Lile.
Das Stadion des CV Lile wurde am 1.6.1920 fertiggestellt. Eine hohle
Steinkugel mit dem Durchmesser von 222 cm wurde symbolträchtig vom
Anstoßpunkt zum Nullpunkt (literarische Bezeichnung) des Higeilles-Parks
gerollt. Anroller war der legendäre General Riki, für keinen Unsinn zu
alt.
Der fertiggestellte Teil des Parks wird in großer Kürze Schauplatz der Dritten Ruhigen Kugel sein.
5-8.6.1920. J. M. Higeilles trägt in kleiner Runde mit leiser Stimme Elfenlyrik vor. Selbst Eichörnchen hören zu.
Lockere
Gesprächsrunden bis zum Monatsende. Die größten Denker arbeiten. Der
schon etwas ältere und kaum noch aktive Wolf Irr liest aus dem jüngst
geborgenen Nachlass von Gravelaine. Magic Moment, wie T-1000 durch
Gitter, ist, als er liest: „Ich habe nur noch Angst. Ich habe Angst,
dass sie gewinnen, und wir so werden wie sie. Ich habe Angst, dass wir
gewinnen und so werden wie sie“. [Das Schriftstück erweist sich 1942
linguistisch und 2026 physikalisch als eindeutig ein Original].
Willi
Mun, erster Präsident der Rechtsrepublik Vengria, legt am 30.6.1920 hier
vor den Colochmeten seinen Amtseid ab. Der Bund von Finstern und
nebellungentreue Verbündete vereinbaren für die Zukunft, dass ein
gemeinsames politisches Staatsoberhaupt gewählt werden soll [Spoiler: es
wird erst am 3.4.1961 passieren, bis dahin wird diesbezüglich eine
ruhige Kugel geschoben].
Kontextum
minimum: 1848 als Adelsrepublik gegründet, wird Vengria nach dem
zusammen mit den Colochmeten-Staaten und Keria gewonnenen Krieg von
1911-1914 und den Folgescharmützeln immer unregierbarer. Bevor ein
Bürgerkrieg ausbricht, einigen sich die Vortrefflichsten der Adligen auf
eine Verfassubgsreform, das Bürgertum einbeziehend. Der kulturelle und
religiöse Einfluss der Colochmeten ist derart überwältigend, dass diese
als Meister anerkannt werden (im Meister-Schüler-Verhältnis).
Aurele
und Bernard lobten 1918 die neue vengrische Rechtsphilosophie, und
bestätigten die Korrektheit der Dark- und Ingret-Rezeption; „…aber seid
nicht nur Zaungäste“, bemerkte Aurelius 1919. Am 3.7.1920 stellt den
Nordvenger Len Ede (*1888) sein neues Buch über die Geschichte der
westlichen Philosophie vor:
“Und es fängt doch mit Kjelde an!“
Die
Argumentation Edes ist, dass die wissenschaftliche Philosophie in dem
Sinne Meta-Physik ist, als dass sie, wie die Mathematik, eine
Fortsetzung der Erkenntnis des Seienden mit abstrakteren Mitteln ist. Er
trennt sie daher von der Philosophie an sich, die keine strenge
Wissenschaft sein kann, sondern die Kreismitte des Weltbezugs, umkreist
von Kunst, Psychologie und Moral, darstellt. Über ihr steht die
Religion, unter ihr der Krieg, und so wird aus dem Kreis eine Kugel.
Kjelde
ist der erste neuzeitliche Philosoph in diesem engen Sinne, nach ihm
kommt Geavelaine, dann weniger prominente Denker, dann Juni Jungkind…
…und
dann liest Ede einen dreiseitigen Abschnitt vor, in dem immer mehr der
Ton von Ilf Ill erkennbar wird. Endschliesslich führt Ede die Quelle an:
Ill, 1921. Ede hat also Ill aus der Zukunft zitiert. In dem Buch, das
Ill erst nächstes Jahr veröffentlicht, geht es darum, dass alle
geistesgeschichtlichen Zuordnungen arbiträr sind und sich nach dem
richten, was für den jeweiligen Rezipienten das Wesentliche ist. Das
Lachen dauert lange, dann aber gesteht Ill, Teile des Manuskripts Ede
gezeigt zu haben. Ede stellt den Rest seines eigenen Buches vor und
erklärt, dass für ihn der positive ontologisch skeptische Nihilismus die
einzige Form des Weltbezugs ist, also sind nur für ihn allein, für
Leonhard Ede, Kjelde, Gravelaine, Jungkind, N. N. Denn und als letzter
Vertreter dieser Linie der anwesende Ilf Ill die bestimmenden Denker der
Geistesgeschichte.
6.7.1920.
Eric Bernard warnt vor monokausalistischen Verengungen. Sich auf den
historischen Roman "Rom" (1824) von Roman Rim beziehend, zeigt Bernard,
dass die am Ende des Romans über ein Imperium in einer fiktiven Welt
gestellte Frage: "Warum haben die Eliten Roms das Christentum
angenommen?" zu monokausalen Erklärungen einlädt, die zwangsläufig
kontrafaktisch sein würden.
Doch der
im selben Roman erwähnte "Occams Taschenmesser", eine Methode, die alle
tatsächlichen Gründe für ein Ereignis einbezieht, und keinen Grund
auslässt, führt in Erklärungsnot, da sich dadurch jedes Ereignis als
ultrakontingent erweist. Also bedarf es absichtlicher Auslassung valider
Gründe. Das tut allerdings der Wahrheit im klassischen Sinne von
Übereinstimmung von Sache und Vorstellung über die Sache Abbruch.
Eine
geschichtswissenschaftliche Vorlesungsreihe über die beiden Extreme
Monokausalität und Ultrakontingenz wird Bernard im Herbst 1920 in
Preteria halten.