Unser Planet hat 31 Monde. Jede
Mythologie hat eine Erklärung dafür, jede naturphilosophische Tradition
hat sich mit großer Faszination diesem glücklichen Umstand gewidmet. Das
sicherste Anzeichen geistesgeschichtlicher Dekadenz ist das
Verschwinden der Monde im philosophischen Diskurs. Aus dem objektiven
Geist des 17. Jahrhunderts sind die Monde nach und nach verschwunden;
und ja, das ist besser als das was die Hofastrologen in Preteria und
Vienne aus den Monden gemacht haben, doch es ist offensichtlichst eine
Schande gegenüber der Begeisterungshaltung gegenüber diesen Perlen der
Natur in Akeriki, wo um 1675 eine teleskopische Erforschung begann.
Endevereaux war ein Waisenkind
ornelischer Einwanderer, lebte auf dem gleichnamigen Tafelberg, daher
sein Pseudonym. Der Vorname ist ebenfalls Künstlername, der vorher
rasprostranierte Name tut nichts zur Sache. Er lernte früh Astronomie,
reichte Schrauben und -zieher beim Bauen von Teleskopen. Er war aber
auch ein Mondphilosoph. Da es keine Rechenmaschinen gab, stellte er
viele Berechnungen für Astronomen im Kopf und auf Papier an, und
beteiligte sich an celestischer und terrestrischer Naturerforschung. Er
tat in seinen 38 Jahren so viel für die Wissenschaft, dass ihm der
folgende Schwachsinn mehr als nur nachzusehen ist, er ist ihm zu gönnen:
Es gibt nur eine Welt, unseren
kugelförmigen Planeten. Dieser umkreist einen anscheinend riesigen
Gasball, den noch andere Planeten umkreisen. Auf diesen gibt es kein
Leben, sie sind kosmogonischer Schrott. Ab einer bestimmten Größe und
der damit zusammenhängenden Masse verhalten sich feste Körper wie
Flüssigkeiten, und formen sich zu Kugeln. So auch unsere 31 Monde. Im
Gegensatz zu den minderwertigen Überbleibseln der Weltentstehung sind
unsere Monde besser als unser Planet; je weiter entfernt, umso weiter
ontomoralisch oben. Vom weitestenfernten Mond fällt ein Körper in die
Richtung unseres Planeten, aber noch weiter ist kein Oben mehr*, da
endet das System und es gibt keine Fallhöhe; also endet da auch die
Welt.
Im Grunde verarbeitet Endevereaux
die verschüttete Kosmologie von Aristarch und seinen Schülern. Er
erreicht nie das kosmologische und theologische Niveau des Hedonikus,
aber er hält den tatsächlichen kosmologischen Aufbau der Welt für das
grundlegendste und wichtigste Wissen. Er ist hier nicht besser als seine
Zeitgenossen, die philosophische Spekulation unmittelbar für Wissen
halten, und er „weiß“, dass der moralisch Vortreffliche auf dem
nächsthöheren Mond geboren wird und so weiter bis zum höchsten. Er geht
von 32 Leben aus, die im karmischen Aufstieg zum immer höher gelegenen
Mond ihren Sinn haben. Was der Sinn des Lebens auf dem höchsten Mond
sein soll, sagt er nicht, was kein Vorwurf ist: was sagen denn die
anspruchsvollsten Mystiker und Schamanen zur finalen Glückseligkeit? Sie
schweigen.