ab 1717 begründete er in Lxiour die Schule der Kapitalwissenschaften, und steuerte Kapital zur Gründung der Schule der Sozialwissenschaften 1718 bei. Von da an arbeitete er mit Leen interdisziplinär der Vorbereitung der Grundlagen der Moralischen Revolution zu: nur vollendet im Wahren konnte das Zeitalter des Guten begrüßt werden.


Sächlich der Tat war es quasi sozusagen halt eben die Finisterre halt, die fruchtgereift als erste Kulturlandschaft der Neuzeit dem Guten entgegenging. Käumlichst zwar Originaldenker, dennöchlich halt eine große natürliche Autorität, tat sich Preciado auch politisch immer hervorer, und verweilte die letzten 11 Jahre seines Lebens im höchsten politischen Amt. Wenige Tage vor seinem Tod trat er zurück. In seinem letzten Jahr als Regierungschef erlebte er die Moralische Revolution.


Kurzundgut, sind nun nur noch die weiteren Vorbereiter zu nennen, denn abgesehen von den Weltanschaülern gab es halt eben halt quasi sozusagen bis Alien Dark keine wichtigen Philosophen. Nhieu und Dexter waren durchaus interessante Denker der alten Tradition, aber halt nicht mehr relevant ab 1747. Wer war also los?


Ray Kress (1695-1765), ein Vorfahre von Wolf Kress, systematisierte die Zweckphilosophie, die aus der Preteria-Vienne-Tradition als einzig wertvolles Destillat gewonnen werden konnte. Greg Wilson (1703-1766) entwarf die automatische Argumentalistik, ein Veri- und Falsifikationsleitfaden für die Relevanzfähigkeit von Argumenten. Andres Tree (1704-1776) untersuchte die Kompetenzenkompetenz sprachlicher Darstellungsweisen der Wirklichkeit. Ken Kiroff (1708-1761) legte Grund für die Exegese religiös und religionsphilosophisch relevanter Schriften. Kurz: die neue Tradition war nicht auf der Ignoranz der alten gegründet; sie ließ das Gültige gelten, und ging selbst neue Wege.


Mitteende Mai 1748 begann der kürzeste, aber gewaltigste Xicesommer der Finisterre. Und Preciado führte das Land des Tees in ein neues, unbekanntes Zeitalter: alles, was in der Finisterre vor 1748 geschah, ließe sich in die Geschichte früherer Zivilisationen parallelübertragen, doch von da an betrat eine Kultur Weltneuland. Als Kultur über das vollendete Wahre hinaus in die „eigentlich“ nur individuell erreichbare Sphäre des Guten zu kommen, bedeutete auch, dass die noosphärischen Grundlagen des Schönen ebenhier Home und Heimat finden würden.


Inian Leen (1683-1754)


„Was ist Lassen?“ ist sein genuin philosophisches Hauptstück. Darin kritisiert er die Askese scharf: Ja, sie sei durchaus ein Anzeichen eines starken Willens, aber ein starker Wille, der sich auf die Entsagung fixiert, lebt nur noch von und in der Entsagung. Sie kann aber kein Selbstzweck sein. Also sollte die Willenskraft nicht an die Askese verschwendet werden, vielmehr muss das Lebensweltliche klug und effizient gemanagt werden, damit das Geistige und Höhere in den Mittelpunkt rücken kann.


„In einer degenerierten Gesellschaft wird die Fiktion von Rache besessen sein, und eine schlechte Welt (mit Grausamkeiten und profanierenden Kontingenzen) wird dies verstärken“, aphorisierte er, und da denkt sich selbst sich einem spontan an all die Avengers, Punishers und Equalizers und Monte Crispies, John Does etece uswufs.


„Der Mann, der sich viel Zeit ließ“, vom Vater als biographischer Roman geschrieben (Danger Russell, 1961), vom Sohn verfilmt (Cameron Russell, 2001), so wurde Leen selbst von den ruhigsten Kugelschiebern genannt. Er war faul und effizient, nicht langsam im debilen Sinne. Keiner schob eine ruhigere Kugel.


Er hetzte und eilte nie, und war immer im Flow-Zustand. Ein angeborener Taoismus.


Die Konsequenz, nicht Strafe, für den Verrat am Wahren sei der Wahnsinn (im negativen Sinne), wusste Leen, und brachte so um 1736 einem jungen Radikalfighisten bei, dass das Gute ein Weg und kein Selbstziel ist. Ein Weg vom Basislager des Wahren zum Palast des Schönen, wird der nicht mehr junge Alien Dark seinem Schüler Linn Crouch später beibringen. 


Das Schöne wurde bereits im Frühessentialismus mit dem Guten identifiziert, weil beides noch eine Höhenasymptote war. Erst mit dem erkannten und erfolgreich verteidigten Wahren war das Gute konkret, und somit nur noch das Schöne abstraktes Ideal.


Ad Superhominem: Der Mystiker Higeilles (1670-1741) und der westcolochmetische Staatschef Nin:inii (1658-1740) waren gute Freunde von Leen. Sie trafen sich oft zum Tee und hatten Teebutler, die die Teesorten abprotokollierten; nur schwarze Tees trinken taten die Männer tun, und es waren am Ende 231 getrunkene Schwarzteesorten. Allein 21 davon kamen direkt aus Dorcor.

Freitag, 16. Januar 2026

Mauro Aprecido (1668-1751)

 


Der Begründer der wissenschaftlichen Geographie und der Förderer der Geologie und Biologie wurde in der Nähe von LC in Actinien geboren. Die Solare Trias aus der Finisterre, Actinien und der Highice wurde 1721 mit der Gründung der Highice durch Aprecido vervorläuferisiert; erst ab dem 4.5.1761 existiert sie offiziell, als Ergebnis des Sieges im Iniischen Krieg (1755-1761). Aprecido hätte in diesem Krieg mit Sicherlichkeit gekämpft, wenn er noch gelebt hätte, aber er starb schon in einem so hohen Alter, dass es.


Im Alter erforschte er das Alter, und stellte fest, dass es einen, wie wir heute sagen, genetischen Grund gibt, dass wir an ein Maximalalter stoßen, das nicht überschritten werden kann, egal wie weit die, wie wir heute sagen, Gentechnik noch fortschreitet. Doch spätestens hier ist ein thematisches Zurückzulück notwendig, denn in Aprecidos Leben und Werk kulminiert ein ganzes Zeitalter, das für die Finisterre 1652 (zweites Xice) bzw. 1672 (zweites Lhinn) anfängt. Nach Alien Dark verkörpert keiner so wie Mauro Aprecido die Vollendung der Zeit des Wahren (1652-1748).


1685-1698 bereiste Aprecido, basically, die Welt per Schiff. 1697 war er bei der Gründung der ersten Siedlung in der Highice dabei, das Land wurde im Juni 1697 überhaupt erstmals betreten. Durch die Seeblockade im 18. Jahrhundert hatte es für die Finisterre und Actinien lange nur die Bedeutung, dass bekannt war, dass es existierte. Erst ab 1811 war es möglich, eine permanente Verbindung herzustellen. 


Natur- und Völkerkunde waren sein philosophischer Beitrag, der an Kurzweil kaum zu übertreffen ist. Er bereiste auch das Land per es selbst, besuchte Ende 1732 und Anfang 1746 Dorcor. Die erste Ceachelle-Konferenz zur Weltlage eröffnete er am 3.8.1744 mit seinem ausführlichen Bericht. Er hörte zu, und es wurde ihm zugehört. Politisch wuchs sein Einfluss nahezu exponentiell, bis letztlich aus grauer Eminenz weiße Immanenz wurde: er war von September 1746 bis zu seinem Tod Senatspräsident.


Atlas und Almanach wurden von Aprecido erfunden; er standardisierte das Einschätzungsverfahren für natur- und kulturstatistische Parameter. 1700 kam das erste Ceachelle-Almanach heraus, und 1750 redaktierte er das 51-ste und letzte unter seiner Sosicht. Die Almanächer waren auch ein wichtiger Zustandsbarometer, und beeinflussten die 1613-Diskussion im Jahr 1750 entscheidend. Moncur argumentierte nicht spekulativ, er bewertete reale Daten aus den Almanächern von Aprecido.


Mittwoch, 14. Januar 2026

Greder Maccaffedree (1664-1732)

 


Hielt Jihib erst für ausgedacht, und später für einen König aus ferner Vergangenheit, und starb selbst noch vor Jihib. Maccaffedree war nämlich ein radikaler Reduktionist. Er war in Aria noch beliebter als Xetter, der für die Aren zu pervers war (in Vienne gerade deshalb hofiert, in Preteria als verbotene Frucht gehypt), während er selbst eine akademische Hochnäsigkeit zelebrierte, die im aufstrebenden Großreich gern gesehen war. 


Er reiste nie weiter östlich als Aria, schrieb aber gern über den Osten. An die Existenz von Dorcor glaubte er nicht. Odnakorowdzhan warf er vor, exotische Märchen zu erzählen. Dabei war Maccaffedree ein sehr angenehmer Zeitgenosse, war good with people. Er war nicht so intelligent wie Ned Nierynckx, aber strahlte eine seriösere Intellektualität aus. 


Zwar ist weltweit keine Straße nach ihm benannt, aber das Wort für eine befestigte Straße ist in Aria und auch in Jibulat (von Aria künftig) Greder. Er brachte nämlich die Technologie des Straßenbaus mit, hatte das Projekt, eine Schnellstraße für Pferdekutschen von Aria nach Dea zu bauen, lange im Sinn gehabt, wobei das eigentliche Ziel die Zerstörung des neuen Serpedier-Reiches war. Er hatte eine persönliche Rechnung offen, strebte den Tod aller Serpedier an, und wirkte ab 1704 diplomatisch an der Kriegsvorbereitung der Länder der Lunaren Trias gegen Tegusziltea mit. Letztlich waren die Könige zu bequem und wollten nicht zu viel riskieren.  


Ab 1711 lebte er praktisch nur noch in Aria, kam nie wieder in die Finisterre zurück, und starb in Vienne. Von dort aus brachte die arische Reiterpost seine Zeichnungen von befestigten Straßen nach Jibulat; der König, den Maccaffedree für ausgedacht oder seit Jahrhunderten tot hielt, befahl kurz vor seinem Tod, nach den Zeichnungen von Maccaffedree eine Straße von Jibulat nach Carahar zu bauen. In Jibulat wusste man nichts von seiner Philosophie und hielt Maccaffedree für einen Ingenieur.



Anmerkung von Jack:

Maccaffedree galt als seriös, weil er nicht nur einen nihilistischen Reduktionismus predigte: er vermengte gekonnt die Reduktion auf ein Prinzip, die Zurückführung zur einfachsten Ursache und die Scheinwiderlegung komplexer Zusammenhänge durch methodische Vereinfachung. Etwa: Ich trinke gerade diesen 40-jährigen Whisky, weil ich ein Angeber bin (Geltungskonsum), und nicht noch dazu, weil mir guter Whisky schmeckt, weil mich General Riki eingeladen hat, und weil Whisky unser Nationalgetränk ist.

Er reduzierte alle Wissenschaft auf basale Physik, war Epiphänomenalist und naiver Realist, und reüssierte vor allem in der Negation: er vermied die Beweispflicht und gerrymanderte Diskussionen so, dass der Opponent in der Beweispflicht stand. Ein dunkler Rhetoriker, das Gegenbild von Ned Nierynckx.


Wolf Irr, Ende Juli / Anfang August 1916.

Mittwoch, 7. Januar 2026

Das Zweite Symposeum von Reburt

 

 

 

4.4.1916.


Eric Bernard stellt die Metatheorie der geistesgeschichtlichen Zyklen vor. Die Zyklen dirimieren sich in fragile, robuste und antifragile. Fragile Zyklen werden durch ihre Reflexion gebrochen. Robuste Zyklen bestehen trotz ihrer bewussten Wahrnehmung. Antifragile Zyklen werden durch Wahrnehmung und reflektierte Interaktion verstärkt.


5.4.1916.


Kiite Aurele kommentiert: Fragile und antifragile Zyklen interagieren mit ihrer Reflexion, während robuste Zyklen von dieser unberührt bleiben. Den robusten Zyklen ist ihre Reflexion äußerlich; fragile Zyklen werden durch Reflexion gebrochen, antifragile verstärkt. 


Van Anderten merkt an, dass eine gezielte Manipulation robuster Zyklen zu einer Divergenz von Wahrnehmung und Wirklichkeit führt (so entstehen z. B. Crashs an der Börse, so gehen soziale Ordnungen kaputt, weil die wahrgenommen und die realen Verhältnisse nicht übereinstimmen). Nicht die robusten Zyklen selbst, sondern das sie tragende System kann durch bewusste Manipulation zerstört werden.


6.4.1916.


Wolf Kress über soziale Zyklen als selbsterfüllende Prophezeihungen. Das kann nur für weiche Zyklen gelten, sagt Jaffa Rui und klärt das Missverständnis, beeinflussbare Zyklen seien fragil und antifragil zugleich: weiche Zyklen lassen sich beeinflussen, verstärken, beenden, harte Zyklen nicht, und antifragile nur verstärken, aber nicht abschwächen oder abschaffen. Eric Bernard schlägt vor, harte Zyklen hyperstabil zu nennen. Van Anderten verweist lachend auf den Tageszyklus und die Planetenbewegungen. 


7.4.1916. 


Whisky und Bier. Kress trinkt wieder. Der Westen ist befriedet, er fällt aber ohne äußeren Rahmen der Askese in Suchtverhalten zurück. Ilf Ill berichtet in einem Vortrag über das zerfallene Sinpustan von seinen Weltreisen, und schlägt Kress und anderen vor, zu Fuß nach Carahar, oder, wenn eingeladen, nach Dorcor zu gehen. Er hält sogar für möglich, eine Reise zu Fuß nach PA und zurück zu unternehmen, diese könnte aber 10 Jahre dauern. Der Historikerstreit von 1914 löst sich in lustigen und launigen Gesprächen auf. 


8.4.1916.


Politiker, Lobbyisten, Kartenspieler (auch der amtierende Douracques-Weltmeister) gesellen sich dazu. Die Forschung in Bereichen Physik und Chemie wird von allen diplomatischen Vertretern der teilweise tief hinterwäldlerischen Staaten des Bundes von Finstern als höchste Priorität gesehen. Es fängt ein Wettbewerb um die stärkste Explosion an, die möglichen Polygone werden genannt. Es werden verbindliche Maßeinheiten für die Explosionsstärke definiert.



Das Erste Symposeum von Reburt: Hiite Ingret, 14-18.10.1911.

Montag, 5. Januar 2026

Qincong Endevereaux (1661-1699)

 

 

 

Unser Planet hat 31 Monde. Jede Mythologie hat eine Erklärung dafür, jede naturphilosophische Tradition hat sich mit großer Faszination diesem glücklichen Umstand gewidmet. Das sicherste Anzeichen geistesgeschichtlicher Dekadenz ist das Verschwinden der Monde im philosophischen Diskurs. Aus dem objektiven Geist des 17. Jahrhunderts sind die Monde nach und nach verschwunden; und ja, das ist besser als das was die Hofastrologen in Preteria und Vienne aus den Monden gemacht haben, doch es ist offensichtlichst eine Schande gegenüber der Begeisterungshaltung gegenüber diesen Perlen der Natur in Akeriki, wo um 1675 eine teleskopische Erforschung begann.


Endevereaux war ein Waisenkind ornelischer Einwanderer, lebte auf dem gleichnamigen Tafelberg, daher sein Pseudonym. Der Vorname ist ebenfalls Künstlername, der vorher rasprostranierte Name tut nichts zur Sache. Er lernte früh Astronomie, reichte Schrauben und -zieher beim Bauen von Teleskopen. Er war aber auch ein Mondphilosoph. Da es keine Rechenmaschinen gab, stellte er viele Berechnungen für Astronomen im Kopf und auf Papier an, und beteiligte sich an celestischer und terrestrischer Naturerforschung. Er tat in seinen 38 Jahren so viel für die Wissenschaft, dass ihm der folgende Schwachsinn mehr als nur nachzusehen ist, er ist ihm zu gönnen:


Es gibt nur eine Welt, unseren kugelförmigen Planeten. Dieser umkreist einen anscheinend riesigen Gasball, den noch andere Planeten umkreisen. Auf diesen gibt es kein Leben, sie sind kosmogonischer Schrott. Ab einer bestimmten Größe und der damit zusammenhängenden Masse verhalten sich feste Körper wie Flüssigkeiten, und formen sich zu Kugeln. So auch unsere 31 Monde. Im Gegensatz zu den minderwertigen Überbleibseln der Weltentstehung sind unsere Monde besser als unser Planet; je weiter entfernt, umso weiter ontomoralisch oben. Vom weitestenfernten Mond fällt ein Körper in die Richtung unseres Planeten, aber noch weiter ist kein Oben mehr*, da endet das System und es gibt keine Fallhöhe; also endet da auch die Welt. 


Im Grunde verarbeitet Endevereaux die verschüttete Kosmologie von Aristarch und seinen Schülern. Er erreicht nie das kosmologische und theologische Niveau des Hedonikus, aber er hält den tatsächlichen kosmologischen Aufbau der Welt für das grundlegendste und wichtigste Wissen. Er ist hier nicht besser als seine Zeitgenossen, die philosophische Spekulation unmittelbar für Wissen halten, und er „weiß“, dass der moralisch Vortreffliche auf dem nächsthöheren Mond geboren wird und so weiter bis zum höchsten. Er geht von 32 Leben aus, die im karmischen Aufstieg zum immer höher gelegenen Mond ihren Sinn haben. Was der Sinn des Lebens auf dem höchsten Mond sein soll, sagt er nicht, was kein Vorwurf ist: was sagen denn die anspruchsvollsten Mystiker und Schamanen zur finalen Glückseligkeit? Sie schweigen. 



N. T. van Anderten, 27.2.1916.


*Der intellektuellen Redlichkeit halber merke ich natürlich an, dass die Körper nicht von den Oberflächen der Monde zu uns runterfallen, sondern erst wenn der Luftraum des jeweiligen Mondes verlassen wird. Doch das ist wiederum kein Fortschritt gegenüber Aristarch und Hedonikus, die das ebenfalls berücksichtigten, und außerdem sogar das gravitativ-physikalische und das ontomoralische Oben und Unten hin und wieder als voneinander getrennt dachten.