Donnerstag, 28. September 2017
Das Recht
Vielen Menschen ist die Vorstellung zuwider, dass es eine höchste Gerechtigkeit gibt. Diese Menschen gehören nach der zutreffenden Einsicht des großen Grundlinienzeichners der Rechtsphilosophie Georg Wilhelm Friedrich Hegel allesamt zum Pöbel - ob arm oder reich, ob unzivilisiert oder wohldressiert. Wer heute noch an das jüngste Gericht glaubt, wird für einen religiösen Fanatiker gehalten und nach seiner vermeintlichen Sektenzugehörigkeit gefragt. Dabei drückt der Glaube an die höchste Gerechtigkeit nur aus, dass die Welt als Ganzes rechtmäßig beschaffen sein soll. Für einen rechtschaffenen Menschen ziemt sich wahrlich keine andere Vorstellung, als dass es im Universum mit rechten Dingen zugeht.
Wer der göttlichen Gerechtigkeit misstraut, wurde anscheinend von Menschen ungerecht behandelt, und kennt das Recht nur als Ungerechtigkeit im rechtlichen Gewand. Es gibt nichts rechtswidigeres, als ungerechtes Recht, denn dieses führt die Idee des Rechts ad absurdum. Wer ungerechtes Recht spricht, parasitiert auf dem Rechtszustand, und zerstört ihn zugleich. Zum Pöbel gehört nach Hegels richtiger und gerechter Feststellung jeder, der sich außerhalb des Rechts setzt, - der arme Taschendieb genauso wie der reiche Steuerhinterzieher. Der Kriminelle handelt nun illegal und illegtitim, setzt sich somit außerhalb des Rechts, und wird von diesem zurecht verfolgt und bestraft. Der vom Prinzip her noch gefährlichere Verbrecher handelt illegitim, aber legal, benutzt das Recht, um Ungerechtigkeit geschehen zu lassen. Wer illegal, aber legitim handelt, ist ein Rebell.
Viele Menschen halten das bloße Dagegensein schon für Rebellion. Doch der Schlachtruf: "Legal, illegal, scheißegal!" zeichnet den Pöbel aus, während die Losung des wahren Rebellen "Illegal, aber legitim!" lautet. Der Rebell kämpft gegen die widerlichsten Schurken, nämlich gegen jene, die unter dem Schutz des Rechts Unrecht tun, die legal, aber illegtitim handeln. Der Rebell schützt den Geist des Gesetzes vor dem Missbrauch seines Buchstabens durch bösartige Menschen. Der Pöbel, zu dem die große mal schweigende mal laut schreiende Mehrheit gehört, ist nicht bösartig, sondern bloß tierisch.
Der Pöbel schert sich nicht darum, ob er moralisch richtig handelt, und damit den Geist des Gesetzes erfüllt. Der vom Recht geschützte bösartige Schurke weiß genau, dass er das moralisch Falsche tut, denn um vom Recht geschützt werden zu können, muss man zunächst wissen, welche unmoralische Handlung nicht illegal ist. Es ist ein wahrhaft versöhnlicher Gedanke, dass es nach dem Tod ein finales Gericht gibt, denn alles menschliche Recht ist unvollkommen, und lässt daher Ungerechtigkeit zu. Für einen vollkommenen Richter ist Illegitimes immer illegal, es gibt keine Schlupflöcher. Es gibt aber das große Loch der Ungewissheit, ob es diesen vollkommenen Richter tatsächlich gibt. Wenn nicht, so wird der rechtschaffene Mensch weiter das Richtige tun, und wenn nötig, als Rebell illegal aber legitim handeln, denn der Geist des Rechts ist derselbe Geist, von dem die Würde des Menschen ist.
Montag, 4. September 2017
Der Körperkult
Nein, Unsinn wie Misswahlen seien sexistisch und Fitnessstudios was für Machos aus der Unterschicht, werde ich hier nicht schreiben. Idiotien wie dass Schönheit angeblich subjektiv ist, sind selbst in der Attraktivitätsforschung, einer sehr jungen Wissenschaft, bereits widerlegt worden. Es gibt schönere und hässlichere Menschen, das ist Tatsache. Ebenso Tatsache ist, dass der Körper nichts über die Seele aussagt, - und doch umso mehr, je materialistischer man diese auffasst. Wer an nichts Geistiges im Menschen glaubt, kann ja letztlich nur Fleischbeschau betreiben.
Was ist an Fleischausstellungen wie den äußerst populären Misswahlen denn so verweflich? Wir spüren doch intuitiv, dass es nicht richtig ist, wenn sich Menschen halbnackt der Öffentlichkeit präsentieren, um zur Miss World oder zum Mister Universum gewählt zu werden. Nicht der Wettbewerb ist daran das Verwerfliche, denn auch im Berufsleben, in Spiel und Sport und bei der Partnerwahl spielt der Wettbewerb eine entscheidende Rolle, und scheint somit eine biologische und soziale Naturkonstante zu sein. Das Falsche an Misswahlen ist die Reduktion der Person auf ihren Körper, und die damit einhergehende Verehrung des Fleisches.
Wohlgemerkt: des Fleisches, nicht des Körpers. Eine Verehrung der Körperlichkeit ist mitnichten verwerflich, sie ist vielmehr eine notwendige Voraussetzung aller Ästhetik und Sinnlichkeit. Wo ist der Unterschied? Goethe sagt über das Bewusstsein (Licht) der Formen der Sinnlichkeit (Raum und Zeit):
"Das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht
Den alten Rang, den Raum ihr streitig macht,
Und doch gelingt's ihm nicht, da es, so viel es strebt,
Verhaftet an den Körpern klebt.
Von Körpern strömt's, die Körper macht es schön,
Ein Körper hemmt's auf seinem Gange;
So, hoff ich, dauert es nicht lange,
Und mit den Körpern wird's zugrunde gehn".
Alles, was existiert, muss körperlich erscheinen, und wird an dieser unvollkommenen Erscheinungsform zugrunde gehen. Und doch hofft Mephisto, dem Goethe diese Worte in den Mund legt, vergebens, dass das Licht mit den Körpern zugrunde geht, denn das ästhetische Bewusstsein weiß die Körper als bloße Erscheinung zu betrachten. Das unästhetische Bewusstsein der sogenannten Schönheitswettbewerbe weiß das nicht, und verehrt die Erscheinung als solche, das nackte oder leicht bekleidete Fleisch. So wird bereits bloße Gesundheit als Schönheit verehrt, während die wahre Schönheit nicht geschätzt wird. Das edlere Auge sieht bei solchen unwürdigen Veranstaltungen keine schönen Menschen, sondern Stuten und Hengste, all das erinnert arg an die antiken und nicht so antiken Sklavenmärkte.
Möge das Fleisch also ehrlich verrecken und in Frieden ruhen. Was ist aber mit dem Körper? Der Körper ist ein Träger geistiger Erscheinungsformen, eine Projektionsfläche des Geistes. Die menschliche Körperlichkeit dirimiert sich in zwei Geschlechter, von denen eines zurecht das schöne Geschlecht genannt wird, da die Vertreter dieses Geschlechts theoretisch und (selten) praktisch schön sein können. Eine Miss World erreicht auf der Pyramide der Schönheit die unterste, vierte Stufe, das ist die Stufe der bloßen Gesundheit, des makellosen menschlichen Körpers. Schauspielerinnen zeigen uns, wenn auch nur in Filmen, nicht in der Realität, die dritte Stufe, die verführerische Schönheit, die, um einen Fachbegriff zu benutzen, "sexy" genannt werden könnte. Da ist mehr als das bloße Fleisch: da sind Blicke, da ist eine anspruchsvolle Mimik, da ist mehr als ein bloß makelloser tierischer Organismus. Da ist Persönlichkeit, Individualität, da ist mehr als die bloße äußere Erscheinung. An der Verführerin lockt nicht das bloß Äußere, sondern eine Innerlichkeit, die sich hinter der Erscheinung zu verbergen scheint. An einer menschlichen Stute, die leicht bekleidet im Raum steht, und ihr bloßes Fleisch zeigt, ist hingegen nichts verführerisch.
Die zweithöchste Stufe auf der Pyramide der Schönheit nennen wir ruhig mal "beautiful", - dazu gehören Mädchen und Miezen (Mieze ist verklärend, nicht abwertend gemeint), die zu schön für Sex sind, - deren Körperlichkeit können wir nur noch als derart vergeistigt wahrnehmen, dass wir uns in sie romantisch verlieben. Die höchste Stufe, schönheitswissenschaftlich korrekt "divine" genannt, ist eine göttliche Schönheit, reiner Geist in körperlicher Gestalt. Die richtige Intuition sagt uns, dass es gar pervers ist, solche Mädchen (und sie sind aufgrund ihrer Unschuld auch im Erwachsenenalter noch Mädchen) sexuell zu begehren. Wer ein Mädchen der zweithöchsten Stufe verehrt, verklärt noch die Körperlichkeit (die Erscheinung als Erscheinung, nicht als das wahre Wesen), verunendlicht das Endliche, schaut den Geist als Erscheinung. Wer ein Mädchen der höchsten Stufe verehrt, schaut den Geist als Geist, und die pure, nicht durch Fleisch verschmutzte Schönheit als das, was sie ihrem Wesen nach ist: das Symbol des Guten, die Erscheinung der Göttlichkeit in Raum und Zeit.
Donnerstag, 10. August 2017
Das ichlose Glück
Ich möchte Sie zu einem Alptraum einladen. Sie werden in die Geschlossene eingewiesen. Warum, wissen Sie selbst nicht. Sie wissen jedoch ganz genau, wovor Sie sich fürchten: dass Sie am Ende, wenn Sie "geheilt" sind, ein apathischer und willenloser Idiot geworden sind. Und - was das Schlimmste daran ist - dabei auch noch glücklich. Wer würde da nicht die schwersten Depressionen, die unangenehmsten Symptome psychischer Erkrankungen lieber beibehalten wollen, wenn der Preis der Heilung die Preisgabe der eigenen Persönlichkeit wäre?
Als Kind habe ich in einem ähnlichen Alptraum gelebt. Die Erwachsenen malten mir eine kitschige heile Welt vor, eine Welt der Vollidioten, in der alle gleich waren, und jeder wunschlos glücklich. Eines Tages, sagten sie mir, wenn du auch erwachsen bist, wirst du heiraten, eine Familie gründen, nicht mehr spielen, sondern arbeiten, nicht mehr den kindlichen Unsinn im Kopf haben, sondern "vernünftig" sein. Und - was das Schlimmste für mich war - dabei auch noch glücklich. Ich hatte große Angst davor, dass ich nicht mehr ich sein würde, und dass irgendeine geisterhafte "Vernunft" sich meines Verstandes bemächtigen, mein Ich in einen Käfig sperren, und mich zu einem Roboter machen würde. Und dass die einzige noch denkbare Form des Ich-selbst-Seins, die Unzufriedenheit mit diesem Sklavendasein, auch noch wegfiele: ich wäre ja glücklich.
Als Jugendlicher konvertierte ich nach einer glanzvollen Phase des gesunden Nihilismus zum Christentum. Ich wuchs ja in der UdSSR auf, und der mir in der Kindheit eingetrichterte Heile-Welt-Kitsch war nicht christlich, sondern atheistisch-humanistisch, - doch nun wurde ich mit derselben als Himmel verklärten Hölle auf Erden konfrontiert. Wie einem Psychiatriepatienten und einem Kind wird auch einem Mitglied einer Religionsgemeinschaft das zu erstrebende "ewige" Leben als ein ichloses kollektives automatisches Dasein propagiert. Nur das Bewusstsein stört, nur das "böse" Ich steht dir im Weg, sagte man mir, - und wenn du dein Ich endlich dem "guten" Wir mit Freude und Dankbarkeit zu unterwerfen lernst, wirst du endlich glücklich sein. Das "böse" Ich gewann, es ließ sich nicht unterwerfen, es antwortete auf alle Einkerkerungsbemühungen mit der einzigen noch denkbaren Form des Ich-selbst-Seins, der Unzufriedenheit, mit einer tiefen und nachhaltigen Depression. Also wurde ich dann konsequenterweise Buddhist, denn wenn schon die Vernichtung des Ich das wahre Glück sein sollte, dann wollte ich es richtig machen, und nicht nicht halb nicht ganz.
Nein, Glück ist nichts ohne die Persönlichkeit, die dabei glücklich ist. Viele träumen davon, z. B. Brad Pitt zu sein, und nein, nicht bloß davon, so reich und berühmt zu sein, sondern Brad Pitt, und nicht sie selbst zu sein. Dann hätten sie auch das Bewusstsein des durchaus passablen Schauspielers, aber nicht ihr eigenes. Sie wären nicht glücklich, sondern sie wären nicht. Nicht im Sinne von nicht existent. Ohne eigenes Ich gibt es kein Bewusstsein, und ohne Bewusstsein kein Glück. Das Ich als des Glückes Unterpfand bleibt beim Volke weitgehend unverstanden. Doch einer, der das Ich, die selbstbestimmte Persönlichkeit, diese notwendige aber nicht hinreichende Bedingung des Glücklichseins, bereits für das Glück selbst hält, gehört zu den narzisstischen Narren, aber mitnichten zum geistigen Adel.
Samstag, 5. August 2017
Die Verhausschweinung der Sexualität
Sexualität ist die weltimmanente Selbsttranszendenz alles Lebendigen. Nihilistisch (amoralisch) betrachtet, kann nur Sex der höchste Wert im Leben eines Menschen sein, denn alles Weltimmanente ist eitel, und Transzendenz (und damit die Grundlage der Moralität) wird vom Nihilismus verneint. Es geht im Leben ohne Welttranszendenz also nur um alle Lust, die tiefe Ewigkeit will, und diese ausschließlich im Moment des Orgasmus erreichen kann.
Die meisten Frauen, hört man, täuschen Orgasmen nur vor, hatten aber nie wirklich einen. Warum? Weil Beziehungssex langweilig ist. Ejakulation beim Mann ist nicht gleichbedeutend mit Orgasmus; Frauen wissen wenigstens, wann sie einen Orgasmus vortäuschen und wann sie wirklich einen haben, aber viele Männer können Orgasmus und Ejakulation nicht auseinanderhalten. Die zwanghafte Masturbation des Pornosüchtigen ist ein Symptom der Orgasmusunfähigkeit, - kein Wunder, wenn man dabei an einen Sex denkt, bei dem die Frau keinen Orgasmus bekommen kann.
Wenn ich Sex hätte, und die Frau(en) dabei keinen Orgasmus bekäme(n), wäre der ganze Zirkus für uns zwei/drei/vier/fünf sinnlos. Ich kann mich nur weltimmanent transzendieren, wenn die Frau bzw. die zwei/drei/vier Frauen in meinem Bett bereit sind, mit mir zu verschmelzen, sich aufzulösen, so dass auch ich mich in ihnen auflösen kann. Beziehungssex gibt das nicht her. Nichts ist erbärmlicher als die ästhetisch gesehen fälschlich für Sex gehaltene zwanghafte Masturbation eines Pärchens.
Verführungssex ist geil. Ich wehre mich, aber die Frau(en) ist (sind) so weiblich, dass sie (sie) mich eben einfach halt verführen. Wenn ich fühle, dass sie mich haben, wenn ich loslasse, - und dabei meinen Sexdämon auf sie loslasse, wenn sie kreischen und stöhnen, sich in mich krallen, und es doch kein Entkommen gibt, wenn jeder Körperteil lutschbar wird, wenn wir keine Personen mehr sind, sondern nur noch pures pulsierendes Leben, dann findet die weltimmanente Selbsttranszendenz leibhaftig und lebendig statt.
Wie jämmerlich es in unserer Kultur um die Sexualität steht, zeigen Begriffe wie "sexuelle Befriedigung". Sexualität duldet keine Mediokrität. Es gibt entweder die Auflösung der Grenzen oder depressivistisches Gewichse. Letzteres ist unerträglich; selbst Enthaltsamkeit ist geiler, weil der zurückgehaltene Trieb leidenschaftlich nach Wegen sucht, sich auszutoben oder zu sublimieren. Ein Leben gegen die Sexualität ist ein sexuell erfüllteres, als ein Leben mit sexuellen Halbheiten und Kompromissen, mit einer zensierten, verkrüppelten, verhausschweinten Sexualität.
Freitag, 7. Juli 2017
Transzendentale Eschatologie
Einleitung
"Ich
verstehe unter einer transzendentalen Erörterung die Erklärung
eines Begriffs, als eines Prinzips, woraus die Möglichkeit anderer
synthetischer Erkenntnisse a priori eingesehen werden kann".
Immanuel Kant
Die
Eschatologie - um nicht bloß eine Lehre von den letzten Dingen,
sondern eine Wissenschaft vom Leben nach dem Tode zu sein - muss
einer transzendentalen Revision unterzogen werden. Eine Eschatologie
als Erfahrungswissenschaft ist nicht möglich, - gleichwohl wird
ausnahmslos jedem menschlichen Wesen die transzendente Würde zuteil,
die Erfahrung des Todes zu machen - man stelle sich die Schrecken
eines ewigen irdischen Lebens, eines Lebens ohne den Tod, nur
hinreichend vor - , doch zum nachfolgenden wissenschaftlichen
Schritt, dem Vergleich und der Systematisierung der Erfahrungen kann
man aufgrund der Eigentümlichkeit des Todes nicht gelangen. Ein
Versuch, die Grenzen der systematisierbaren Todeserfahrungen zu
umreißen, ist ungeachtet dessen zu leisten, doch letztlich muss das
Unerfahrbare in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken.
Die
Eschatologie kann keine empirische Wissenschaft sein und muss den
Geisteswissenschaften wie Mathematik und Theologie im Gefängnis der
Logik Gesellschaft leisten. Der rationalistische Pessimismus, der
allen Sätzen der Mathematik nur analytische Erkenntnisse zugesteht,
wird jeder Geisteswissenschaft den unvermeidlichen Tautologievorwurf
zu stellen wissen, allein ist die Tautologie mitnichten eine
Sackgasse der Logik. Der Satz "Ich bin ich" ist
tautologisch, Subjekt und Prädikat verweisen bloß aufeinander, es
kommt keine neue Erkenntnis hinzu. Abgesehen von der sprengenden
Kraft des "bin", welches dem bloßen Begriff der
Selbstidentität das Sein zuerkennt und den Begriff somit aus dem
Denken in das Sein entlässt, spricht der Satz "Ich bin ich"
immer "Ich bin nicht ich" mit, und weist auf das Negative
seines Inhalts hin. Durch die schöpferisch-zerstörerische Kraft,
die in der Tautologie als Seinsbehauptung einerseits und Negation
andererseits enthalten ist, sind Geisteswissenschaften als
Wissenschaften möglich. Durch die dem menschlichen Geist immanenten
Phänomene, welche keiner empirischen Überprüfung unterliegen -
Hirnströme etwa geben die Qualität der Gedanken nicht preis - ,
bekommt die Eschatologie ihren eigentümlichen Inhalt.
§ 1
Der Tod ist als
ein irreversibles Ende der psychophysischen Existenz bekannt; eine
künstliche Wiederbelebung des Körpers einer toten Person stellt die
geistige Identität derselben nicht wieder her. Ebensowenig existiert
physisch ein vom Körper losgelöster Geist. Der eigene Tod kann
niemals zum Gegenstand systematisierbarer empirischer Erfahrung
werden; der fremde Tod gibt nur sein negatives Moment, die Beendigung
der Existenz der den Tod erfolgreich absolvierender Person preis. Aus
der empirischen Beobachtung eines sterbenden Menschen lassen sich
keine Schlüsse auf ein Leben nach dem Tod ziehen.
Der Tod ist
dreigeteilt: erstens der empirisch erfahrbare Tod, das positive
Sterben einer Person, zweitens der jenseitige, negative Tod, und
drittens eine Grenze zwischen Beiden. Die genannte Grenze ist die
Grenze empirischer Erfahrung; nur der positive, daseiende Tod, das
erfahrbare Aufhören der physischen Existenz einer Person, kann mit
den Mitteln der Naturwissenschaft erforscht werden. Der positive Tod
kann durchaus eine Basis für Spekulationen darstellen, die im
Folgenden dargelegt werden sollen.
§ 2
Positive
Eschatologie
Die positive
Eschatologie untersucht die Spekulationen hinsichtlich der
phänomenalen Zustände eines menschlichen Bewusstseins nach dem
physischen Tode. Die hier auszuführenden Spekulationen schließen
vom Bekannten auf das Unbekannte und haben empirische Grundlagen.
Erfahrene Zustände werden auf ihre Möglichkeit des Vorkommens
jenseits der Todesschranke untersucht.
Das menschliche
Gehirn zelebriert den erwarteten Tod auf seine eigentümliche Art,
was angesichts der Positivität vorliegender Erfahrungen der
empirischen Untersuchung nicht verschlossen bleibt. Eines der so
gewonnenen Resultate ist das Phänomen des euphorischen Zustandes im
Zusammenhang mit dem Schnelldurchlauf durch das abzuschließende
Leben. Ein plötzlicher Tod kann nicht auf dieselbe Art untersucht
werden; außerdem gibt es keinen reversiblen plötzlichen Tod, der
Nahtoderfahrungen bereitstellen könnte. Ungeachtet dessen produziert
das Gehirn eines plötzlich Sterbenden dennoch bestimmte phänomenale
Zustände. Unterscheiden sich die Erfahrungen des Blitztodes von den
Erfahrungen erwarteten Todes? - Eine empirisch unzulässige Frage,
die einen nicht unbestimmten Vergleich des Bekannten mit dem
Unbekannten zur Voraussetzung hat. Über die Qualität unbekannter
Erfahrungen kann nichts gesagt werden, und so bleibt es der
Spekulation überlassen, von der Qualität bekannter Erfahrungen
darauf zu schließen.
§ 3
Als ein
plötzlicher Tod kann nur ein Tod gelten, der mit dem plötzlichen
Hirntod im Zusammenhang steht. Ein plötzlicher Todesfall, der im
Fall seines Missglückens zu einer Nahtoderfahrung führt, kann nicht
als plötzlicher Tod bzw. Fast-Tod der Untersuchung zugeführt
werden. Das Erwartungsmoment ist nicht historisch aufzufassen; eine
Erwartung kann ebenso plötzlich eintreten, selbst wenn der Sterbende
nur den Bruchteil einer Sekunde zum Aufbau der Todeserwartung gewährt
bekommt.
Ein plötzlicher
Tod schließt keineswegs planmäßiges Sterben aus; ein Freitod kann
ebenso plötzlich wie erwartet sein. Kurz vor dem Kopfschuss hat die
ihr Leben abschließende Person bekannterweise keine
Todeserfahrungen, - sie weiß noch nicht genau, ob sie denn
tatsächlich zum gegenwärtigen Zeitpunkt abdrückt. Ein erwarteter
Tod ist ein Tod, auf den sich das Bewusstsein einstellen kann, dessen
Heraufkunft also bewusst erfahren und vom Gehirn dementsprechend
vorbereitet werden kann. Ein plötzlicher Tod ist ein sofortiger
Übergang von normaler Hirnaktivität zum Hirntod. Was in der
betreffenden Zeit phänomenal erlebt wird, kann nur aus den als
Nahtoderfahrungen bekannten Erfahrungen erwarteten Todes abgeleitet
werden.
§ 4
Der
Widerlichkeit halber dürfen keine Todesumstände verschwiegen
werden, und so ist die Frage nach der Qualität der Todeserfahrungen
vom auf dem Scheiterhaufen verbrennenen, im Fäkalien ertrinkenden
oder von Ratten lebend gefressenen Hinrichtungsopfer unbedingt zu
stellen. Kommt der erwartete Tod in einem Zustand der Angst, des
Ekels, des Beengtseins, und wird er spekulativ fortgeschrieben, so
brennt die Seele eines Verbrannten, altertümlichen Mythologien nicht
unähnlich, in Ewigkeit fort. Der kalte nihilistische Materialismus
wird auf einmal zum Gegenstand innigster Hoffnung, denn wenn der
endgültige Hirntod die totale Auslöschung des Subjekts der
Erfahrung zur Folge hat, erfreut sich der Hingerichtete nicht nur des
Aufhörens seiner Pein, sondern gleichsam totalen Vergessens.
Um
Horrorvorstellungen kommt man keineswegs herum, weshalb die
beispielhafte Einführung in die asymptotische Theorie des Sterbens
Not tat. Die asymptotische Theorie des Sterbens geht von einer
phänomenalen Zeitverbiegung aus, also davon, dass der Sterbende die
Zeit nicht linear, sondern an der Todesschranke als einer Asymptote
verbogen, erfährt. Im phänomenalen Erleben wird der endgültige Tod
womöglich gar nicht erfahren, vielmehr perenniert der Zustand des
Sterbenden für diesen in alle Ewigkeit, was den objektiv nach einer
bestimmten Zeit eintretenden und messbaren Hirntod nicht tangiert.
§ 5
Das Grauen
macht den Wunsch zur Not. Hängt die phänomenale Qualität des
erwarteten Todes von den Todesumständen ab, so wäre ein plötzlicher
Tod, um der Höllenpein zu entrinnen, durchaus erstrebenswert. Der
sein Leben Abschließende hätte eine Todesart zu wählen, die den
sofortigen Hirntod zur Folge hätte, da ein Leben, welches den Tod
wünscht, kein wünschenswertes Todeserleben bereit zu halten bereit
wäre.
Die
Schlaftheorie des Todes bremst die Euphorie des eschatologischen
Pessimisten angesichts der scheinbaren Schmerzlosigkeit des
plötzlichen Todes. Kann der Todeswillige mit dem plötzlichen Tod
dem Einfluss äußerer Quellen des Unbehagens auf den Todesprozess
entrinnen, so handelt es sich beim Schlaf um einen inneren Zustand,
der - zieht man die asymptotische Theorie des Sterbens mit in
Betracht - durch einen zeitlichen Kurzschluss nicht übersprungen
werden kann. Ob die asymptotische Todesschranke eine Minute oder eine
Millisekunde vom Anfang des Todesprozesses entfernt ist, die Zeit bis
zur Asymptote wird sich ins Unendliche ausdehnen. So wird der den
Freitod Wählende sein Unbehagen mit ins ewige Grab nehmen; sich
selbst kann keiner entkommen - auch im Tode nicht.
Spekulationen
religiöser Natur oder minderer Grundsätzlichkeit gehören nicht
hierher; nur auf einer empirischen Basis stehende Spekulationen sind
von Bedeutung für die positive Eschatologie. Die Konturen der
erlaubten Spekulationsbahnen sind umrissen; es ist vom empirisch
erfahrbaren Bekannten auszugehen und daraus - ohne Beimischung
moralischer oder religiöser Inhalte - auf das Unbekannte zu
schließen. Letztlich überschreiten diese Spekulationen die
Todesschranke keineswegs, sie schieben diese nur ins Unendliche fort.
§ 6
Negative
Eschatologie
Über das
Jenseits einer unpassierbaren Grenze lässt sich nur sagen, dass es
unmöglich ist, etwas darüber zu wissen. Es verhält sich hiermit
jedoch so wie mit dem Ding an sich, das Kant vorschnell als
unerkennbar bestimmte, wobei er gedankenverloren das Naheliegendste
aus den Gedanken verlor, nämlich das Wissen um das Sein dieses
Unerkennbaren. Was als seiend postuliert werden kann, ist nicht so
unbekannt, wie es zunächst erscheint; nur etwas, dessen Sein ein
Bekanntes ist, kann als Unbekanntes erkannt werden.
Eine Grenze,
deren Jenseits nicht als Jenseits bekannt ist, ist nicht als Grenze
bewusst. Das Tier, das nicht um seine Sterblichkeit weiß, hat keine
Vorstellung vom Jenseits. Der Mensch weiß mit seiner Sterblichkeit
auch um das Jenseits des Todes. Die phänomenale Qualität des
Jenseits ist das Hauptanliegen einer wissenschaftlichen Eschatologie.
Empirisch ist ins Jenseits nicht vorzudringen, aber der
transzendentale Weg bedarf keiner Erfahrung. Um diesen Weg zu ebnen,
muss die reinigende Kraft der Negation den Irrtum und manch
vermeintliches Wissen aus dem Weg räumen.
§ 7
Die
Glaubenstradition jeder Kultur bietet reichlich vermeintliches Wissen
über das Jenseits der Todesschranke. Für Mythen über das Jenseits
ist wissenschaftliche Irrelevanz charakteristisch - sie sind weder zu
beweisen noch zu widerlegen. Daher ist es nicht von Belang, wie die
Städte im Himmerlreich aussehen oder wie welche klimatischen
Bedingungen in der Hölle vorherrschen. Die Religion produziert
zufällige oder archetypische Antworten auf die Fragen nach der
phänomenalen Qualität der jenseitigen Erfahrungen. Der Zufall hat
soviel Recht, wie seine Wahrscheinlichkeit mathematisch zulässt;
keines der Mythen über das Jenseits ist Unsinn, - in der Lotterie
gibt es trotz des Ratens und Wettens auf Unwahrscheinliches hin und
wieder Gewinner. Die Einzelheit des individuellen Lebens und
Sterbens, das Fehlen zusätzlicher Versuche zwingt zum Wissen; wer
nur einen Versuch hat, will die richtige Lösung wissen, nicht bloß
erraten.
Bestimmtes von
Unbestimmtem zu wissen ist nicht möglich, wobei das Unbestimmte kein
an sich, sondern ein für uns Nichttote Unbestimmtes ist. Wer bereits
tot ist, steht etwas Bestimmtem gegenüber, ob dem Nichts, dem
Himmelreich, der Hölle oder seiner Realität gewordenen
Phantasiewelt.
Die
Eschatologie als Wissenschaft muss sich zu positiven Aussagen über
das Jenseits negativ verhalten; vermeintliches Wissen ist der Feind
aller Wissenschaft, das Unwissen hingegen ist ihr Freund, und es ist
der fruchtbare Boden des Agnostizismus, auf dem eine
wissenschaftliche Eschatologie zu entwickeln ist.
§ 8
Es ist nicht
dasselbe, etwas nicht zu wissen und zu wissen, dass etwas nicht auf
eine bestimmte Art beschaffen ist. Aus dem Nichtwissen über das
Jenseits des Todes lässt sich keine Widerlegung mythischer
Vorstellungen des Totenreiches ableiten. Die Spekulationstiefe der
negativen Eschatologie ist daher kaum geringer als die der positiven
Eschatologie; das Anfangsmoment zum Festhalten fehlt hier allerdings,
und den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt, womit das
Erkenntnisinteresse sich von den Möglichkeiten selbst auf den
praktischen Umgang mit denselben verschieben muss.
Himmel für die
Guten ist genausogut möglich wie Hölle für alle; Hölle für die
Blonden und Nirwana für die Weißen ist keineswegs
unwahrscheinlicher als Wiedergeburt für die Inder und Reich des
Hades für Nichtgriechen. Da wir nicht wissen können, ob Moral nach
dem Tode noch gilt, muss sie in der praktischen Eschatologie mit
Lebenskunst zusammenfallen.
Die praktische
Eschatologie beleuchtet den gedanklichen Umgang mit möglichen Welten
jenseits der Todesschranke und rückt dabei die Frage nach der
hedonischen Qualität derselben in den Mittelpunkt.
§ 9
Praktische
Eschatologie
Es gibt im
Wesentlichen zwei hedonische Qualitäten: Lust und Unlust;
umfassender, aber dadurch verschwommener: Glück und Unglück. Beide
Begriffspaare werden benutzt, da das, was sie ausdrücken sollen,
genau dazwischen liegt: Glück kann leicht als autistische
Selbstzufriedenheit ungeachtet der widrigen Lebensbedingungen
missverstanden werden, so dass sich jemand in der Hölle glücklich
schätzen kann, wenn es nur fest genug daran denkt, sie eigentlich
nicht verdient zu haben; Unglück trägt den Kometenschweif des bösen
Schicksals mit sich herum. Lust und Unlust pfelegt man gewöhnlich
auf die Befriedigung gröbster Bedürfnisse zu reduzieren; es geht
aber um nichts Geringeres als die gesamte Fülle des glücklichen
oder unglücklichen Seins.
Klügere
Jenseitsideologien sind abstrakt, sie verheißen den Gläubigen ihrer
Religion keine Weintrauben, um welche Vögel im Jahreszyklus kreisen,
wie die Erde um die Sonne, keine runde oder symbolbehaftete Anzahl
nimmerschwangerer immerschöner Jungfrauen, sondern einfach nur
Glück. Je weniger über Unbekanntes inhaltlich, dessen phänomenale
Qualitäten betreffend, gesagt wird, umso mehr wird davon ausgesagt.
Die Umschreibungen und Ausschmückungen sind zufällig, Glück als
phänomenaler Zustand das Wesentliche. Die Frage des Verdienens muss,
will man wissenschaftlich bleiben, beiseite geschoben werden, denn
letztlich - vorausgesetzt, jeder bekommt, was er verdient, oder,
genausogut, alle bekommen dasselbe - ist nur von Interesse, wie das
Glück oder das Unglück als ewiger Zustand zu denken ist.
§ 10
Bei der
Vorstellung von Vollkommenheit ist der Gedanke der Perfektion nicht
weit. Freilich wird der Bundesligaverein, der mit 102:0 Toren und 102
Punkten die Deutsche Fussballmeisterschaft erringt nicht der
umjubelteste, sondern der langweiligste sein. Das Paradies der
Perfektion ist zeitlich noch räumlich begrenzt, seine Bewohner haben
unendlich viel Zeit, unendlich viele perfekte Welten zu entdecken -
welche davon werden sie ihr Zuhause nennen? Es ist billig, zu
behaupten, Perfektes müsse notwendig einander gleichen; in einem
Heiratspaket von 72 perfekten Jungfrauen sind 72 gleich perfekte,
aber dennoch verschiedene Jungfrauen enthalten. Der Mann der
Paradiesfrau ist in der Tat die eierlegende Wollmilchsau, zu der der
neue Mann unserer Zeit werden soll. Ein Ehepaar im Paradies hat so
viele Kinder, wie das Herz nur wünscht, einzig der Stolz auf die
eigenen Kinder kann nur schwerlich einem Vergleich mit den Kindern
anderer Eltern entspringen, da doch alle perfekt sind.
Bosheiten wie
Neid und Eifersucht entstehen in Welten mit Güterknappheit; in einer
Welt, in der Schönheit sehr knapp, und dazu noch vergänglich ist,
ist eigenes Glück nur als Unglück des Anderen zu denken, oder
zumindest verhält sich Beides zueinander als notwendige
Voraussetzung - wenn keiner verliert, kann keiner das Verlorene
gewinnen; heiratet ein Jüngling die Prinzessin, gehen Tausend
Jünglinge leer aus. Im Paradies ist nichts knapp - es gibt
Prinzessinnen wie Sand am Meer, Genussmittel wie Meer über dem
Sande, allein taugt nichts davon mehr als Statussymbol. Vortrefflich
- wenn ich wieder einmal einen sündhaft teuren schottischen Whisky
trinke, und dies nur meines Genusses wegen tue, ohne Zeugen, die es
zum Vorführen des Habitus erforderte, so stehe mit einem Bein im
Paradies.
§ 11
Es ist zynisch,
zu behaupten, das Böse gehöre zum Leben wie der Pfeffer zum guten
Mahl, freilich was ungepfeffert abscheulich schmeckt, ist ein
scheußliches Gericht und wird durch Geschmacksverzerrung selbst
nicht besser. Wer einen gepflegten Krieg erlebte, wessen Kind im
Schoße eines Kindermörders qualvoll ums Leben kam, gewinnt eine
gesündere Einstellung zu krankmachenden Gewürzen. Wer nichts -
außer der Handlungen, in denen sich der Mensch vom Tier nicht
unterscheidet - mit einer schönen Frau anfangen kann, weil ihn
keiner ihretwegen beneidet, ist nicht glücklos, sondern vielmehr
wertlos, oder, um die ungewöhnliche Formulierung ins gewohnte Licht
zu rücken, diese Frau nicht Wert.
Nicht darf dem
Vergessen überlassen werden, dass der Neid und Missgunst pflegende
Mensch quer durch alle vernünftigen Religionen wie in der
Vernunftreligion auch nicht zum üblichen Kontingent der
Himmelsfahrer gehört. Wiewohl dies kein wissenschaftliches Argument
ist, weist es nochmals darauf hin, dass es krankhaft ist, sein Glück
durch das Unglück Anderer und umgekehrt zu definieren; in der
perfekten Welt des Paradieses werden alle von ihren Krankheiten
geheilt sein, und somit auch vom Narzissmus, vom Neid, vom Hass, vom
pathologischen Geltungsbedürfnis. Da klopft der Teufel mit der
leeren Pfefferdose auf den Tisch und lacht: nicht nur das Leben im
Paradies wird langweilig, auch die Lebenden dort werden Langweiler
sein, und da hat der Teufel weiter nichts zu sagen, da er nur zu gut
weiß, dass der Penisneidische nichts so sehr fürchtet, wie eine -
wenn auch nur symbolische - Kastration.
§ 12
Wo der Teufel
scheitert, reüssiert der Verstand. Der unheiligen Einfaltigkeit ist
schnell erklärt, dass sie im Paradies von allen körperlichen und
seelischen Gebrechen erlöst wird, und nicht mehr der Neid auf
Andere, sondern eigener Genuss die Messlate für das Glück sein
wird. Wenn das Glück des Einen die Gefühle des Anderen nicht
verletzen kann, ist noch keineswegs Langeweile in Sicht, diese stellt
sich aber unvermeidlich ein, wenn man es mit der Ewigkeit zu tun
bekommt. In wen verliebt man sich im Paradies? Die Mädchen altern
nicht, aber auch erfreulichere Veränderungen bleiben aus; das
Mädchen, das dir heute lieb ist, wird in einer Million Jahren genau
dasselbe sein, wenn du von deiner Reise zu Tausenden anderer
paradiesischer Welten zurückkehrst. Der Moment, der Zauberer der
Liebe, spielt in der Ewigkeit keine Rolle.
Das Altern
bleibt aus, aber die Zeit vergeht - wobei das Vergehen der Zeit kein
Vergehen der Dinge in der Zeit nach sich zieht - , und Liebende
werden einander überdrüssig. Eine Million Lebenspartner überdrüssig
geworden, erschlischt das Herz; Milliarden interessanter Welten
bereist, ergreift den Verstand eine Apathie, die sich Jahrmilliarden
um Jahrmilliarden hinziehen wird. Nur wenn man sogleich vergisst, was
man erlebt, kann die Ewigkeit erfüllte Zeit sein.
Das Reich des
Vergessens ist auf der irdischen Welt durchaus bekannt - es ist das
Alter des Kindes vor der Ausbildung seines autobiographischen
Gedächtnisses, seiner persönlichen Identität. Keiner kann sich
freilich daran erinnern, wie glücklich er damals war, da es ihn,
streng genommen, noch nicht gab, - ewiges Glück ist nur um den Preis
der persönlichen Identität zu erkaufen; das Ich bleibt also vom
Glücke ausgeschlossen, es stirbt und tröstet sich damit, dass das
ihm zugehörige Es sich in aller Ewigkeit unendlichen Glücks
erfreuen wird.
§ 13
Das
Glücksversprechen wird im Paradies, wie gesehen, nicht eingelöst.
Wie sieht es mit der Höllenpein aus? Anders gefragt, was ist
eigentlich Schmerz? Ist Leid unendlich dehnbar oder an bestimmte
Konditionen des menschlichen Daseins geknüpft? Eine direkte
Übertragung der Seinsbedingungen vom Diesseits ins Jenseits ist
angesichts der veränderten Konditionen nicht möglich - mit der
Ewigkeit kommt die Unsterblichkeit hinzu.
Das Unglück
entfaltet seine leidvolle Wirkung angesichts der Sterblichkeit; am
Sterben der Großeltern ist wesentlich, dass sie danach tot sein
werden; ein durch einen Unfall oder ein Verbrechen verlorenes Kind
wird nie wieder zurückkommen und durch kein anderes Kind zu ersetzen
sein. All diese Tragödien werden, sobald sie sich in der Ewigkeit
abspielen, zur Farce. Die Ewigkeit kennt keinen Verlustschmerz, da in
ihr nichts verloren geht. Nur der blanke Schmerz bleibt also der
Hölle, um ihre Bewohner leiden zu lassen. Nun findet der Schmerz
nicht nur im Sinne der Hirnforschung im Kopf statt - es ist die
bewusste Erwartung, die schmerzt. Wird intensiver Heilungsschmerz als
nahezu angenehm erlebt, der Lustschmerz des Masochisten gar als
Glück, so ist der Schmerz eines Todkranken oder Gefolterten eine
unerträgliche Pein. Der Körper, das Objekt des Schmerzes, ist
einmalig - ein abgetrennter Arm beispielsweise würde nicht
nachwachsen, und es können dem Körper vielerlei andere irreversible
Schäden zugefügt werden. Über allem Schmerz schwingt die Angst vor
dem Tode mit, die eigentlich eine Angst vor dem Sterben ist, - wenn
sich der Gepeinigte bereits im Sterben befindet, schiebt sich die
Angst über das Sterben hinaus in den Tod selbst; ein lebenskluger
Märtyrer weiß diesen Prozess aufzuhalten, verliert die Angst, und
sein Schmerz lässt nach.
Das
Scheußlichste, was der menschlichen Kreatur passieren kann, sind
unzählige Wiedergeburten im Sinne der altindischen
Reinkarnationslehre, wobei dieses Spiel, wie ein uns schon bekanntes,
ebenfalls ohne Vergessen nicht auskommt. Das Leid, von dem man nichts
weiß, ist nicht das Eigene. Wenn die unzähligen früheren Leben
nicht einmal in der Tiefe der geschundenen Psyche verborgen sind,
dann sind sie nirgendwo, und somit nicht.
§ 14
Das Bemühen
der praktischen Eschatologie, die Ewigkeit als daseiend, also
zeitlich zu fassen, erfreuete sich des Misslingens, und es ist
keinesfalls ein zynischer Ausdruck - der Irrtum, als Irrtum erkannt,
ist die notwenige Voraussetzung der Wahrheit, welche nur auf dem
überwundenen Irrtum begründet werden kann, und nicht aus dem Nichts
unmittelbar ins Bewusstsein springt.
Die
phänomenalen Qualitäten des Diesseits lassen sich auf das Jenseits
nicht ohne ad absurdum gehende Veränderungen übertragen; die
Annahme der Ewigkeit und Unendlichkeit des Jenseits, die vorerst
vorausgesetzt wurde, resultiert zwangsläufig aus dem gedanklichen
Fortgehen ins Unendliche, wobei Kants Antinomie sich ihrer Gültigkeit
im Jenseits erfreut: stellt man sich das Leben nach dem Tode als
endlich und begrenzt vor, so kommt nach dem Leben nach dem Tode
wieder ein Leben nach dem Tode, und so fort ins Unendliche. Die
Reinkarnationslehre schiebt die Todesschranke nur auf, wie es bereits
in der positiven Eschatologie der Fall war.
Das weitere
Vorgehen wird kein Schließen vom Bekannten auf Unbekanntes sein, da
die Spekulationen dieser Art nun im Wesentlichen erschöpft sind. Die
Gesetze des Bekannten auf Unbekanntes anzuwenden, hat sich als eine
methodische Irreführung erwiesen; als wesentlich offenbart sich nun
das dem Bekannten und dem Unbekannten Gemeinsame - der menschliche
Geist.
Die
Eschatologie kann nicht über das Ich hinausgehen - das negative
Moment der transzendentalen Eschatologie, im Buddhismus als Nirwana
vorgestellt, verdient eine gesonderte Anmerkung, die später erfolgen
wird - , denn ohne ein gleichbleibendes Subjekt ist keine Erfahrung
bestimmter phänomenaler Qualitäten möglich. Das Subjekt ist
diesseits und jenseits der Todesschranke dasselbe, weshalb seine
eigentümliche Beschaffenheit die Bedingungen für transzendentale,
erfahrunsglos gültige Erkenntnisse über das Jenseits hergibt.
§ 15
Der
transzendentalen Eschatologie erster Teil
Die
transzendentale, der Identität der Person zugrunde liegende Einheit
des Selbstbewusstseins, die sich selbst Ich nennt, ist durch seine
Freiheit und seine Geschichtlichkeit gekennzeichnet. Das Ich ist das
Bleibende im Wechsel seiner Erfahrungen; denkt man die Ewigkeit
unzeitlich, so findet der Wechsel nicht statt, und das Bleibende
darin kann sich selbst nicht als Ich erkennen. Das Ich ist frei, weil
es durch nichts als sich selbst verursacht und irreduzibel ist. Die
Selbstverursachung widerspricht nicht im Geringsten dem Gedanken der
Schöpfung durch einen überweltlichen Schöpfer, allein der Akt der
Schöpfung ist nicht als ein dem Geschöpf fremder Akt zu denken; das
Erschaffenwerden ist gleichsam als die erste autonome Handlung zu
verstehen. Für die gegenwärtige Betrachtung reicht allerdings der
Gedanke aus, dass das Ich durch nichts Gegenständliches außerhalb
seiner Selbst verursacht wird, und sich selbst im spontanen
Willensakt erschafft. So ist der Sprung vom Es zum Ich im Kindesalter
nicht als ein Umschlagen der Quantität erlernter Fähigkeiten in
eine neue Qualität, das Selbstbewusstsein, zu verstehen, sondern als
eine Urzeugung, wie etwa die spontane Entstehung des Bewusstseins aus
unbewusstem Leben.
§ 16
Denkt man dem
Ich seine Geschichte weg, so bleibt ein Abstraktum übrig, ein Ich im
Nichts des Bewusstseins. Kein medizinisch bekannter Fall eines
Gedächtnisverlustes ist hier relevant, denn wäre dieser nur
vollständig, so wäre die daran erkrankte Person der Welt völlig
entrückt und hätte kein Selbstbewusstsein mehr. Anders das
buddhistische Nirwana, das genau hier seinen logischen Ort hat. Die
Erlösung vom Leid des Daseins, welches mit dem Selbstbewusstsein
identisch ist, wird als das Eingehen des Ich ins Nichts vorgestellt.
Das Nichts ist kein leerer Raum ohne Uhren, sondern die Negation
allen Seins. So kann das Ich im Nirwana keine Erinnerungen an
früheres Seiendes behalten, die ihm gegenständlich wären und sein
Selbstbewusstsein aufrechterhielten. Alles Gegenständliche ist im
Nirwana verschwunden, kein Objekt ist mehr vorhanden, und so erlischt
das Subjekt. Freilich ließe sich dieses viel einfacher ohne
abenteuerliche Moralvorstellungen und irrwitzige Mythen denken - wenn
wir naturwissenschaftlich korrekt annehmen, dass wenn das Gehirn als
Träger des Geistes nicht mehr funktioniert, das Ich dem Nichts
gegenübersteht und zu existieren aufhört.
§ 17
Um nach dem
Tode weiterzuleben, muss das Ich seine persönliche Identität, zu
der seine Geschichtlichkeit gehört, beibehalten, wobei die
Geschichtlichkeit ein transzendentaler Begriff ist und nicht die
Bedeutung einer bestimmten Geschichte hat. Die zufällige Biographie
ist nur eine Möglichkeit, die der Geschichtlichkeit entspringt,
nicht die Geschichtlichkeit selbst. Gleichwohl gehört zur
Geschichtlichkeit auch bestimmte Geschichte, so wie zum Wissen um
Raum und Zeit als transzendentale Begriffe reiner Anschauungen, in
denen Erfahrungen stattfinden können, konkrete Erfahrungen in Raum
und Zeit gehören.
Das Ich muss
nach dem Tod in der Lage sein, geschichtliche Erfahrungen zu machen,
sprich seine Erfahrungen in einem kontinuierlichen Nacheinander zu
ordnen wissen. Bleibt allerdings nur die Möglichkeit über, ohne
dass eine konkrete Geschichte ins Jenseits hinübergerettet wird, so
wird das Ich in einem abstrakt unbuddhistischen (die formale
Identität bleibt dem Ich erhalten, allein konkret weiß das Ich
nichts davon und ist deshalb ein anderes) wie völlig unchristlichen
Sinne wiedergeboren, so dass es nämlich ein Anderes wird.
§ 18
Wie muss nun
die Welt jenseits der Todesschranke beschaffen sein, um das
autobiographische Gedächtnis eines Toten aufzunehmen? Die
physikalische Beschaffenheit jener Welt ist nicht von Belang, denn
der Tod hat die Vernichtung der physikalischen Datenbank, in der das
autobiographische Gedächtnis gespeichert ist, zur Folge. Die
jenseitige Welt muss also wesentlich geistiger Natur sein, was deren
materieller Ausschmückung keineswegs im Wege steht.
Das Ich darf
ferner nicht von der einen in die andere Welt bloß kopiert werden,
im Sinne einer Fotokopie oder Teleportation, sondern muss selbst den
Weltwechsel vollziehen. Eine Übersetzung von einer bestimmten
Qualität in eine andere ist ebenso unzulässig, denn nicht ein
gleiches, sondern dasselbe Ich muss die Todesschranke passieren.
Somit steht fest, dass auch die diesseitige Welt im Wesentlichen
geistig beschaffen sein muss, dem Ich gemäß, so dass das Gehirn,
und nicht das Ich, als ein Epiphänomen zu gelten hätte.
Das Ich, selbst
jenseits von Raum und Zeit, kann ohne seine Geschichtlichkeit nicht
sein, ebenso nicht ohne einen Gegenstand seines Willens außerhalb
seiner Selbst. Nicht die physikalische Raumzeit, sondern Raum und
Zeit als Bedingungen gegenständlicher Existenz, dürften sich auch
im Jenseits ihres Fortbestehens erfreuen.
§ 19
Ein Leben nach
dem Tod, sollte es dieses geben, muss ichgemäß beschaffen sein.
Beliebigkeit ist durch die eigentümliche Beschaffenheit der zum
Leben notwendigen Einheit des Selbstbewusstseins ausgeschlossen,
jedoch ist mitnichten bewiesen oder wiederlegt, ob es ein Leben nach
dem Tode gibt. Es ist nun zu klären, ob die Behauptung eines Lebens
nach dem Tode eine Existenzbehauptung ist, wie die Aussage, es
existierten weiße Einhörner, oder aber ein spekulativer Schluss,
der auf apodiktischen Urteilen zu ruhen vermag.
Die Endlichkeit
des Menschen hat ihren Ursprung in der Sterblichkeit des Körpers;
der Geist altert nicht und hinterlässt beim Tode der Person keine
Leiche. Es ist davon auszugehen, dass der Tod eine Trennung von Geist
und Körper ist, denn dieser Umstand ist bekannt; eine Aussage über
die Fortexistenz des Geistes nach dem Tod lässt sich nicht empirisch
überprüfen. Das Ich ist ein Ding jenseits von Raum und Zeit; Raum
und Zeit sind im Ich, und nicht das Ich darin. Bedenkt man die daraus
entspringende Idealität von Raum und Zeit, deren expliziter Beweis
mit Kants transzendentaler Ästhetik bereits vorliegt, so offenbart
sich der Körper als eine Vorstellung des Geistes; der Tod wird als
das Ende der körperlichen Existenz, die eine natürliche Basis für
das Bewusstsein bildet, unwesentlich, wogegen das transzendentale
Fortbestehen des individuellen Geistes vor das Problem der Unkenntnis
nichtkörperlicher Daseinsformen gestellt wird.
§ 20
Der
transzendentalen Eschatologie zweiter Teil
Unter der
idealistischen Prämisse stößt der spekulative Schluss vom
Fortbestehen der Seele nach dem Tod auf einen faktischen Widerspruch
durch die gegenständliche Inkommensurabilität des Diesseits mit dem
Jenseits. Es kann überhaupt nur eine Welt geben, und eine
Verdopplung der Welt kann nur ein logisches Moment sein, welches sich
in der Einheit beider Teilwelten als das, was als Welt begriffen
wird, nämlich die Allheit des Seienden, auflöst, was bedeutet, dass
der Tod nur Schein, und kein wahrhaftes Sein ist.
Die
Todesschranke erfüllt, wie anfangs bemerkt, die logische Bestimmung
einer Schranke, deren Sein das Hinausgegangensein darüber
ausspricht. Dennoch kann über den Tod nicht hinausgegangen werden,
solange der Hinausgehende selbst seiend ist. Wer über das Sein - die
Wahrheit des Scheins - hinausgeht, muss das Sein für den Moment des
Hinausgehens verlassen; für den Seienden ist der Schein Sein, und
nicht ohne den Rücktritt vom Sein aufzulösen.
§ 21
Das Sein ist
als Ding an sich, über welches nicht hinausgegangen werden kann, dem
Ich gegenüber selbstständig und widerständig. Der Tod ist die
höchste Spitze des endlichen Seins, er ist das Sein des Endlichen,
wie das Sein des Endlichen ein Sein zum Tode ist.
Das Ich verhält
sich zum Tode nicht anders als zum Sein selbst, also beim Schein
nehmend und negierend. Da der Tod die Vollendung des Seins des
Endlichen ist, ist die Negation des Todes die vollendete Negation,
hiermit das wahre Sein des Selbstbewusstseins. Dieser Gedanke wurde
im Existentialimus ausgesprochen, welcher das Sein des Ich als
Rebellion gegen den Tod auffasste. Diese ausdrücklich willentliche
Einstellung zum Tode ist durch die Beschaffenheit des Ich selbst
gewollt; der Wille, der sich gegen den Tod richtet, ist keine
Willkür, sondern der wahre Wille des seiner Selbst bewussten Lebens.
§ 22
Die Perspektive
ist nun eine andere geworden, als zu Beginn der Erörterung, der noch
nicht transzendental war, sondern sich auf eine phänomenale
Perspektive gründete. So wurde anfangs untersucht, wie der Tod und
das Leben nach ihm zu denken sei, hier jedoch steht die Frage, was
der Tod ist, im Mittelpunkt. Anders als gemeinhin angenommen, bietet
der Idealismus keine Basis für überschwängliches Schweifen in
transzendenten Beliebigkeiten, vielmehr erlaubt er kein
Herumschweifen um die bestimmten Begriffe mehr, was an der strengeren
Art, in der diese Erörterung seit dem Einbruch des Idealismus
gehalten ist, deutlich wird. Der Nachteil der idealistischen
Perspektive liegt in ihrer Inkommensurabilität mit der phänomenalen
Betrachtungsweise; wir wissen nun, was der Tod an sich ist, können
aber dieses Wissen nicht in ein lebensweltlich verwertbares Wissen
übersetzen. Die Transzendentalwissenschaft von einem Gegenstand kann
keine Auskünfte darüber geben, wie dieser Gegenstand als bloßes
Objekt erfahren wird; der Begriff einer Sache sagt nichts darüber
aus, wie diese riecht, schmeckt oder sich anfühlt.
§ 23
Nachdem der Tod
mit klaren Begriffen erklärt wurde, ist es an der Zeit, der Angst
vor dem Tode, dieser primären Motivation nahezu sämtlicher
Handlungen im moralisch-praktischen sowie im lebenskünstlerischen
Bereich, ins Gesicht zu sehen. Der Tod ist so beschaffen, dass er
formal Bekanntes und inhaltlich Unbekanntes ist; der Mensch weiß,
dass es den Tod gibt, weiß aber nicht, was der Tod ist. Der Mensch
weiß den Tod auch als das Aufhören seines Selbstbewusstseins, weiß
aber nicht, wie er sich das Aufhören seines Selbstbewusstseins
vorzustellen hat. Der Tod ist das Unbekannte schlechthin, das
bekannte, das offenbare Unbekannte, ein Unbekanntes, welches eine
Grenze des möglichen Wissens darstellt, - über den Tod hinaus kann
man nichts wissen.
Die resignative
Wirkung des grell leuchtenden Unbekannten strahlt auf das Leben; das
Wissen vom Nichtwissen, am Tode erkannt, bildet die Grundlage der
kritischen Reflexion auf das Leben selbst, bekannt als
erkenntnistheoretischer Skeptizismus sowie als Kynismus in der
Lebensphilosophie. Das Hauptverwüstungsgebiet dieses Leuchtens der
Dunkelheit ist zweifelsohne der ethisch-moralische Bereich. Anstatt
an der Grenze zum Unerkennbaren als einem Gipfel der Erkenntnis das
Erreichen desselben zu feiern, läuft der Mensch, vom Unbekannten
zurückgestoßen, von Angst getrieben, in den Schoß der
Intersubjektivität zurück, und bringt die frohe Kunde von der
erreichten Grenze des Wissens als schlechte Nachricht von der
Sinnlosigkeit des Lebens dorthin. Im transzendentalen Nihilismus wird
diese vorauseilende Selbstzerstörung explizit thematisiert.
§ 24
Die Angst vor
dem Aufhören seiner Selbst ist dem Ich eigentümlich, sie ist gar
als die Negation des Nicht-Ich die phänomenale Äußerung dessen,
was das Ich an sich ist. Das Ich ist, in Erlebnissprache übersetzt,
die Angst vor dem Tode. Es ist billig und denkfaul, hier auf die
idealistisch gewonnenen Erkenntnisse über die Natur des Todes zu
verweisen und an die Vernunft zu appellieren, man möge doch die
Angst vor dem Tode fahren lassen. Die verdrängte Angst kommt sofort
als Furcht zurück, sobald das Vergessen selbst vergessen wird.
Man kann die
Angst vor dem Tode nur überwinden, indem man stirbt. Es ist auch
belanglos, ob beim Passieren des Todesschranke das Ich oder die Welt
für einen zeitlosen Moment zu sein aufhört; ohne Objekt ist kein
Subjekt, und ohne Subjekt ist kein Objekt. Der Moment des Todes ist
zeitlos, da die Zeit selbst ein innerer Sinn des Subjekts ist, - die
Zeit ist im Ich. Es ist widersinnig, zu fragen, wo denn die Seele im
Moment des Todes sein wird, denn auch der Raum ist ein innerer Sinn
des Subjekts, wobei der Raum wie die Zeit selbstredend Sinne für
Äußeres sind, so wie der Tatstsinn ja nicht sich selbst, sondern
alles ihm gemäße Gegenständliche außerhalb seiner Selbst
ertastet.
Es ist amüsant,
bereits in den Meditationen des Cartesius, dass das vermeintlich
abstrakte Ich bei näherer Betrachtung mit einer Art Leiblichkeit
umfangen wird, zu der bestimmte Sinne und Vermögen gehören, ohne
welche das Ich als Solches nicht zu denken ist. Um Selbstbewusstsein
zu sein, muss das Ich empfänglich, empfindlich, vorstellend und
reflexiv sein; das Ich muss eine Art transzendentaler Sinnlichkeit
als Voraussetzung jeder gegenständlichen Erfahrung mit sich führen,
- der körperlose Geist ist nicht blind, sondern sehend, und er ist
kein leeres Abstraktum, sondern bestimmtes Seiendes, sein
eigentümlicher Leib ist die Seele.
§ 25
Die Seele ist
als bestimmtes Seiendes Substanz, das Ich kein leeres Subjekt. Nichts
anderes ist mit der Auferstehung der Leibes im Christentum
impliziert, als das Weiterbestehen des bestimmten individuellen
Selbstbewusstseins nach dem Tode. Die kontingente Art der
Leiblichkeit, ihre Chemismen und Biologismen tun nichts zur Sache;
zum Begriff der Leiblichkeit gehört nichts weiter, als
transzendentale Sinnlichkeit, das Vermögen, kontingentes Seiendes
außerhalb seiner Selbst als Gegenstand des Wahrnehmens - nicht des
Denkens - gegeben zu bekommen. Zur Leiblichkeit gehört das den
Gegenständen der Sinnlichkeit gemäße Beschaffensein des konkreten
Selbst, des Körpers der Person. Nicht der physische Leib ist zur
Auferstehung bestimmt, sondern der Leib als Leib, das Konkretum der
Persönlichkeit.
Persönlichkeit
meint freilich nicht eine bestimmte Fülle intersubjektiver
Eigenschaften einer Person, sondern deren höchste Konkretheit, die
eng mit deren Leiblichkeit verbunden ist. Das selbstbestimmte
Aussehen eines Menschen ist also nicht eine bloße Frage des Stils,
sondern eine Frage von höchster Intimität, die das Verhältnis der
Person zu sich selbst zum Inhalt hat. Hier ist nun die Grenze des
Psychologischen erreicht, und an dieser Grenze muss die Vernunft
stehen bleiben, - das Psychologische ist ein Spielplatz des noch
nicht vernünftigen, bloß reflexiven Verstandes und soll,
unfruchtbar für die Vernunft, diesem weiterhin überlassen werden.
Vom Interesse ist stattdessen die Auferstehung des Leibes im
christlichen Glauben und inwiefern das Christentum über den bloßen
Glauben hinaus eine transzendentale Eschatologie vorbereitet.
§ 26
Der
transzendentalen Eschatologie dritter Teil
Nicht zum Spaße
ward oben die Rede vom Weiterbestehen des bestimmten individuellen
Selbstbewusstseins nach dem Tode. Diese Formulierung offenbart, was
sie verschleiert, - dadurch, dass sie einen bestimmten Umstand zu
verschleiern im Stande ist, soll sie zur Offenlegung desselbigen
dienstbar sein. Das Weiterbestehen einer Person nach dem physischen
Tode unterschlägt die durch den Tod entstehende Diskontinuität im
Sein der Person und stellt eine verdeckte Kontinuitätsbehauptung
auf. Der Tod wird somit nur als eine Tür in eine andere Welt
vorgestellt, und soll als Tod nicht wirklich sein. Dieselbe
Vorstellung liegt den Mythen über die Seelenwanderung zugrunde, aber
auch Gespenster sind dieser Vorstellung der Unwirklichkeit des Todes
geschuldet. Ein gläubiger Christ, der solche Spekulationen für wahr
hält, leugnet hiermit das Christentum, denn er will auferstehen,
ohne zu sterben. Dem Christentum ist der Tod wesentlich; das
Christentum ist der Glaube an die Auferstehung der Toten, und nicht
an einen geheimen Schlüssel, der Türen zu anderen Welten öffnet.
§ 27
Die
Auferstehung der Toten ist dem Christentum freilich nicht als
exklusives Glaubensgut gegeben worden, vielmehr gibt es unzählige
Religionen, die von der Auferstehung der Toten künden. Die
Lebensgeschichte Jesu ist nicht einzigartig, - viele Mythen handeln
von einem gestorbenen und wiederauferstandenen Gott. Nun aber ist
Jesus nicht nur wahrhaft gestorben und auferstanden, sondern wahrhaft
Mensch und wahrhaft Gott. Beides steht im christlichen Glauben in
einem unmittelbaren Zusammenhang; wäre Jesus nur als ein Gott
behauptet worden, so wäre seine Auferstehung nichts Besonderes, sie
erinnerte vielmehr an die Jahreszeiten in gemäßigten Klimazonen.
Stellt man sich Jesus als einen gewöhnlichen Menschen vor, so wird
seine Auferstehung bestenfalls zum Mysterium, logisch betrachtet
aber, zum Unsinn, zu einer abenteuerlichen, den Naturgesetzen
widersprechenden Tatsachenbehauptung.
Die Kirche
hätte nicht auf Petrus, sondern auf dem ungläubigen Thomas gebaut
werden müssen; nicht der feige aber treue Fanatiker, sondern der
Zweifler, der nicht bloß glauben, sondern wissen will, der nicht auf
den Glanz, sondern auf die Wunden seines Gottes schaut, dient der
göttlichen Offenbarung. Nicht der am Lautesten lobgepriesene Gott
ist der wahre Gott, sondern der, der an sich zweifeln lässt, die
Vernunft nicht verbannt. Freilich stellt sich die Frage, wozu dann
glauben, wenn man endlich weiß, jedoch ist Gewusstes und Geglaubtes
keinesfalls identisch; so wie jedes auf sich logische Schlüsse
gründende Wissen die Gültigkeit der Logik transzendental
voraussetzt, muss der als Gott gewusste Gott sich erst durch seinen
Willen als Gott offenbaren. Das Offenbarte mag die Vernunft als wahr
erkennen, die Offenbarung selbst ist ein Akt des Willens, also der
Freiheit, und nicht der Notwendigkeit.
§ 28
Es gibt also
nichts, woraus die göttliche Offenbarung logisch folgen müsste. Der
Gott der Christen ist nicht pantheistisch zu fassen, er ist nicht
eins mit der Welt, sondern außerhalb der Welt. Die Ursache allen
Seienden, der Schöpfer der Welt, ist nichtseiend, da er als seiend
Geschöpf wäre; er ist selbst ungeschaffen und erschafft die Welt
aus seinem freien Willen, aus dem Nichts. Der Deismus der Aufklärer
ist durchaus kein höflicher Atheismus, wobei nicht der Anfang der
Welt für den christlichen Glauben entscheidend ist, - eschatologisch
kann er sogar vernachlässigt werden.
Gott erschöpft
sich nicht in der Erschaffung der Welt, sondern er setzt sich selbst
als der Endzweck der Welt, er wird Mensch. Die Menschwerdung Gottes
ist das wahre Geheimnis des Christentums, ein Geheimnis, in welchem
die Einzigartigkeit dieses Glaubens verborgen ist. Da Gott Mensch
wurde, muss der Mensch Gott werden, aber nicht im technokratischen
Sinne, sondern so, dass er durch das Nichtsein schreiten muss. Gott
stirbt, um Mensch zu werden, und der Mensch muss durch das Nichtsein
hindurchgehen, um Gott zu werden. Gott ist das Absolute; phänomenal
wird dieses als höchste Glückseligkeit erlebt, als das Ewige Leben.
§ 29
Erst mit dem
Kreuztod Jesu offenbart sich also der Sinn des Todes; über den Sinn
des Lebens vermochten Denker aller Zeiten verschiedenste Gedanken
anzustellen, der Tod aber brachte sie mit seiner Sinnlosigkeit zum
Verzweifeln. Nun aber wird deutlich, dass der Mensch als Seiendes von
Gott getrennt ist, und mit Gott nur eins werden kann, indem der das
Nichtsein erfährt. Die Offenbarung vom Sinn des Todes und die
Erlösung der Menschheit von der Todesangst war keine logische
Notwendigkeit, sondern, wie die Erschaffung der Welt, ein freier Akt
des göttlichen Willens. Gott verhält sich zum Menschen nicht
unpersönlich, nicht als die Natur oder als das Gesetz, vielmehr als
ein freies Subjekt, und die Gottebenbildlichkeit des Menschen besteht
einzig in seiner Freiheit. Es ist sehr optimistisch, die menschliche
Vernunft als der göttlichen gemäß zu begreifen, und die Logik als
Denken wie Gott. Die Freiheit allerdings ist nur eine Einzige, und
zwar die absolute Freiheit, welche darin besteht, autonome Ursache
des eigenen Willens zu sein. Der gemeine Verstand wird eher die Logik
zum Kriterium der Gottebenbildlichkeit erheben, was nicht ganz
unberechtigt ist, da Gott doch der Logos ist, und am Anfang das Wort
war, aber die Bedingtheit der Gültigkeit logischer Gesetze durch
eine ihnen vorausgehende willentliche Setzung ihrer Gültigkeit wird
allzu bereitwillig vergessen.
§ 30
Gott und Mensch
verhalten sich zueinander als absolut Freie. Die Freiheit im Nichts
ist aber eine Freiheit zu nichts, und so muss es ein Reich der
Notwendigkeit geben, damit sich die Freiheit entfalten kann. Die
Naturgesetze werden durch die Wunder Jesu also keinesfalls außer
Kraft gesetzt, und Jesus ist ausgesprochen geizig an Wundern, was nur
bedeuten kann, dass sie die Freiheit als das Wesentliche, und die
Notwendigekeit als das Unwesentliche aufzeigen sollen. Es lag einzig
in der Freiheit des Gottmenschen, die Menschen diese Wunder sehen zu
lassen, - sie waren weder zur Menschwerdung Gottes noch zur Erlösung
der Menschen vor dem Tode notwendig.
Das Moralische
ist für alle Religionen nicht aus dem Grunde wichtig, der sie zum
Opium des Volkes oder zum Herrschaftsmittel bestimmt, sondern allein
aus dem Grund, dass der Mensch sich im moralischen Handeln nicht nur
zu anderen Menschen, sondern auch zu Gott verhält, indem er absolut
frei handelt. Die Umstände der moralischen Handlung sind nicht das
Bestimmende, sondern die Materie, in der sich die Freiheit zu
entfalten hat; gäbe es keine Bedürfnisse, keine Gelüste, keine
psychologischen Dispositionen und keine äußere Gewalt, so verkäme
die Freiheit zur Beliebigkeit, und der Wille erschöpfte sich im
bloßen Wollen, ohne sich äußern zu können.
§ 31
Der Mensch ist,
was er tut, und tut, was er ist. Das Tautologische hierin ist nur die
Form, in der das Verhältnis eines Subjekts zu sich selbst erscheint.
Dieses Verhältnis ist nicht bloß tautologisch, sondern reflexiv;
der Mensch ist nicht bloß, sondern er wird, er wird daran was er tut
zu dem was er ist, tut aber auch dadurch, was er geworden ist, das,
was er tut. Das Böse kommt freilich durch die Zwecke, die der Mensch
sich setzt, in seine Handlungen. Setzt er sich endliche Zwecke, ist
ihm alles außer seiner Selbst nur Mittel zum Zweck, was erst dann
aber die Höhe und Würde des Bösen erreicht, wenn der Mensch sich
die endlichen Zwecke absolut setzt, - eine aufschlussreiche
Formulierung, die erkennen lässt, dass der Mensch, in dem er sich
seine endlichen Zwecke absolut setzt, zugleich sich selbst in diesen
Zwecken zum Absoluten bestimmt.
Der Mensch, der
seine endlichen Zwecke endlich setzt, ist der gewöhnliche
Alltagsmensch, und steht in keinem moralischen Verhältnis zu
niemandem. Niemand wird dadurch böse, dass er ein Glas Wein trinkt,
wenn aber das Weintrinken ihm das Höchste ist, dann setzt er seine
Freiheit in einen Objekt und erniedrigt sich dadurch zum Herrn der
Fliegen. Gleichwohl zeugt die unbestechliche Selbsterniedrigung, die
unerbittliche Verweigerung Gottes als Endzweck, das Beharren auf sich
selbst, und die Demonstration dessen in der Setzung seiner Freiheit
in alle vorstellbaren niedrigen Dinge, von einer Willensstärke, die
dem gemeinen Alltagsmenschen beim besten Willen nicht zu unterstellen
ist, - die Blindheit des Alltagsmenschen für das Absolute ist nicht
seiner Bosheit, sondern vielmehr seiner Tierhaftigkeit geschuldet.
§ 32
Aus dem oben
Gesagten wird nun deutlich, dass das Ewige Leben sowie die Verdammnis
nicht erst all Vollzug göttlicher Rechtsprechung nach dem Tode
beginnen, sondern selbstgewählt mitten im Leben anfangen. Es zeugt
von einer erbärmlichen Phantasiebegabung, sich jene Menschen, denen
das Ewige Leben zuteil wurde, als dauergrinsende Idioten
vorzustellen, - es kann der grimmigste oder ärmste Mensch sein, der,
obwohl er seelische und körperliche Not leidet, gleichwohl in seinem
Herzen erlöst ist und sich des höchsten Glücks erfreut.
Das wahre Leben
fängt also nicht erst mit dem Tod an, sondern schon davor, - erst
angesichts der Überwindung des Todes wird aber die Vollkommenheit
erreicht; vor dem Tode ist der Mensch ein Sterblicher, nach dem Tode
ein Unsterblicher, - ein Satz, der die froheste Botschaft und die
höchste Spitze des Zynismus gleichermaßen enthält.
§ 33
Die
Eschatologie ist nicht beliebigerweise eine theologische Disziplin,
sie ist aber auch der Punkt, an dem sich die Theologie und die
Anthropologie berühren. Die Wissenschaft vom Tode verbindet die
Wissenschaft von Gott mit der Wissenschaft vom Menschen, weil ihre
Gegenstände sich gleichermaßen zueinander verhalten. Erst
angesichts des Todes steht der Mensch dem Absoluten, Gott gegenüber.
Ein Leben ohne Tod wäre ein gottloses Leben.
Als ein
abstrakt Absolutes ist Gott dem Menschen genauso feindlich wie der
Tod, darum war das historisch erste religiöse Verhältnis des
Menschen die Gottesfurcht. Fürchte nur mich, war das göttliche
Gesetz des abrahamitischen Bundes, und dieser Gott war ein gegenüber
allen möglichen Quellen der Furcht eifersüchtiger Gott. Siehe, ich
bin tot, sagt der Mensch gewordene Gott des neuen und ewigen Bundes,
also sollst auch du dich vor dem Tod nicht fürchten. Das Christentum
erweist sich als die den transzendentalen Voraussetzungen der
menschlichen Seinskondition einzig gemäße Religion, die aber ihrem
eigenen Anspruch nach nicht verwaltet, sondern gelebt werden will.
Der Mensch gewordene Gott kündet nicht von einer weltlichen Macht
der Kirche, sondern von der Zerstörung des Tempels. Gott stirbt den
peinlichsten Tod, um den Menschen von seiner Pein zu erlösen; er
zeigt sich als das ins Endliche eingebrochene Unendliche, er ist die
absolute Gewissheit und kein Objekt vom Glücksspiel etwa eines
Pascal. Die transzendentale Eschatologie verhält sich nun zur
Religion wie die Naturwissenschaft zur Technologie. Die Wahrheit des
Christentums ist transzendental möglich; ob sie für den einzelnen
Menschen wirklich wird, entscheidet allein dessen freier Wille.
Die Wahrheit
des Christentums ist die Wahrheit vom Tod Gottes, die der Nihilismus
allerdings nur als Halbwahrheit an sich nimmt, indem er den Tod nur
halb nimmt, nämlich als bloße Rückführung des Seienden ins
Nichts, nicht wissend, dass aus diesem scheinbaren Nichts, welches in
Wahrheit Gott ist, das Seiende bereits entstanden ist und genauso
wiederentstehen kann. Gott ist tot, und darum hat auch der Mensch den
Tod nicht zu fürchten.
§ 34
Transzendentaler
Nihilismus
Religion ist
das Verhältnis des Menschen zum Tode, die Verweigerung dieses
Verhältnisses ist der Nihilismus. Der Nihilismus hält das Nichts
des Todes fest, ohne das Leben zum Tode loszulassen. Infolge dessen
bestimmt sich das nihilistische Verhältnis zum Tode als eine
exponentiell wachsende Furcht, zur Sterblichkeit als quälende
Ungeduld, zum Leben als Nostalgie. Der Nihilismus betrachtet das
Leben von der Zukunft her, er sieht alles angesichts dessen
zukünftigen Nichts. Der Satz, dass Gott tot ist, bedeutet im
Nihilismus nicht, dass Gott den Tod besiegt hat, sondern dass der Tod
Gott besiegt hat, also das Nichts den Willen, die Substanz das
Subjekt. Folglich kennt der Nihilismus auch keine Freiheit, da doch
alles vom Tod zum Tode bestimmt ist.
§ 35
Im Bewusstsein
dessen, dass der Tod als absolutes Ende allen Seins in der Zukunft
unvermeidlich eintreten wird, wird die Tatsache, dass er in der
Gegenwart auf sich warten lässt, zum Todesurteil. Unbewusst handelt
der Nihilist frei, indem er sein Schicksal in die Hand nimmt und
agiert, wobei er sein Agieren als ein Reagieren erlebt. Bevor er vom
Tode zerstört wird, zerstört er sich selbst, und diese
vorauseilende Selbstzerstörung wird in einer nihilistischen Kultur
zum pseudoreligiösen Ritual.
Es ist nicht
das Zufällige, dessen Zerstörung durch den Tod als ungeheuerlich
erlebt wird, sondern das Innigste, - das, was geliebt wird, nicht
das, was besessen wird. So erleben wir eine ungewöhnliche
Zärtlichkeit gegenüber dem Eigentum, wohingegen der Leib, die Seele
und die Würde des Menschen einer kulturell gewünschten Zerstörung
anheim fallen. So stellt sich im Spielfilm "Dreizehn" aus
dem Jahr 2003 die Emanzipation - die Befreiung von der Herrschaft des
elterlichen Willens zum eigenen Willen - eines Kindes wahrheitsgemäß
als eine selbstzerstörerische Bewegung dar. Kaum taucht der eigene
freie Wille auf, schon wird das Leben mit ihm unerträglich, und der
Wille wendet sich gegen das Leben. Es könnten freilich andere Formen
der Befreiung des Willens gewählt werden, als die Form des Bösen,
des Setzens endlicher Zwecke über die eigene Würde, zumal es
keinesfalls das Gute ist, sondern ein zufälliger Wille, von dem die
Befreiung sich zu vollziehen hat, allein wird der eigene freie Wille
schlagartig zu diesem unerträglichen Guten, dieser Unendlichkeit,
der die Negation schließlich gilt.
§ 36
Die
transzendentale Voraussetzung für den Nihilismus liegt in der
Verweigerung der Unendlichkeit dem eigenen Verstande, der
Verabsolutierung des Verstandes und seiner Setzung anstelle der
Vernunft, zu der man den Verstand nicht aufsteigen lässt. Eine
bärendienstliche Vorarbeit hierzu leistet Kants
Transzendentalphilosophie, die, um die Mannigfaltigkeit der Dinge -
verdeckt mit dem Feigenblatt des Dings an sich - nicht dem
auflösenden Widerspruch auszusetzen, den Tod aus der Natur in den
menschlichen Geist verbannt.
Um den
totalitär gewordenen Nihilismus unserer Kultur zu überwinden, muss
man seine transzendentalen Voraussetzungen verstehen. Nicht zufällig
befördert diese Kultur Atheismus und Götzendienst und will den
Geist des Christentums gleichsam ausrotten. Die christlichen Kirchen
sind ein Teil dieser nihilistischen Kultur, und darum handelt es sich
beim Kulturkrieg der öffentlichen Meinung gegen die Kirche um einen
Scheinkrieg, denn sobald die Kirche sich bereit erklärt, alles
eigentümlich Christliche fahren zu lassen, wird sie, oder vielmehr
all das Redundante und Zufällige, das Unchristliche bis
Antichristliche an ihr, wieder zu einer sinnstiftenden Institution
dieser Gesellschaft werden.
Beschluss
der transzendentalen Eschatologie
Die
Eschatologie erwies sich in ihrer transzendentalen Erörterung als
keine einzelwissenschaftliche, sondern eine der Wissenschaft vom
Absoluten zugehörige, also philosophische Disziplin. So wie die
Funktionsweise der Atombombe ohne ein adäquates Studium der Physik
nicht zu verstehen ist - gleichwohl ist das geschäftige Wie dem
Dummkopf leicht erklärt, für das kindliche Warum bedarf es der
Kenntnis der Grundlagen - , ist die Eschatologie ohne ihre
philosophischen Voraussetzungen nicht zu begreifen. Es ist eine Gnade
Gottes, dass es keiner philosophischen Bildung bedarf, seiner
Offenbarung teilhaftig zu werden; da eine Handlung aus freiem Willen
nicht dem Gesetz der Notwendigkeit unterliegt, kann sie unmittelbar -
ohne hinreichendes Studium dieser Gesetze - verstanden werden. Ebenso
findet die Liebe nicht erst mit der langen und harten Fortentwicklung
des endlichen Verstandes zur unendlichen Vernunft Eingang ins
menschliche Leben, sondern ist in diesem unmittelbar vorhanden, und
dem Nihilismus ist allein schon aus der Intuition, die besagt, dass
er sich als die Negation der Liebe verhält, der Selbstliebe halber
abzuschwören.
Donnerstag, 27. April 2017
Das Wirkliche
Gedankenprotokoll zu einer vom Kopf auf die Füße gestellten Realphilosophie.
13.3.2014. Das Lächcheln
Das Lachen ist maskulin: es ist klar, offen, im Lachen ist kein Geheimnis. Ein lächelnder Mann ist ein dezent lachender Mann. Das Lächeln, erstes Derivat des Lachens, ist die Negation des Lachens, ein nichtlachendes Lachen. Das nichtlächelnde Lächeln ist das zweite Derivat des Lachens, die Negation der Negation des Lachens. Es ist ein Nichtlächeln, aber auch kein Lachen, doch zugleich auch kein Nichtlachen. Wenn das Lachen maskulin ist, ist das Lächeln mystisch-feminin (mystisch sei hier die Negation genannt, die an die Stelle des Negierten nicht das Nichts, sondern etwas unbestimmt oder zufällig Anderes setzt). Das Lächcheln ist dramatisch feminin (dramatisch sei hier die ihr bestimmtes Komplement fordernde Negation genannt). Die Trichotomie des Maskulinen, Mystisch-Femininen und Dramatisch-Femininen ist eine Abwandlung einer Trichotomie (im "imaginaire") von Gilbert Durand.
13.3.2014. Das Unantastbare
Das Mädchen ist heilig im Sinne von unantastbar (das passiv Heilige, - das aktiv Heilige ist der moralisch vollkommene Mensch). Hände sind das Äußerste, das Antastbarste, der Kontaktpunkt der Intentionalität (des Willens) mit der äußeren Welt. Die Hände des Mädchens tasten nur Reines an: das Mädchen selbst und alles was sonst noch rein ist. Alles, was profan und unrein ist, wird von Mädchenhänden nicht angetastet. Je mehr ein zufälliges Mädchen dem wirklichen Mädchen entspricht, umso dekorativer fallen ihre Hände aus: sie sind ausschließlich dazu da, um etwa mit dem Haar zu spielen oder in unwillkürlichen Gesten vors eigene Gesicht gehalten zu werden. Die Bewegungen der Mädchenhände sind weich und sanft, niemals spiegeln sie Intentionalität oder Zweckmäßigkeit wider. Je natürlicher (ungekünstelter, ungewollter) das Nichtantasten der Außenwelt ist, umso mehr entspricht ein zufälliges Mädchen dem wirklichen Mädchen. Weil Hände das Äußerste des Körpers sind, sind Mädchenhände das Symbol für die Reinheit und Unantasbarkeit des Mädchens. Mädchenhände sind, weil sie das Symbol der Reinheit sind, nicht nur symbolisch, sondern auch physisch rein und selbstverständlich völlig makellos.
Die Genitalien sind abstrakt-symbolisch (sakral) rein, - da sie das Verborgenste sind, sind sie nicht das Symbol der Unantastbarkeit, und verlieren durch physische Unreinheit (Menstruation) auch nicht ihre sakrale Reinheit. Die männlichen Genitalien sind das negative Komplement zu den weiblichen, und damit abstrakt-symbolisch (sakral) unrein, wie sehr sie auch gehegt und gepflegt sein mögen. Die Vereinigung bei der Vaginalpenetration beschränkt den Kontakt zwischen Mann und Frau auf das Sakrale, welches sich in das Reine und Unreine dirimiert, und in der Vereinigung zur Gleichheit der Natur zurückfindet, welche durch die Befruchtung die ursprüngliche Diremtion wiederherstellt: das Kind wird das Unreine, Tätige, Verzehrende, die Mutter wird das Reine, Passive, Verzehrte.
Nun können nicht nur Genitalien in Kontakt gesetzt werden, sondern z. B. weibliche Hände und männliche Genitalien oder das weibliche Gesicht und das männliche Glied. Hier wird das primäre bzw. das sekundäre Symbol der Reinheit durch das abstrakt-symbolisch Unreine berührt. Damit wird die Frau nicht als natürliche Weiblichkeit, sondern als heilige Weiblichkeit entweiht, und diese Entweihung stellt die natürliche Gleichheit nicht wieder her, sondern bewirkt eine Gleichheit im Unreinen: die Genitalien der unreinen Frau werden, selbst ohne in einem solchen Akt berührt zu werden, dadurch unrein, dass ihre Hände die Genitalien des Mannes berühren. Die Frau ist jetzt symbolisch (nicht bloß faktisch) entweiht und Dirne.
Im Gegensatz zu Tieren werden Menschen nicht gleich nach der Geschlechtsreife geschlechtlich aktiv, sondern warten auf ihre soziale Geschlechtsreife. Empirische Ausnahmen zeigen das Verlassen der wirklichen Menschheit, und somit eine Rückvertierung. Bei Menschen aber sind für die soziale Geschlechtsreife komplexe Initiationsrituale erforderlich.
13.3.2014. Die Immädchenation
Die weibliche Initiation der Geschlechtsreife ist die Entmädchung des Mädchens, die Enttabuisierung des weiblichen Realkörpers für die männliche Berührung. Der weibliche Symbolkörper (primär als das konkrete Symbol die Hände, das unantastbare und nichtberührende Berührenkönnende, sekundär als das abstrakte Symbol (nicht das Abstrakt-Symbolische!) das Gesicht, das Sehende und Gesehene) bleibt weiterhin unantastbar. Somit ist eine abstrakte Initiation für den Realkörper und eine konkrete Initiation für den Symbolkörper als Gegenstand symbolischer Berührung (z. B. Küssen) erforderlich. Während die abstrakte Initiation das Körperliche als Körperliches zum Gegenstand hat, und daher mit abstrakten Riten auskommt, hat die konkrete Initiation das Körperliche als Ideelles zum Gegenstand, und muss auf körperlicher Ebene stattfinden.
Denkbar wäre etwa eine Vernaschung der angehenden Frau durch erfahrene aber durch Männer unberührte junge Lesben (je symbolischer der Akt, umso wirkungsvoller die Initiation, weshalb sich nongenitales BDSM hierfür besonders eignet). Wichtig ist, dass die Frau beim ersten Geschlechtsakt Frau und kein Mädchen mehr ist; Initiationsrituale ziehen im Allgemeinen eine Grenze zwischen Kind und Erwachsenem. Der Initiationsakt muss zugleich sexuell (um aus dem Mädchen eine Frau zu machen) und nichtsexuell sein (weil es noch ein Mädchen ist (längst geschlechtsreif aber soziologisch ein Kind)). Das Nichtsexuelle wird durch die Unberührtheit der Zeremonienmeisterin gewährleistet, das Sexuelle durch den Akt selbst. Barbarisch ist, wenn der Mann das Mädchen zur Frau macht. Dieser Brauch ist teilweise Kindesmissbrauch (da die Nochnichtfrau soziologisch ein Kind ist), und befördert durch diese Unmittelbarkeit indirekt sexuellen Missbrauch von Kindern.
14.3.2014. Die anthropologische Trias
Jedes Lebewesen strebt nach Selbstbehauptung, Selbsterhaltung und Arterhaltung. Das Streben nach Selbstbehauptung drückt die Bestimmung der einfachen Negation im Ich aus: abstrakt ist das Ich die Negation von allem, was es nicht ist. In diese Negationsleistung fällt auch die aktive Selbsterhaltung des Einzelnen. Die passive Selbsterhaltung findet in Essen und Verdauung statt. Die Arterhaltung wird durch Balztänze und Kopulation gewährleistet.
Jedes Element der Trias neigt zur Unterdrückung der anderen zwei Elemente, und fordert diese zugleich mit den ihm selbst eigenen Bestimmungen: Selbstbehauptung ist sehr voraussetzungsreich, denn sie setzt voraus, dass sich der nach Selbstbehauptung strebende Einzelne passiv am Leben erhält, und dass die Arterhaltung auch in seinem Fall stattgefunden hat. Auch der sich passiv Erhaltende muss gezeugt und geboren worden sein, und um sein Essen kämpfen (als Säugling etwa schreien, später werden diese Kampfrituale komplexer, und münden in Arbeit und Krieg). Um zu kopulieren muss man sich selbst erhalten und behaupten.
Als andere ausschließendes Element ist die Selbstbehauptung das männliche Prinzip. Das Paradigma der Selbstbehauptung ist der Tag, das scheidende Prinzip, - seine Ideologie ist der Logos, der auf dem Identitätssatz (A=A) und der Unterscheidung von Ich und Nicht-Ich basiert. Das (mystisch-weibliche) Paradigma der Selbsterhaltung ist die Nacht, die Alleinheit, die keine Trennung von Subjekt und Objekt kennt. Das Mysterium der Nacht ist die Überwindung der Trennung (das Gegessene wird zum Essenden selbst; der Essende wird, was er isst). Das (dramatisch-weibliche) Paradigma der Arterhaltung ist der Abend, der weder Tag noch Nacht ist. Die Sonne ist nicht mehr da (Gott ist tot), aber das Licht der Unterscheidung ist noch nicht erloschen (Nihilismus mit vom göttlichen Logos gegebenen logisch-ontologischen Voraussetzungen). Es gilt nicht mehr A=A oder A=B=C, sondern alle Bestimmungen erhalten ein Fragezeichen, werden ein Unentschiedenes, alles Wissen ein Vorläufiges. Hier herrscht das Vielleicht und der Tanz.
Neurobiologisch dient das Hirn drei Herren: Essen, Sex und Macht. Für die basale Hirntätigkeit sind diese Attraktoren komplementär und verstärken sich gegenseitig. Für das aktive Handeln, die höhere Hirntätigkeit, konkurrieren diese Attraktoren miteinander. Denkbar sind Lebenseinstellungen, in denen Sex und Macht dem Essen (das sich zu Reichtum transzendiert) dienen (wie beim typischen Milliardär, der ein mütterliches, asexuelles Wesen ist), oder dass Essen und Macht dem Sex untergeordnet werden (wie beim Macho, der charakterologisch ein Weib ist, genauer eine Dirne), oder aber dass Essen und Sex dem Machtstreben dienen (Politik im weitesten Sinne, der Krieg als das genuin Männliche). Der gemeine Mensch neigt dazu, die Befriedigung der drei Grundimpulse zu simulieren: das Essen wird durch Fresssucht von seiner logischen Weiterführung, dem Erwerb von Reichtum, abgehalten (der Arme frisst sich voll und ist für kurze Zeit befriedigt; Armut hängt mit der Unfähigkeit, sich für ein happigeres Stück zu gedulden, zusammen); der Sex wird durch Pornographie (Illusion der Kopulation) und durch gemütliches Beisammensein (sinnloses Gefasel unter Bekannten und Freunden bei endlosem gemeinsamen Essen und Trinken, Illusion von Nähe und von Tanz (im rhetorischen Spiel der Worte)) simuliert; Macht lässt sich weniger leicht simulieren, und ihre Befriedigung muss in Tagträume oder in Zwangsneurosen (Illusion der Kontrolle) flüchten.
14.3.2014. Drohnen und Phantasien
Geschlechtsverkehr reduziert sich in der Postmoderne auf zwei Drohnen, die zufälligerweise genitalienkompatibel sind. Im Haushaltssex besteigen sich gegenseitig zwei Turner. Es findet keinerlei rituelle Handlung statt, auf Tanz wird völlig verzichtet. Haushaltssex ist lustloser als zwanghafte Masturbation und ästhetisch abscheulicher als jede Vergewaltigung. Ein erfüllter sexueller Akt braucht keine Perversionen, er ist selbst eine Perversion: er ist das äußerste Bewusstsein von Mann und Frau, wobei das Behauptungs-Ja nicht mit dem Zustimmungs-Ja kopuliert (dieses wäre mütterlich), sondern mit dem Vielleicht (das dirnenhaft Weibliche). So entsteht der Tanz, dessen Kulminationspunkt für den Mann die Einführung des Gattungsschwerts in die Gattungsscheide ist (ein allgemeines Ereignis), und für die Frau das endgültige Sterben des Vielleicht in der Bestimmtheit dieser Einführung. Die Vergewaltigungsphantasie ist weiblich (und kommt - auch in der aktiven Rolle - nur bei weibischen Männern vor), sie ist die Bestimmung als Äußeres; männlich ist dagegen die Verwöhnungsphantasie: eine oder mehrere Frauen verführen den Mann zum Fortpflanzungsakt, bei dem es aber um die Befriedigung des Mannes, und nicht um die Fortpflanzung geht. Je weiter ein Geschlechtsakt in der Vorstellung von der Fortpflanzung entfernt ist, umso befriedigender ist er für den Mann. Wie üblich sind mit Mann und Frau das männliche und weibliche Prinzip gemeint, und nicht empirische Männer und Frauen (deren Gender mit dem biologischen Geschlecht nicht notwendigerweise übereinstimmt).
18.3.2014. Liga und Pokal
Das ontologisch Männliche dirimiert sich in das platonische Prinzip des Vaters und das aristotelische Prinzip des Sohnes. Der Vater steht für die ewige (platonisch) oder zeitliche (aristotelisch) Hierarchie. Der Sohn steht für die tabula rasa vor der offenen Schlacht. Im Pokal ist das Ergebnis der letzten Runde ohne Bedeutung, es zählen nur die - nehmen wir Fussball als Beispiel - 90 Minuten mit möglicher Verlängerung und Elfmeterschießen. Die Entscheidung fällt nicht über einen längeren Zeitraum, sondern in diskreten einzelnen Spielen. Die saisonale Ordnung ist dem Pokal äußerlich, er kann auch an einem einzigen Tag ausgespielt werden. Das diskrete robinsonische Individuum der neuzeitlichen nominalistischen Weltordnung ist das grundsätzliche Paradigma im Reich des Sohnes.
Die Liga mit einer bestimmten Anzahl von Mannschaften repräsentiert die väterliche Hierarchie: der Tabellenführer wird nach vorherigen Ergebnissen berechnet und steht dauerhaft an der Spitze: die Zeit zwischen den Spielrunden ist nicht diskret, sondern erfüllt, und es macht einen großen Unterschied, vom welchem Platz aus eine Mannschaft in das nächste Meisterschaftsspiel geht. Die eigenen Gesetze des Pokals stehen hingegen für die Negation der väterlichen Ordnung durch den Sohn, der keine Hierarchie anerkennt, sondern hierarchielos Erster sein will (einerseits Erster unter Gleichen, andererseits aut caesar aut nihil, denn der Verlierer nimmt im Pokal, anders als in Liga, am Ende keinen bestimmten Rang ein).
18.3.2014. Die Stände
Das Elend menschlicher Zustände erklärt sich durch die falsche Hierarchie der Stände. Jede menschliche Gesellschaft besteht in Wirklichkeit (nicht in zufälliger Existenz) aus dem Lehrstand, dem Wehrstand und dem Nährstand. Der Lehrstand herrscht ohne Gewalt, da er die wahre und somit göttliche ontologische Hierarchie anführt; der wahre Staat (der weder wirklich noch existent sein muss) repräsentiert die Menschheit als Selbstzweck. In der wahren Hierarchie ist der Stand, in dem die Zweckbestimmung am größten ist (Lehrstand, Menschheit als Zweck an sich) der Herrschende, und der Stand, der der Zweckbestimmung am wenigsten gerecht wird (der Nährstand, der Mittel-Stand), ganz unten und dient nur.
Gesellschaften, in denen der Wehrstand herrscht, sind barbarisch (moralischer und religiöser Terror findet statt) und misogyn. Herrschaft ist hier stets Gewaltherrschaft, Söhne töten den Vater und wetteifern darum, noch gewalttätigere Tyrannen zu werden, als der ermordete (wirkliche, aber unwahre) Vater. Gesellschaften, in denen der Nährstand herrscht (und das Mittel zum Selbstzweck wird, was das Prinzip der kapitalistischen Produktionsweise ist), sind amoralisch und misandrisch. Der Nährstand ernährt nur noch sich selbst; der Sinn des menschlichen Daseins sinkt zum bloßen (tierischen) Leben und Überleben herab. Diese Devolution mündet in der Herrschaft einer Schicht, die keinem Stand mehr angehört, den anomischen asozialen nicht-mehr-Menschen. Diese Schicht lässt sich (in traditionellen Vorstellungen) durch Massen kriminellen Abschaums angeführt von gesetzlosen Warlords versinnbildlichen, oder aber (technisch-fortschrittlich gedacht) durch transhumane Wesen, die nicht mehr menschlich sind, oder überhaupt keine Menschen mehr (denkende Computer, Cyborgs).
18.3.2014. Standesgemäße Mythen
Die große Erzählung unserer Zeit ist wohl leider "Harry Potter". Bezüglich dessen, was wir alles zu fressen haben, werden wir von unseren Vorfahren und Nachkommen womöglich beneidet, aber sie schämen sich nichtsdestotrotz für unsere Kulturlosigkeit. Wer bekäme das Mädchen, wenn "Harry Potter" eine Erzählung aus der väterlichen Perspektive des ersten Standes wäre? Der, der des Mädchens würdig ist. Wer bekäme das Mädchen in der großen Erzählung des Sohnes, der symbolisch für den zweiten Stand steht? Derjenige, der im Kampf um das Mädchen den Sieg über alle Herausforderer errungen hätte. Wer hat das Mädchen tatsächlich bekommen? Wer es weiß, schämt sich fremd.
Die Perspektive des dritten Standes, des Nährstandes, erzählt uns den großen Mythos von der alle zufriedenstellenden Distribution; die Welt wird ausschließlich aus der Perspektive der Ökonomie gesehen. Die Auflösung der Harry-Potter-Geschichte ist das Musterbeispiel des Sozialstaates. Peinlichen Unsinn redet, wer sagt, das Mädchen hätte selbst zu entscheiden, wer ihr Erwählter wird, denn erstens hätte das Mädchen in der Erzählung des ersten bzw. zweiten Standes genauso selbst und frei den Würdigen bzw. den Siegreichen erwählt; zweitens ist die Harry-Potter-Geschichte ein okkultes amoralisches Machwerk, das keiner immantenten moralischen Rechtfertigung fähig ist. Die große Erzählung des dritten Standes kennt nur Befriedigung, aber erteilt keine Lehre, und motiviert nicht zu großen Taten, im Gegenteil: sie lädt zum Zufriedensein im behüteten Zustand des übermäßigen und ohne Mühe erworbenen Fressens ein, und stellt in Aussicht, dass der Nanny-Staat jedes (niedrige, tierische) Bedürfnis befriedigen wird (und die höheren Bedürfnisse nicht anerkennt, da sie in seiner streng materialistischen Ideologie zu Symptomen psychischer Störungen erklärt werden).
23.3.2014. Wer ist Lolita?
Jede postmoderne Frau ist Lolita. Lolita ist die Verbindung der weiblichen Archetypen Mädchen (rein, keusch, kindlich) und Frau (reif, traditionelles Objekt sexueller Begierde). In der postmodernen Welt versuchen Frauen bis zum 40. Lebensjahr (und oft darüber hinaus) dem Archetyp des Mädchens zu entsprechen, und gleichzeitig schon mit 12 Jahren (wenn nicht früher) sich wie Frauen zu verhalten. Der Archetyp der Mutter wird nicht mehr angenommen, sondern verdrängt. Eine Frau, die nur Dirne ist, ist gesellschaftlich akzeptiert, gar erwünscht; eine Frau, die nur Mutter ist, gilt als gescheiterte Existenz. Die Beziehung zum Archetyp der Frau ist jedoch hysterisch: einerseits wollen schon 11-Jährige Frauen sein, andererseits wird der Mann, der die (erwachsene) Frau als Frau wahrnimmt, als sexuell belästigend empfunden (und wer sie als (potentielle) Mutter wahrnimmt, gar als frauenfeindlich).
Die Perversion des postmodernen Frauenbildes ist eine der Ursachen des Lolita-Komplexes, zu dem sich bisher nur Japaner ehrlich bekennen, während für den Rest der postmodernen Welt Pädophile als Sündenböcke für die sexuelle Enttabuisierung des Mädchens (und des Kindes allgemein) in der Gesellschaft fungieren. Wenn die Frau nicht Mutter sein darf, bleibt sie automatisch Tochter, und damit in einer kindlichen Rolle. Dieser Archetyp entsteht zwangsläufig aus der Negation der Mutter, wird jedoch nicht soziokulturell gefördert. Der Archetyp der sexuell zu begehrenden Frau wird hingegen sämtlichen Frauen übergestülpt: die Frau ist in der Postmoderne nichts als sexuell, und das im engsten Sinne; eine Mann-Frau-Beziehung ist nur noch als eine sexuelle denkbar, weshalb z. B. der Vater als soziale Rolle aus dem öffentlichen Bewusstsein vollständig verschwunden ist (und Männer mit eigenen Kindern auf dem Spielplatz von allen Seiten schief angegeguckt werden). Ein Mann, der mit einer Frau asexuell befreundet ist, gilt als schwul, denn es kann im postmodernen Raum menschlicher Beziehungen kein Außerhalb der Sexualität geben.
Das Kindesalter und das Alter sind verschwunden, wir alle sind von Geburt bis zum Tod im mittleren, sexuell aktiven Alter. Alle Menschen sind sex- und arbeitstauglich: ein feuchter Traum des Neoliberalismus geht gerade in Erfüllung. Wer nicht aktiv arbeitstauglich ist, ist es passiv, als Hure. Ob dies bereits Wirklichkeit ist, oder das Übermorgen der Postmoderne, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Die technischen Möglichkeiten werden in absehbarer Zeit hinreichen, virtuelle Realitäten zu simulieren, in denen jeder zahlende Kunde Kinderbordelle besuchen und die Tötung der Alten (als Zombies) im Egoshooter zelebrieren wird (der egozentrische Dirnenmensch fickt die Kinder und tötet die Alten). Im Alltagsbewusstsein gelten die Alten bereits als unerträgliche Last für die Erwerbstätigen, und Kinder als unzumutbares Risiko für die Selbstverwirklichung. Dies liegt daran, dass nur noch Erwerbs- und Sexualtätige als Subjekte gesehen werden, während allen anderen der Subjektstatus verweigert wird (und sie zu bloßen Sexualobjekten werden, ohne selbst Sexualsubjekte sein zu können, - die Vernichtung der Alten ist ebenfalls sexuell zu betrachten). Das Kind als bloßes Sexualobjekt ist nicht Lolita, sondern es ist einfach nichts (bzw. nichts als Objekt, weshalb der Kindesmissbrauch aufgrund der Verletzung der sexuellen Integrität (des sexuellen Subjektstatus) des Kindes bestraft wird, und nicht aufgrund der Sexualisierung des Kindes, die der eigentliche Nährboden des Missbrauchs ist); die sehr junge noch kindliche Frau ist Lolita, die Kindfrau. Wenn Kinder so schnell wie möglich sexuell und erwerbstätig aktiv werden wollen, dann wollen sie nur dem Konzentrationslager der Postmoderne entkommen, und statt Opfer (Objekte) so schnell wie möglich Täter (Subjekte) werden.
23.3.2014. Stände und Politik
Die ewige ontologische Ordnung des 1. Standes kennt keine Parteien, sondern nur die Trennung von Gut und Böse/Schlecht; der Staat des 1. Standes ist die Herrschaft des Philosophenkönigs. Der Lehrstand übt Herrschaft durch Einsicht in die göttliche Weltordnung aus. Die Politik des 2. Standes dirimiert sich in Erbmonarchie und Raubmonarchie: der Sohn kann die Macht entweder erben oder gewaltsam erwerben. Hier streiten mehrere Söhne mit gleichen Legitimitätsansprüchen um die Macht. Der Wehrstand unterteilt das Staatsvolk in zwei Klassen: Herren und Knechte. Erst mit der politischen Herrschaft des 3. Standes kommen Parteien (flache Interessenverbände) ins Spiel. Alle sind Knechte, die Herrschaft ist ein automatisches Abstraktum, und wird von der Wirschaftsordnung bestimmt, da der 3. Stand der Nährstand ist. Politik ist für den 3. Stand immer Weltinnenpolitik; der einzelne Staat ist jedem der Feind bzw. der Feind des Feindes in der Konkurrenz der Wirtschaftssubjekte (herrenlose Sklaven) um Bedürfnisbefriedigung (die Triebe ersetzen den Herrn). Das Parteienspektrum reicht von Minimal-Staat (libertär) bis zum Nanny-Staat (totalitär). Bedürfnisbefriedigung ist für die politische Rechte die Sache des Einzelnen (die er im Kampf gegen Mitmenschen durchsetzt: homo homini lupus), und für die politische Linke die Sache des Staates (totale Kontrolle und Bevormundung ist der Preis der sorglosen Wohlfahrt).
Der Nährstand kann keine eigenständige Ideologie bilden: Brot und Spiele können nicht als das wahre Wesen des sittlichen Gemeinwesens zugegeben werden. Erst der demoralisierte postmoderne Mensch kann sich mit dem Tier völlig gleichsetzen. Der in Neuzeit und Moderne emanzipierte herrenlose Sklave des 3. Standes ist aber ein Kulturkonsument und Zivilisationsparasit. Er behauptet Ideen, die ihm äußerlich sind, als seine eigenen, und kennt weder deren Sinn noch deren philosophischen Ursprung. Der Bildungsbürger, der Menschen millionenfach in der Gaskammer vernichtet, ist kein Widerspruch in sich, weil der gebildete Barbar alles gelernt aber nichts verstanden hat. Er denkt ausschließlich in Funktionszusammenhängen und lernt nur auswendig; weder kann er das große Ganze irgendeiner Sache erfassen noch interessiert er sich dafür. Der Faschismus ist die Ideologie der herrenlosen Sklaven, die in Fantasy-Manier das Mittelalter (das Reich des 2. Standes) nachspielen; der Kommunismus ist die Ideologie der zurück in die Steinzeit (das Reich des 1. Standes mit negativem (mütterlichen statt väterlichen) Vorzeichen) wollenden Kammerdiener.
Die liberale Ideologie der Menschenrechte ist die für den 3. Stand konsequente Ideologie der Atomisierung der Menschen, - der Mythos des Liberalismus ist die Robinsonade, die Vorstellung, der einzelne Mensch sei früher da als die Menschheit als Gattung (die angeblich erst durch Verträge zwischen Individuen zustande kommt). Das Streben nach Glück (Wohlstand, Bedürfnisbefriedigung) ist die für den 3. Stand angemessene Sinngebung, denn sie trägt sich selbst, während Faschismus und Kommunismus auf Ideologien, die der Wirtschaftsordnung des Nährstandes (Kapitalismus) äußerlich sind, angewiesen sind, und deshalb größere Menschenopfer im Kampf des politischen Systems gegen die Entropie des Zerfalls erfordern als der Liberalismus (der ein geistiges Energiesparmodell in der Politik ist).
25.3.2014. Jungfrau mit 40
Sexualität ist allen traditionellen Gesellschaften umhüllt von Mysterien, in Gesellschaften der Nacht (mit zyklischen, nicht linearen Zeitvorstellungen) das Mysterium schlechthin. Menschliche (kulturell tradierte) Sexualität ist das Weibliche der Natur als Mysterium. In der späten Moderne ist die Sexualität anscheinend eine so billige Nutte geworden, dass von jemandem, der mit 40 Jahren noch nie Sex hatte, auch angenommen wird, er hätte es auch sonst zu nichts im Leben gebracht. Sexualität ist in der Moderne eine erschwingliche Ware, die in der Postmoderne wie eine Sozialleistung beansprucht werden kann; nur wer nicht einmal in der Lage ist, zum Sozialamt zu gehen, und stattdessen auf der Straße lebt, kann bei Abstinenz mit Verständnis rechnen.
Die Höchsten (der ontologische 1. Stand) und die Niedrigsten (der Rest, der nicht einmal mehr zum 3. Stand gerechnet werden kann, das ewige Prekariat) leben traditionellerweise abstinent. In der Mitte hat man immer Sex. Mit der totalen Emanzipation des 3. Standes, und der Vernichtung der zwei oberen Stände durch diesen kennt die Menschheit nur noch zwei Klassen: das Proletariat und das Prekariat. Das Proletariat ist eine profane Klasse, ihm ist alles Ware, es denkt nicht in Werten, sondern in Gütern. Das Prekariat bildet in der Postmoderne die letzte Zuflucht des Mysteriums. Der masturbierende Diogenes ist der zynische Hüter des Mysteriums der Sexualität; indem er ihren Wert auf Null setzt, tritt er für ihre Unbezahlbarkeit ein, negiert ihren Warencharakter.
Die männlichen Gesellschaften des Tages (mit linearen Zeitvorstellungen, die einen Anfang und ein Ende der Zeit enthalten) verachten die Sexualität als das der Moralität widerstreitende natürliche (amoralische) Prinzip. Die Dekadenz des männlichen Logos führt zur immer weicheren Reglementierung der anfangs völlig verbotenen Sexualität (zur Priesterehe, zur Emanzipation sexueller Minderheiten und schließlich zur völligen Privatisierung der sexuellen Identität). Die Dekadenz des weiblichen Eros führt von der mystischen Verklärung der Sexualität bis zu ihrer totalen Profanisierung als Ware. Das soziokulturelle Bewusstsein dieser Entropie enthält entweder die Forderung der Regeneration (im männlichen Modus: das Jenseits als Paradies) oder die Verklärung des Todes als Regeneration (im weiblichen Modus: immanente Wiedergeburt), jedoch nicht schon auf natürliche Weise die Regeneration selbst. Das Gesetz der Entropie gilt für Zivilisationen in ihrem natürlichen Dasein (das Geistige verfällt nicht mit der Zeit, vielmehr verfällt die Kraft zum Denken und Naturinstinkte übernehmen die geistige Führung) wie für alles andere in der Natur.
25.3.2014. Moralpolitik
Die "doppelten Standards" der Beurteilung von politischen Handlungen, wie sie der Westen gegenüber dem Rest der Welt anwendet, sind in der grundsätzlichen modernen Einteilung der Gesellschaften in Zivilisation, Barbarei und Primitive begründet. Nach den Weltkriegen wird dieses Konzept zwar immer noch angewendet, aber nicht mehr offen propagiert (bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde offen rassistisch die Zivilisation der weißen Rasse zugesprochen, die Barbeirei den "Gelben", - den Schwarzen und "Roten" die Primitivität).
Das Zugeständnis, zivilisiert zu sein, das der Westen der ganzen Welt seitdem macht (da alle gleich sind, können - und müssen! - alle so sein wie wir) macht seine Politik zu einer Moralpolitik: wurde früher das autoritäre Verhalten bestimmter Gesellschaften ihrer Barbarei zugerechnet, und somit für natürlich befunden, so wird heute "barbarisches" Verhalten von "Barbaren" als moralischer Verstoß gewertet. Hatte man früher gesagt, Wilde und Barbaren könnten sich nicht zivilisiert verhalten, so sagt man heute, sie könnten es durchaus, aber sie wollten es nicht. Der Rassismus gegenüber dem "Minderwertigen", dem "Schlechten", wurde in der Postmoderne (in der alle Dispositionen als konstruiert gelten, und es keine natürlichen Fähigkeiten oder Unfähigkeiten geben kann) durch den moralischen Furor gegenüber dem "Bösen" ersetzt, wobei der Begriff des Bösen, der ein genuin moralischer ist, ins Politische pervertiert wurde.
26.3.2014. Standesgemäße Geistesphilosophie
Wie kommt eigentlich der Geist in die Materie? Die Materie ist evident, sie ist hier, sie ist da, man kann sie anfassen. Der Nährstand hat nunmal diese instrumentelle Beziehung zu den Gegenständen: er kann sie anfassen, messen, und schließlich essen (in Körpersubstanz oder in Kapital umwandeln). Das Ich ist des Herrn, für den Sklaven bleibt das Ich etwas Verborgenes, wogegen das Werkzeug und der Arbeitsgegenstand unmittelbar für den Bauer, Arbeiter, Händler vorhanden sind.
Wie lässt sich der Leib-Seele-Dualismus auflösen? Warum sind Geist (res cogitans) und Materie (res extensa) nicht aufeinander reduzierbar? Dem Wehrstand ist der Gegenstand kein Arbeitsgegenstand und kein Werkzeug, sondern das, was ihm entgegen steht (nicht Mittel, sondern Gegner). Geist und Materie, Ich und Nicht-Ich sind absolut verschieden. Die Philosophie der Neuzeit löst das Problem dadurch, dass sie die Materie zur Vorstellung des Geistes macht (Descartes Primat des Subjekts und Kants Kopernikanische Wende in der Erkenntnistheorie). Die Philosophie des naturwissenschaftlichen Positivismus macht das genaue Gegenteil, und erklärt den Geist zum Epiphänomen der Materie. Beide Wege sind Rückwege: Descartes und Kant kehren zum Vater zurück (geistiger Ursprung), die Materialisten zur Mutter.
Der Lehrstand setzt sich idealerweise aus jenen zusammen, die wie im Platonischen Höhlengleichnis die Höhle verlassen und die Ideenwelt, die wahre Welt, gesehen haben. Das Ich und das Absolute ist/sind dem Herrn unmittelbar evident: das Ich ist sein Seinsmodus (als durch das Verhältnis zu den Knechten reflektierter Selbstzweck) und das Absolute ist die Herrschaft als Herrschaft. Die Platonischen Ideen und die Hegelsche Wissenschaft der Logik sind die objektive Seite und Fichtes "Ich=Ich" die subjektive Seite des unmittelbar für den 1. Stand evidenten Seins.
27.3.2014. Wo ist die Romantik?
Die Romantik befindet sich an der Schwelle zwischen dem "régime héroïque" (männliches Prinzip) und dem "régime synthétique" (dramatisch-weibliches Prinzip) nach Gilbert Durand. Der Romantiker ist ein Idealist (für ihn sind Geist und Körper gleich real, doch es gilt das Primat des Geistes), der sich in der Nacht der Ideen wiederfindet (Gott (der Geist) ist tot, es existiert nur noch die Materie). Der Romantiker projiziert die Idee des Schönen (seltener des Wahren und des Guten) auf die Materie, die für ihn zur bloßen (Projektions-) Oberfläche wird, und ihre Tiefenstruktur verliert.
Die Romantik läutet das Ende der klassischen Moderne ein. Die "romantische Moderne" ist die Zeit zwischen dem Tod Gottes und dem Beginn der Postmoderne. Die "romantische Moderne" befindet sich völlig im "régime synthétique", sie ist geistlos und daher Romantik des Todes oder schwarze Romantik. Sie projiziert die Idee des Schönen in den Tod (da der Geist tot ist). Die Postmoderne befindet sich an der Schwelle zwischen dem "régime synthétique" und dem "régime mystique" (mystisch-weibliches Prinzip). Es gibt keine Romantik mehr, das Prädikat "romantisch" wird beliebig verwendet, ohne Rücksicht auf die ursprpüngliche Bedeutung des Begriffs.
Der Hierarchie der "régimes de l’imaginaire" entspricht eine Hierarchie der Sinne (sehen - fühlen - schmecken). Die Romantik verklärt das Fühlen zum Sehen. Die Postmoderne verklärt das Schmecken zum Fühlen (Essen und Konsum allgemein bekommen eine erotische Bedeutung). Das Fühlen hat noch einen Sinn für die Form (es kann sie ertasten), das Schmecken ist formlos.
27.3.2014. Das pure Böse direkt aus der Hölle
Der Nationalsozialismus war eine Rückkehr (oder ein Verfallsfortschritt) zum mystisch-weiblichen Prinzip. Der Mutterkult wurde mit den schärfsten Mitteln des männlichen Logos betrieben. Der Selbstzweck (Geist) wurde zum Mittel degradiert, das Mittel (Materie) wurde zum Zweck. Ihre Ideologien waren dem Faschismus und dem Kommunismus äußerlich; die Vernichtung der Juden und Kulaken (des bäuerlichen Mittelstandes in Russland) resultierte aus dem totalen Primat der Ökonomie: der Kommunismus wollte die Arbeiter von der Unterdrückung durch die Bourgeoise befreien, der Faschismus das "schaffende Kapital" aus den Fängen des "raffenden Kapitals". Der Nährstand opferte seinem Prinzip, der Mutter, Millionen von Menschenleben. Wenn es einen sinnlosen Tod gibt, dann ist es der Tod für nichts; hier sind an die 100 Millionen Menschen nicht nur für nichts, sondern ausdrücklich im Namen des Nichts (der Materie, der Ökonomie) getötet worden.
Da der Nährstand auf dem ganzen Globus herrscht, sind die Massenmorde im Namen der Ökonomie mitnichten aus der Welt verschwunden, vielmehr fand in der Postmoderne ein Outsourcing der Menschenvernichtung in die "Dritte Welt" statt. Die Unterwelt hat die Welt fest im Griff, die Tyrannei der Ökonomie peitscht die zu politischen Säuglingen (zu Objekten staatlicher Totalüberwachung und -betreuung) degenerierten Individuen zur Sehnsucht nach dem Mutterleib (dem Ideal des mystisch-weiblichen Prinzips): das menschliche Leben empfindet sich bereits als unrentabel und ökonomisch überflüssig, und da der Tod das Unbekannte ist, bedient sich die psychosoziale Regression des frühesten bekannten Zustandes. Bald sind alle Menschen von Maschinen beherrschte und versorgte Föten (eine Dystopie, die in der Popkultur bereits zum Bewusstsein gekommen ist).
Sogenannte "primitive Völker" sind Kulturen, die sich nicht am Anfang ihrer Entwicklung, sondern Abergenerationen nach ihrem Ende befinden; die westlich-abendländische Zivilisation kann die ganze Menschheit in den thermonuklearen Weltuntergang mitreißen, oder friedlich weiter degenerieren, was angesichts historisch einzigartiger technischer Errungenschaften diesmal die unwahrscheinlichere Alternative ist (die moralische und kulturelle Verrohung westlicher Eliten in der Postmoderne berechtigt zur Furcht, dass die nächste US-Präsidentin, sei es Sarah Palin oder Hillary Clinton, dem Gesetz des Spektakels - nicht der Vernunft - folgend, in naher Zukunft einen Atomkrieg auslösen wird).
28.3.2014. Soziokulturelle Entropie des 3. Standes
Der öffentliche Raum der fortschreitenden Postmoderne gleicht sich immer mehr einem Hybrid aus Kaufhaus und Müllhalde an. In der Postmoderne emanzipiert sich der 4. Stand, genauer gesagt, die Schicht unter dem 3. Stand, die keinen Stand mehr bilden kann, weil sie überhaupt nicht in der Lage ist, irgendetwas zu bilden. Diese destruktiven Elemente können jedoch nicht im moralischen Sinne Abschaum genannt werden, sondern nur als terminus technicus: es ist eine Schicht, die immer unten bleibt, der Schwerkraft so sehr verhaftet, so entgeistigt, dass sie unfähig ist, ein soziales Gemeinwesen aufrechtzuerhalten. Sie parasitiert, solange der 3. Stand noch für sie arbeitet, und sie arbeitet, insofern sie fortwährend dazu gezwungen wird (nicht mehr aus intrinsischer Motivation wie der 3. Stand). Diese Schicht hat es immer gegeben, aber sie blieb sozial unsichtbar: die Ehrlosen, Stricher und Penner werden erst am Ende der Dekadenzperiode einer Gesellschaft zur Mehrheit. Da der Massenwohlstand der westlichen Zivilisation historisch beispiellos ist, hört die Gesellschaft mit der Dominanz dieser äußersten Unterschicht mitnichten auf zu existieren; der technische Fortschritt erlaubt die Emanzipation derer, die sich niemals aus eigener Kraft emanzipieren könnten. Das Proletariat und die Bourgeoisie stürzten die Herrschaft des Adels, weil sie die ökonomische Macht dazu hatten. Sie selbst werden von keiner Macht gestürzt, sondern dadurch, dass sie selbst verfallen. Die psychosoziale Energie, die die arbeitende Klasse einst zum Arbeiten antrieb, geht ihr aus. Sie wird des technischen Fortschritts überflüssig, sehnt sich nach der steinzeitlichen Höhle, verehrt die rohe und grausame Natur, als wäre diese ein idyllischer Naturpark. Die Menschenrechte inflationieren (bis jeder das Recht auf alles hat), die Bereitschaft, diese Rechte durch Pflichten zu verwirklichen, sinkt (es kann keine Rechte ohne Pflichten geben). Ansprüche werden formuliert, und deren Erfüllung der anonymen Gesellschaftsmaschine überlassen.
Mit dem Beginn der Postmoderne verfiel das öffentliche Leben (Richard Sennett sprach vom "Verfall und Ende des öffentlichen Lebens" bereits 1977, als der Verfall noch keine Generation alt war). Immer mehr Menschen rutschten aus dem 3. Stand kulturell unter die Linie, auf der die soziokulturelle Entropie und die Fähigkeit, selbstbestimmt zu leben, sich die Waage halten. Seitdem gilt als unzumutbar, sich in der Öffentlichkeit kultiviert zu verhalten, und stattdessen wurde das Ideal der Authentizität ausgerufen. Den unter den 3. Stand rutschenden Massen fällt es immer schwerer, ihr menschliches Gesicht zu wahren, und sie vertieren zusehends. Noch können die meisten einen Job finden und so tun als würden sie arbeiten (ein Großteil der heute existierenden Jobs trägt überhaupt nichts zur Wertschöpfung bei, und ist vielmehr eine soziale Beschäftigungsmaßnahme, - damit die Leute nicht auf der Straße landen), bald werden sie auch dazu nicht mehr fähig sein. Der Punkt, an dem die abendländische Gesellschaft mehrheitlich aus Menschen besteht, die nicht fähig sind, ihre Triebe Neigungen zu kontrollieren, ist längst erreicht. Sie steuert nun auf einen Punkt zu, an dem die Mehrheit nicht mehr fähig sein wird, ihre Bedürfnisse selbst in primitivster Weise zu befriedigen. Parallel dazu wird der Nanny-Staat aufgebaut, der die zu Säuglingen werdenden Bürger rundum versorgt und betreut. Das Personal dieses Hybrids aus Kindergarten, Alten-/Pflegeheim und Gefängnis wird durch den noch vorhandenen Wohlstand der abendländischen Gesellschaft aus ärmeren Ländern angelockt und mit fiat money bezahlt, solange dieses System noch funktioniert. Zum Aussterben und der Eroberung durch andere Völker gibt es für eine untergehende Zivilisation nur eine Alternative, die allerdings nicht in ihrer Macht steht: eine neue Explosion der Ethnogenese (dazu gibt es von Lew Gumiljow ausführliche Untersuchungen), die einen neuen 1. Stand hervorbringt (damit beginnt die erste soziale Phase nach Pitirim Sorokin).
29.3.2014. Der ontologische Stand und die Prinzessinnenwahl
Der wahre Stand eines Mannes wird nicht durch das zufällige Faktum seiner Geburt bestimmt, sondern durch seine Geisteszugehörigkeit zum Platonischen Idealismus, Kantischen (transzendentalen) Idealismus oder Materialismus (Empirismus). Standesgemäß sucht sich der Herr seine Frau, der Mann sein Weib, der Kerl seine Dirne (dem Manne entspricht im korrekten Sprachgebrauch nicht die Frau (Herrin), sondern das Weib):
Die reinste Schönheit ganz in Mädchenweiß -
sie ist des Göttlichsten der Menschen Ehediva.
Zur Mittagssonne heirate Ich sie.
Verspielteste Gespielin edler Lust -
halb Kind, halb Mädchen, wird Mir keusche Frau,
unschuldig wie die Erste. Abendfest.
Geschichtslos, jetztgeboren, doch ganz Weib -
sie tastet wissend Mich um den Verstand;
so tief ihr Schoß, der Hochzeit dunkle Nacht.
Ich heirate nicht eine und nicht drei:
der Weise ehlicht stolz das Himmelskind,
der Schüchterheld der Erde schönsten Engel,
die Manneskreatur das weiblichste Geschöpf.
Die Anima (nach Carl Gustav Jung) des Platonischen Idealisten ist das ewige Mädchen, die Anima des Aristotelikers wie des Transzendentalidealisten ist das zeitliche (irdische aber keusche) Mädchen, die Anima des Materialisten ist die Frau (das sexuell nicht tabuisierte Weibliche). Die Liebe des Mannes vom 1. Stand ist eine Liebe zur Schönheit als Göttin (ideale Kleriker leben enthaltsam, weil sie völlig in der transzendenten Liebe aufgehen), die Liebe des Mannes vom 2. Stand ist die Liebe zu einem unschuldigen jungen (real existierenden) Mädchen; diese Liebe darf nicht durch Sexualität befleckt werden, da sie an dieser zerbräche (romantische Liebe). Die Liebe des Mannes vom 3. Stand ist die als Liebe verklärte sexuelle Begierde. Der Materialist hält den Eros (Begierde) bereits für die Liebe (die eine thymotische Regung ist (zu Eros und Thymos: Peter Sloterdijk, Zorn und Zeit, 2006)). Da er seine erotische Gefährtin als seine Anima sucht, und nicht bloß sexuell konsumieren will, ist die Erfüllung seines Begehrens (in der Ehe) legitim.
Warum lieben Männer der zwei oberen Stände (Lehrstand und Wehrstand) Mädchen, und keine Frauen? Die oberen Stände leben im männlichen Paradigma (diurne), in dem das Weibliche (nocturne) die zarteste, kleinste und unschuldigste Form annimmt. Männer des Nährstandes leben im dramatisch-weiblichen Paradigma (nocturne synthétique), weshalb deren Anima das sexuell Weibliche ist, die erotische Gespielin. Standeslose Männer (Muttersöhnchen) leben im mystisch-weiblichen Paradigma (nocturne mystique), deren Anima ist die Mutter. Deren sexuelles Begehren vermischt sich mit der Sehnsucht nach dem Mutterschoß (Säuglingsalter) oder gar nach dem Mutterleib (Fötuszustand). Die Mutter und die Tochter sind dem Kopulationsparadigma des nocturne synthétique entzogen, weshalb Männer im diurne neben der heiligen Geliebten eine profane Begehrte haben können (das Ausleben der sexuellen Bedürfnisse mit dieser aber als Sünde erleben), während Herren (Männer) im nocturne mystique nach maskulinen Frauen (Weibern) Ausschau halten, um den Kopulationsakt doch noch zu vollziehen.
2.4.2014. Partnerwahl
Eine der größten Lebenslügen des 3. Standes ist die Vorstellung, Frauen könnten in einer "freiheitlichen" Gesellschaft ihre Männer frei wählen. Die Partnerwahl ist niemals frei: sie ist bei Tieren biologisch und bei Menschen sozial bedingt. Wie man sozialisiert wird, so wählt man. In der Gesellschaft des 3. Standes gilt das Gesetz der absoluten Prostitution: je reicher ein Mann ist (es gibt außer Geld noch weitere, jedoch weit überschätzte Statussymbole des 3. Standes), umso attraktiver wird er für Frauen. Die Dekadenz des 3. Standes lässt wiederum biologische Kriterien an Bedeutung zunehmen; der Mensch des 4. Standes ist a- und antisozial, und nähert sich in seiner authentischen Kultur- und Geistlosigkeit immer mehr dem Tier an.
Die ontologisch korrekte Partnerwahl sieht im Idealfall so aus: für die beiden höchsten Stände geeignete Frauen werden im frühen Kindesalter aus der Bevölkerung aufgelesen und in speziellen Tempel von Frauen des 1. Standes (streng lesbische Priesterinnen) erzogen. Der zuständige Geistliche überwacht deren Erziehung und setzt für jedes Mädchen das individuelle Heiratsalter fest. Dieses kann stark variieren, und bei besonderen Mädchen auch niemals eintreten. Diese verbleiben sodann im 1. Stand. Die heiratsfähigen Mädchen erfahren eine lesbische Initiation, die nach BDSM-sexuellen Eskalationsstufen aufgebaut ist und mindestens ein Jahr dauert. Wenn die junge Frau nun so weit ist, dass sie durch die Sexualität des Ehemannes nicht mehr entweiht werden kann (die Intitiation darf kein singulärer Akt sein, sondern muss zeitlich dauern, damit hiernach eine Frau und kein Kind geheiratet werden kann), kann sie einen Mann aus dem 2. Stand (Adel) heiraten. Da es immer weniger Adlige als schöne Frauen geben wird, ist der adlige Mann von den Göttern gezwungen, polygam zu leben. Was den 3. Stand betrifft, so kennt jede Gesellschaft ihre ethnischen (oder freiheitlichen) Rituale der Partnerwahl; die dem Volk naturgemäß strukturell fremde Elite muss, sofern diese Rituale nicht grausam und/oder ekelhaft sind, jedem der beherrschten Völker ihre Sitten und Bräuche lassen.
5.4.2012. Männlein und Weiblein modern
Das Paradigma des Nährstandes ist die Perspektive der Mutter, weshalb der Mann in der kapitalistischen Gesellschaft auf die Rolle des Sohnes reduziert wird. Das erklärt die moderne Misandrie und dass Männer als in jeder Hinsicht primitiver als Frauen gelten: der Sohn verhält sich zur Mutter wie das Kind zum Erwachsenen. Die traditionelle Rolle des männlichen Subjekts hat in der Moderne das automatische Subjekt (Kapital) übernommen; Frauen verhalten sich nicht mehr zu Männern, sondern zum Geld der Männer wie Ehefrauen und Konkubinen. Frauen und Männer in der Moderne existieren aneinander vorbei: für Frauen sind Männer (ungewollte und vernachlässigte) Söhne oder komische Affen, auf deren Namen ihre Konten laufen, für Männer sind Frauen (Raben-) Mütter oder kakophon-hysterische Epiphänomene, die auf gekauften und sexuell konsumierten weiblichen Körpern parasitieren.
5.4.2014. Güte
Güte ist keineswegs Toleranz gegenüber dem Bösen (teilweise Toleranz wäre nocturne synthétique, vollständige Relativierung von Gut und Böse wäre nocturne mystique; Güte gehört hingegen zum Paradigma des diurne). Gütig zu sein und vollständige Vernichtung des Bösen anzustreben, ist kein Widerspruch, sondern folgerichtig. Nicht die duldsame Mutter, sondern der weise Vater ist gütig. Güte ist die Eigenschaft des moralischen Charakters, das rechtlich noch Erlaubte zu unterlassen, um das moralisch verdiente Wohl eines anderen zu befördern, - ein Verzicht auf den eigenen Egoismus zugunsten der moralisch qualifizierten (nicht empirisch zufälligen) Allgemeinheit. Ein Beispiel für das erfahrungsgemäße Gegenteil der Güte ist die spießerdeutsche Schadenfreude, die widerliche Einstellung, dem anderen nichts zu gönnen, und kleinlich auf sein Recht zu pochen, um dem anderen ein verdientes Wohl zu verbauen (und der Stolz des charakterlich kleinen Menschen, einem anderen mit rechtlich erlaubten Mitteln geschadet zu haben). Güte ist Großherzigkeit und -zügigkeit, ihr Gegenteil ist die kleine Sünde, die Gott besonders zuwider und ein sicherer Weg in die wohlverdiente Verdammnis ist.
13.4.2014. Geld und Regen
Geld regiert nicht die Welt, sondern die Welt der Feiglinge. Ein Räuber, der sein Gesicht verhüllt und anderen Geld raubt, um mit diesem Geld später friedlich einzukaufen, was sein Arsch begehrt, ist der kriecherische Musterfeigling. Wer nicht für sein Recht zu kämpfen bereit ist, akzeptiert das Geld. Hat ein Schurke etwas, was du begehrst, musst du ihn höflich auffordern, es dir zu geben (die Vorgehensweise des 1. Standes); erweist er sich als uneinsichtig, dass diese Sache nach göttlichem Recht dir gehört, musst du physische Gewalt anwenden (die Vorgehensweise des 2. Standes). Wenn du weder ein Mann des Geistes noch ein Held bist, hast du keine andere Möglichkeit, als ihm die Sache abzukaufen, wenn er sie dir verkauft. In einer Welt der geistigen Beliebigkeit, in der nicht die Einsicht in das Wahre, sondern psychologische Manipulation Überzeugungsarbeit leistet, in der Gewalt ohne Recht eingesetzt wird, und in der der Reichtum nichts mit den Tugenden des 3. Standes zu tun hat, bleibt dem Menschen nur die innere Emigration: der Feind, den es zu besiegen gilt, um die ontologisch korrekte Ordnung herzustellen, ist nicht mehr irgendwo da draußen, sondern in jedem von uns drin, eine Geisteskrankheit, die alle befallen hat, und von der uns womöglich nur der Tod erlösen kann. Wenn es Hegels berüchtigte List der Vernunft tatsächlich gibt, so ist es wahrscheinlich sie, die gerade dafür sorgt, dass ein nuklearer Weltkrieg, wie ein von der hitzeversengten Natur gieriglich ersehnter Regen, immer wahrscheinlicher wird.
13.4.2014. Staubkorn
Wer meint, der Mensch sei nur ein Staubkorn (man kann es auch witziger und derber ausdrücken) im Universum, verfehlt die wichtigste Eigenschaft des Menschen, die er allen Dingen im Universum voraus hat: der Mensch ist das einzige bekannte Wesen, das sich selbst Zwecke setzen kann, und fähig ist, Selbstzweck zu sein (und die Bedeutung des Begriffs Zweck-an-sich zu verstehen). Der Mensch ist Geist, und Geist lässt sich nicht durch physische Größe messen. In der materialistischen Perspektive des Nährstandes gilt der Geist als ein Epiphänomen der Materie, und in der vulgärsten Perspektive (nicht der des Uhrmachers, des Reisbauern, des Viehzüchters oder des Krämers, sondern der des alternden "material girl", das höchstens vielleicht Mutter geworden ist (und nichts außerdem)) zählt tatsächlich nur der Vergleich zwischen der physischen Größe des Weltraums und dem 1,50 bis 2 Meter großen und 50 bis 100 Kilogramm schweren Säugetier.
13.4.2014. Ausgedacht
Alles menschliche Denken findet im kollektiv Imaginären statt, nur die menschliche Gesellschaft bringt Menschen hervor. Das platteste Denken des 3. Standes, der naive Empirismus, geht davon aus, dass es eine unmittelbar erfahrbare Realität gibt (vorzugsweise anfassbar), - und was nicht dazu gehört, das hat sich offenbar jemand ausgedacht. Dabei wurde der naive Empirist selbst in seinem Menschsein "nur ausgedacht", denn wäre er nicht menschlich sozialisiert worden, wäre er ein Tier, und hätte sein Selbstbewusstsein niemals zu Bewusstsein bringen können.
Die wissenschaftlichen Paradigmen, die moralischen und sittlichen Werte, der Sinn für Schönheit und Humor: alles "nur ausgedacht"! Dass der naive Empirist überhaupt denken kann, verdankt er dem seiner Ansicht nach Ausgedachten; dass er die Dinge, die für ihn real sind, weil er sie anfassen kann, benennen und von anderen Dingen unterscheiden kann, verdankt er einer großen "Ausdenk"-Leistung von Menschen. Die geistige Bankrotterklärung ist aber, Gott als "bloß ausgedacht" zu sehen, und Menschen, die an das Göttliche in welcher Form auch immer glauben, zu verspotten, - dies zeigt, dass man keinen Sinn für das Ganze hat, keine Vernunft, sondern sich, wie das Tier, mit dem bloßen Verstande begnügen muss. Das unmittelbar Reale ist nicht das empirisch Erfahrbare, sondern das Vernunftwissen um das Ganze. Welchen (Gottes-) Begriff man sich vom Ganzen macht, hängt von der Zeit ab, in der man lebt, und von vielen anderen Faktoren; wahrhaft Mensch ist aber nur, wer im Angesicht des Ganzen lebt, und somit die Menschheit in seiner Person hat. Ein Individuum, das durch und durch durch anderes bedingt ist, und weder die Bedigungen für sein Sein kennt noch sein Bedingtsein erkennt, ist wie eine Handpuppe, die glaubt, absolut frei zu sein.
17.4.2014. Projizierter Narzissmus
Die Fixierung des Materialisten auf die Außenwelt entspringt dem Bewusstsein, dass das Ich im materialistischen Paradigma nur ein Loch ist, in welches äußere Eindrücke fallen; an sich ist das Ich des Materialisten nichts. Jede vernünftige Introspektion scheint für den Materialisten eine sinnlose Nabelschau zu sein, - denn da draußen spielt doch die Musik, und das gierige gefräßige Loch, das er sein eigen Ich nennt, ist etwas, was nicht peinlicherweise angeschaut, sondern wovon sichschämenderweise weggeschaut werden soll. Doch das Ich als Loch drückt keineswegs Selbstlosigkeit aus (wo Bewusstsein ist, ist immer ein Subjekt), vielmehr zeigt es die Vorstellung vom Ich als Materie: das Selbst des Materialisten ist ein Loch, das die Außenwelt bitteschön füllen soll. Während z. B. der Romantiker seinen Narzissmus reflektiert und diskret lebt, projiziert der Materialist seine Selbstsucht aggressiv nach außen.
Der Narzissmus des Lochs ist keineswegs ein Schauen nach außen, vielmehr ist er ein Sichselbstanschauen des Lochs, das vom Nicht-Ich gefüllt werden will. Dem Lehrstand ist das Ich wie das Nicht-Ich göttlich, der Wehrstand lebt im Paradigma der Abspaltung des Ich vom Göttlichen, das er im Nicht-Ich sucht, und der Nährstand erlebt das Göttliche als das ganz Andere, während Ich und Nicht-Ich für ihn gleichermaßen nichts sind, - ein Nichts, welches sich in Loch und Materie dirimiert, weil das Subjekt-Objekt-Verhältnis für das Bewusstsein bestehen bleibt.
23.4.2014. B-Ziehungen
Beziehungen sind Ziehungen der Lottozahlen für Arme. Wenn längst alle edlen Ritter und schönen Maidchen sich gefunden haben, fängt das Balzspiel der einfachen Leute an, der psychosoziale Weltkrieg um Beziehungen. Der 3. Stand, nach dessen Pfeife die moderne Welt tanzt(e), ist bekanntlich der Nährstand, die Wiege des Materialismus. So wundert es nicht, dass die verweiblichten, entgeisteten, in ihrer Selbst- und Weltwahrnehmung auf das bloß Faktische reduzierten Männer keinen Unterschied zwischen Liebe und Begierde mehr sehen, und beides miteinander in einer Beziehung zu vereinen suchen. Heraus kommt die domestizierte, im Heim erstickte und bei Huren teilweise ausgelebte Begierde, und die Liebe als Floskel der Entschuldigung, weshalb man(n) sich ausgerechnet dieses Weib genommen hat, warum der Herr keine Besseraussehende zur Frau nahm, - der Spatz in der Hand wird durch das Lippenbekenntnis zur Liebe zum Adler hochgelogen, während die Taube auf dem Dach fröhlich auf das Pärchen kackt.
3.5.2014. Film und Faulheit
Der Weg des geringsten Widerstandes wird selbst in der Phantasie gegangen, wo doch die Möglichkeiten eigentlich grenzenlos sein müssten. Die Phantasie eines Menschen ist freilich lediglich in Nuancen frei und gehorcht durchaus den Gesetzen des kollektiv Vorgestellten (l´imaginaire). Es ist also kein Wunder, dass es so gut wie keinen Film gibt, in dem eine Frau mit weiblichen Gender in der Hauptrolle die Geschichte nicht zu einer substanzlosen Henidenparade trivialisieren würde (im besten Film aller Zeiten übernimmt Sarah Connor die Lebensaufgabe und den männlichen Gender von Kyle Reese, was paradigmatisch für nichttriviale Frauenrollen ist: sie haben alle einen maskulinen Gender). Es ist kinderleicht, einen guten Film über einen Jungen zu drehen, aber wo sind die guten Mädchenfilme?
12.5.2014. Von Null auf Sex
Die Leitkultur des (post)modernen Kinos ist, dass Männchen und Weibchen, sobald sie einander sympathisch werden, sich "leidenschaftlich" ausziehen und auf schnellstem Wege die Kopulation vollführen. Wie albern ein solches Vorgehen ist, zeigt die Analogie mit einem anderen Grundbedürfnis: man stelle sich vor, dass ein Mensch, der etwas Essbares sieht, sich unmittelbar darauf stürzt, und es gierig verschlingt, als ob es ihm jemand im nächsten Augenblick zu entreißen trachtete.
Freilich muss die Einstellung, dass morgen auch noch ein Tag ist, und niemand dir dein Brot, dein Weib, deinen Wein und deine Tafel Schokolade wegnimmt, wenn du diese Köstlichkeiten nicht sofort isst oder fickst, dem Pöbel selbst im Zustand der Wohlstandsverwahrlosung befremdlich erscheinen. Der Pöbel will alles und zwar sofort, denn er genießt alle denkbaren Genussmittel mit dem Bewusstsein, dass dieser Genuss unverdient ist, - wie der Dieb, der kein Recht an der Sache hat, die er besitzt, Fakten schafft, indem er diese Sache konsumiert, bevor sie dem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden kann.
12.5.2014. Befreiung zur Sklaverei
Die vollkommene Emanzipation des 3. Standes ist der Tod der Person des Souveräns. Der Souverän wird abstrakt: das Kapital im Liberalismus, die fortschrittliche Klasse im Sozialismus, das Volk im Nationalismus. Freilich stirbt mit der Person des Souveräns das Subjekt des Souveräns noch nicht, es wird vielmehr ein abstraktes, so dass kein Attentat mehr den Souverän töten kann und keine Revolution ihn beseitigen kann.
Der feuchte Traum des 3. Standes ist eine von der Herrschaft der Souveräns befreite Sexualität. Der weise Kleriker und der meritokratische Adlige können nach der Emanzipation des 3. Standes über die Sexualressourcen der Gesellschaft nicht mehr verfügen, dafür hat der abstrakte Souverän eine größere Macht über die Sexualität, als die ersten beiden Stände jemals hatten: im Liberalismus verkommt die Sexualität zur Hure, indem sie völlig den Gesetzen des Marktes unterworfen wird; im Sozialismus und Nationalismus üben Volk und Staat totalitäre Herrschaft über die Sexualität aus.
Der Untertan des abstrakten Souveräns ist kein Subjekt mit Persönlichkeit und bestimmten Rechten, wie der Knecht gegenüber dem Herrn, sondern nur noch ein Objekt, über welches zwar Personen als Subjekte keine Gewalt haben (da sie eben nicht als Subjekte, sondern nur als Objekte existieren), - dafür hat aber der abstrakte Souverän die totale Verfügungsgewalt über jeden Untertanen, wobei jeder Mitbürger zum Vehikel dieser Gewaltausübung gemacht werden kann.
19.5.2014. Liberalismus
Der Liberalismus ist die erste Ideologie der Moderne bzw. die Ideologie, die die Neuzeit zur Moderne macht. Der Liberalismus basiert auf dem Grundsatz "homo homini lupus"; wenn die Menschen durch die Negation der traditionellen ständischen Ordnung vereinzelt und als Masse unter einen abstrakten Staat (Leviathan, "law-and-order-state", der Staat als notwendiges Übel) zusammengefasst werden, wird der Mensch natürlich des Menschen Wolf sein.
Der Liberalismus ist eine rassistische Ideologie. Der "Liberalist" versteht sich selbst als ein Teil der Zivilisation (1. Stand der rassistischen Ontologie), den Bürger eines tradionellen ständischen Staates als einen Barbaren (2. Stand), und den in scheinbarer Anomie lebenden Menschen als einen Wilden (3. Stand). Der Liberalismus führt einen Krieg gegen die "Barbaren", um diese zu "ziviliseren", und einen Vernichtungskrieg gehen die "Wilden". Der Sklavenhandel der Neuzeit ist kein Widerspruch gegen die zivilisierte Ordnung des Liberalismus, weil ja nur "Wilde" als Sklaven gehandelt und gehalten wurden; die Ausrottung der amerikanischen Ureinwohner verträgt sich aus demselben Grund prima mit der Ideologie der Menschenrechte (die selbstredend nur für den 1. Stand der rassistischen Ontologie gelten).
Der Liberalismus ist die Moderne als Ideologie gefasst, und daher die dominierende und letztlich siegreiche Ideologie der Moderne. Im individualistischen Westeuropa konnte die Moderne sich als Liberalismus ungehindert entfalten, in Osteuropa stieß sie dagegen auf kulturellen Widerstand, und konnte sich dort nur in abgewandelter Form (in einer kollektivistischen flach-hierarchischen Ordnung des absolut monarchischen Zarismus (keine wirkliche Schichtung der Gesellschaft, sondern nur die Dichotomie Zar/Untertan)) als Kommunismus entfalten. Im ständisch hierarchisierten Mitteleuropa nahm die Moderne die Form des Faschismus an (antitraditionelle Hierarchie, Herrschaft des Konkreten, Verteufelung der abstrakten Mächte).
3.6.2014. Internet gegen die Postmoderne
Schon das Fernsehen verband die beginnende Postmoderne des Abendlandes mit der Prämoderne anderer Weltteile, doch es war noch ein passives Medium. Mit dem Internet entsteht die unmittelbare Verbindung, so dass eine sadistische Göre, die Welpen lachend und spielerisch in den Fluss wirft, auf Youtube weltweit gesehen wird, und in ihrem teilweise prämodernen Heimatland ausfindig gemacht und bestraft wird. Bevorstehende Steinigungen werden durch weltweite Empörung vermieden, Regierungen der weniger zivilisierten Länder stehen unter Druck der Weltöffentlichkeit, wenn es um die Bekämpfung der "rape culture" in ihren Gesellschaften geht.
Zur Passivität des Fernsehens gehört auch der Relativismuswahn der späten Moderne: Genitalverstümmelung und Vergewaltigung als Umgangsnorm werden in Ländern der "Wildheit" und "Barbarei" von der zivilisierten Welt geduldet, "weil es eben deren Kultur ist". Mit dem Internet entsteht die Möglichkeit für Menschen aus "barbarischen" Ländern der ganzen Welt zu sagen: "Nein, das ist nicht unsere Kultur!" Die "rape culture" in afrikanischen und asiatischen Ländern wird nicht mehr toleriert, sondern problematisiert, weil deren Ankläger nun selbst die Möglichkeit haben, aus ihrem zivilisatorisch unterentwickelten Land an die Zivilisiertheit der Zivilisation zu appellieren, - ein Appell gegen die Toleranz, und damit ein (heilsamer) Rückfall hinter die kulturellen Standards der Postmoderne.
9.6.2014. Weibliche Emanzipation und die Rache der Mutter
Die Dichotomie von Mutter und Dirne (diese Begriffe sind bei Otto Weininger nachzuschlagen) ist nicht ursprünglich in der menschlicher Natur, sondern beginnt mit dem soziokulturellen Ereignis der Emanzipation der Dirne (Tochter als Frau, nicht als bloße Tochter). Die Mutter (nocturne mystique) ist das formlose Weibliche, naturbelassene Materie, nährender Stoff. Die Dirne (nocturne synthétique) ist das Weibliche als Form, das von der Materie abstrahierte Weibliche, und damit ein Kulturprodukt. Wenn das Weibliche (nocturne mystique) Natur und das Männliche (diurne) Kultur ist, so ist die Dirne zwar der Substanz nach weiblich, aber der Form nach männlich: die Emanzipation der Frau (von der Natur, nicht vom sogenannten Patriarchat) beginnt damit, dass die Frau nicht nur Mutter, sondern auch Dirne sein kann. Die wahre Emazipation ist die Emanzipation nicht vom männlichen Prinzip, sondern durch das männliche Prinzip.
Das sich selbst überlassene Männliche höhlt sich selbst sukzessive aus, da es sich nicht von selbst regenerieren kann. Mit der Entstehung der Kultur begann der Liebesentzug der Mutter an Söhnen und Töchtern: die Natur bekämpfte, wie Goethes Mephistopheles im "Faust", das Licht, dem sie den Raum neidete, welcher einst gänzlich von der Dunkelheit ausgefüllt wurde. Die "unterdrückte Frau" im "Patriarchat" ist die von der Mutter im Stich gelassene Tochter, eine Frau, die sich, wie der Mann, ohne sich regenerieren zu können selbst verzehrt. Die Erotik zwischen den Geschlechtern entfremdet sich von ihrer sexuellen Substanz und wird virtuell; der gegenwärtige Stand der erotischen Kultur des Abendlandes ist nicht das Epos, nicht der Roman, sondern der kontextlose Porno, in dem keine menschlichen Charaktere, sondern physisch optimierte Körper miteinander sexuelle Leibesübungen vollführen, wobei den Beginn die orale Stimulation der männlichen Genitalien durch die Frau (formlose Unterwerfung der handelnden Personen unter die Materie der erogenen Zonen) und den Höhepunkt das Abspritzen des männlichen Samens auf das weibliche Gesicht darstellt (Form als bloße Oberfläche ohne Tiefe). In der vollendeten Oberflächlichkeit der Postmoderne ist die Form nicht mehr das geistige Gefäß für die Materie, sondern eine Form von nichts; die Formung der Materie ist ein in die Dritte Welt verdrängter Arbeitsprozess, alles materiell Notwendige kommt aus dem Supermarkt, aus dem Automaten, scheinbar "von selbst" (die Mutter entzieht sich, der Vater wird vertrieben).
15.6.2014. Jungfräulichkeit und Gender
Männer aus bestimmten traditionsverbundenen Kulturkreisen wollen nicht aus eigenem Antrieb Jungfrauen ehelichen, sondern weil die Tradition es von ihnen verlangt. Wie gern hätten sie stattdessen eine "gewöhnliche Schlampe" genommen, allein weil diese einen traditionell nicht vorgesehenen "Spaß beim Sex" ermöglichte. Genauso wie der verweiblichte westliche Mann träumt der nur scheinbar männlich gebliebene östliche Mann eigentlich von Sex mit Pornodarstellerinnen. Wie verweiblicht die angeblichen und angeberischen Machos sind, lässt sich leicht feststellen: je erfahrener ein Sexualpartner ist, umso attraktiver ist er für Menschen weiblichen Genders, wogegen der männliche Gender sich auch dadurch bemerkbar macht, wie sehr die Reinheit ihres Objekts die Begierde steigert.
7.7.2014. Weiblichkeitsüberschuss führt zu Frauenmangel
In durch und durch weiblichen Gesellschaften gilt die einzelne Frau für nichts weil die ganze Gesellschaft ohnhehin weiblich ist. Durch die individualistische Brille des westlichen (restlichen) diurne gesehen, ist beispielsweise Indien eine extrem frauenfeindliche Gesellschaft, weil Mädchen millionenfach abgetrieben und Töchter gegenüber Söhnen benachteiligt werden. In Wahrheit jedoch ist der mütterlich-weibliche nocturne mystique ein männerfeindliches Regime, das umso mehr Männer verehrt, je seltener sie (als Träger des männlichen Genders) durch die psychosoziale Totalverweiblichung der Gesellschaft werden: weil alle Frauen sind, sowohl Frauen als auch Männer, gelten Männer als etwas Besseres (im diurne nehmen hingegen alle den männlichen Gender ein, wodurch Weiblichkeit selten wird und deshalb Frauen privilegiert werden). In Gesellschaften des nocturne gibt es streng genommen keine Individuen, und insofern sagt das Leid einzelner Frauen überhaupt nichts über Frauenfeindlichkeit aus; wenn wir durch den Blick von Außen die sozial zu bloßen Vertretern des Geschlechts und der Gattung bestimmten Menschen zu Individuen erklären, konstruieren wir eine Scheinwirklichkeit, die mit der Lebenswirklichkeit in den betrachteten Gesellschaften nichts zu tun hat.
7.7.2014. Nachtland
Der Siegeszug des nocturne mystique im Nachtland werdenden Abendland ist nirgendwo deutlicher zu erkennen, als in der Gleichsetzung von Liebe und Sex, Gut und Böse, Schön und Hässlich. Der strengen Dualität des diurne folgte zunächst die Relativierung (Gradualisierung) der Gegensätze, und das Ende des Weges in den Abgrund wird die Nivellierung aller Unterschiede sein.
7.7.2014. Schmerz und Langeweile
Die mütterliche Frau langweilt den Mann sprichwörtlich zu Tode, weil ihre natürliche (nicht romantische) Liebe zu ihm immer dieselbe ist, so dass sein Verhalten und seine Gefühle ihr gegenüber überhaupt keinen Einfluss darauf haben, was sie für ihn empfindet. Sie liebt ihn so sehr, wie sie ihn gerade braucht, - eine Liebe, die noch oberflächlicher als die erotische Begierde ist, kann natürlich nichts als langweilen. Die dirnenhafte Frau kennt keine Liebe ohne Schmerz, denn das Dramatisch-Weibliche ist ein fortwährendes Spiel mit Gegensätzen, die ständig ineinander umkippen (die Dirne erinnert den Psychologen an Borderline, die Mutter an Depression). Bei der Dirne ist der nächste Augenblick das Gegenteil des gegenwärtigen, weshalb romantische Liebe zu solchen Frauen nichts als Schmerz sein kann. Der Wechselstrom des Dramatisch-Weiblichen lockt den sonnenhaften Mann an, der Gleichstrom des Mystisch-Weiblichen lockt den ich-schwachen Mann.
14.7.2014. Was aus bisher Gesagtem folgt
Die Soziologie negiert das ontologische Ich (die transzendentale Voraussetzung des moralischen Subjekts), und ist deshalb Nihilismus. Darum kann sie weder normative Aussagen begründen noch Sollensforderungen aufstellen. Erst aus höherer philosophischer Perspektive sind soziologische Befunde als "gut" oder "schlecht" qualifizierbar. Das Imperativ "Du sollst" stellt sich ausschließlich dem einzelnen Subjekt, und niemals einem Volk, einem Geschlecht oder einer Klasse von Menschen.
18.7.2014. Die Homo-Ehe ist alternativlos
In der traditionellen Familie ist für den äußeren Schein der Mann herrschend und die Frau dienend, während in Wirklichkeit die Frau den Mann emotional beherrscht, und sich von ihm nur das befehlen lässt, was sie selbst will. Die gynokratisch-patriarchale Familie kennt feste Strukturen und Hierarchien; die Ehepartner haben nicht nur zwei verschiedene Geschlechter, sondern auch zwei verschiedene Gender. Die moderne Familie ist aus der Genderperspektive stets eine Homo-Ehe, denn sie ist nicht hierarchisch, sondern flach strukturiert. Deswegen ist es egal, ob zwei Frauen, Mann und Frau oder zwei Männer eine Ehe schließen: die moderne Ehe ist immer eine Ehe von zwei Partnern desselben Genders. Dass die modernen Ehen und eheähnliche Partnerschaften instabiler sind, als die traditionellen Beziehungen zwischen Mann und Frau, ist kein Wunder, und die Flüchtigkeit dieser Beziehungen kein Kritikpunkt, denn vom Gender her gleichgeschlechtliche Beziehungen müssen nicht mit traditionellen Ehen verglichen werden, sondern mit homosexuellen Beziehungen.
Die Gender-Homoehe ist längst Realität; die gleichgeschlechtliche Ehe ist kein sozialer Fortschritt, sondern bloß die logische Konsequenz der bereits veränderten Genderrollen in der modernen Gesellschaft. Die fanatischen Kämpfer gegen die Homo-Ehe bekämpfen nicht die Homosexualität, sondern die Auflösung der traditionellen Genderrollen durch die Moderne, doch weil sie die Gender-Nivellierung nicht rückgängig machen können, richten sie ihre hilflose Wut gegen gleichgeschlechtliche Ehen, die den modernen Gender-Egalitarismus offen zur Schau stellen.
27.7.2014. Die Hoch-Zeit und die Hochzeit
Man muss heiraten, wenn Hochzeit ist. Das weiß jede traditionelle Gesellschaft, doch die moderne Gesellschaft hat das verlernt. Traditionellerweise heiratet die Frau, wenn sie am Schönsten ist, d. h. wenn sie ihren persönlichen "peak beauty" erreicht hat. Für die meisten Frauen liegt diese Zeit im frühen Teenageralter, und selbst jene, die nie schön werden, sind doch mit 12-15 Jahren schöner als zu irgendeiner anderen Lebenszeit. Der Mann kann hingegen nicht zu alt für die Hochzeit sein, er kann nur einen für die Frau zu geringen sozialen Status haben.
Es ist also kein Wunder, dass während sich in traditionellen Gesellschaften Männer darum reißen, eine Frau zu heiraten, dafür kämpfen, töten und sogar den eigenen Tod in Kauf nehmen, Männer in der modernen Gesellschaft unverbindliche Beziehungen bevorzugen, und äußerst ungern heiraten. Wenn Frauen Jahre oder Jahrzente nach ihrem "peak beauty" heiraten, ist der Gewinn für den Mann so minimal, dass die psychosozialen Belastungen des Verheiratetseins die Freude(n) der Eroberung vielfach überwiegen. Dass die meisten Männer und Frauen schließlich irgendwann doch heiraten, um den Lebensabend nicht allein zu verbringen, verändert sowenig die Spielregeln, wie der fröhliche Freizeitkick einer Fussballmannschaft - lange nachdem sie aus dem Turnier ausgeschieden ist - die Turniertabelle verändert.
18.8.2014. Philosophie des Lebens
Das Leben (als solches) des Menschen (als solchen) ist immer beschwerlich, denn der Mensch ist Geist, und steht fortwährend in Opposition zum Leben (wie das Leben selbst gegen das Anorganische). Das Leben des Menschen ist ein Kampf gegen das Leben, und nicht ein Leben des Lebens, wie etwa das Leben eines Tieres.
Leben! - ein Imperativ des Pöbels, welcher nicht über das Tierische hinaus ist. Das Leben selbst ist dem tierischen Menschen bereits der Sinn des Lebens, und deshalb sind alle höheren Werte für diesen lächerlich, - die "Aufklärung" des 3. Standes "entlarvt" den Unwert aller ritterlichen und klerikalen Werte, d. h. Leute, welche unfähig sind, über das bloße Leben hinaus zu denken, fangen an zu philosophieren. Die Banane schmeckt besser als die Gurke, also Bananen für alle! - tönt der Affe und ruft seine Ungeistesgenossen zur kommunistischen Revolution. Das einfache Volk in den vormodernen Gesellschaften erwartete von den religiösen Jenseitsvorstellungen nicht bloß ein Schlaraffenland, - das Wesentliche war die Gerechtigkeit im Jenseits, die im Diesseits nicht zu erreichen ist. Der moderne Pöbel kennt keine Werte über das Materielle hinaus, weshalb ihn der Glaube an ein Jenseits nur befremden kann.
20.8.2014. Trägheit
Die Selbstständigkeit eines inferioren Prinzips kann allein durch Trägheit (passiven Widerstand gegen einen Willen der ontologisch höheren Potenz) gegenüber einem höheren Prinzip geltend gemacht werden. So zeigt die Materie gegenüber dem Leben ihre Selbstständigkeit, indem der Verdauungsprozess des lebenden Organismus nicht alle Stoffe verwerten kann, sondern einiges ausscheiden muss.
Das Leben geht genausowenig völlig im Geist auf wie die Materie im Leben aufgeht. So bildet der Mensch als Lebewesen eine träge Struktur, die psychischen Gesetzmäßigkeiten unterliegt, und nur durch besondere Willensanstrengungen dem Geist untergeordnet werden kann.
In der Gendermetaphysik erklärt die Trägheit die Möglichkeit der Beschmutzung der Frau (aber nicht des Mannes) durch (männliche) Sexualität: der Mann konsumiert sexuell eine Frau, wonach die verbrauchte Frau nicht einfach aufhört zu existieren, womit sie die Trägheit des Lebens gegenüber dem Geiste behauptet. Im Geiste ist der Mann das Subjekt (das Willenwesen, das sein Könnende nach Schelling) und die Frau das Objekt (das Seiende); im Geiste existiert die Frau nur solange sie sexuell rein ist. Die unkeusche Frau ist für den Geist nicht mehr existent, besteht als Lebewesen jedoch weiter, wodurch sie für den Geist als beschmutzt bzw. entweiht fortbesteht.
7.9.2014. Korbparanoia
Besonders männliche Charaktere, z. B. Autisten oder moralisch hochstehende Menschen (besonders besonders wird es, wenn man zu beiden Kategorien zugleich gehört), die die Welt im strengen Regime der Dihairesis wahrnehmen, d. h. a priori kein Vielleicht zulassen, können nur eindeutige Sympathie- oder Antipathiebekundungen, aber keine uneindeutigen Flirtsignale deuten. An religiöse Fragen, in denen es um das Allgemeine geht (Gott ist kein Einzelner, sondern alles), können extrem männliche Charaktere sowohl mit "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich" als auch mit "Wer nicht gegen mich ist, ist für mich" herangehen, - im Einzelnen und Besonderen wird jedoch ein Vielleicht zwangsläufig als ein Nein verstanden. Solche Menschen sehen Körbe, selbst wenn sie keine bekommen.
Das Vielleicht im Dramatisch-Weiblichen ist kein Ja-oder-Nein, keine verschobene Entscheidung, sondern die Aufforderung an den Anderen, sich zu entscheiden. Das Vielleicht ist eine abwartende, keine abwertende Haltung. Die Tragik extrem männlicher Charaktere ist, dass sie sich selbst dann abgelehnt fühlen, wenn sie gar nicht abgelehnt werden.
7.9.2014. Angst vor Entscheidungen
Die panische Angst vor Entscheidungen charakterisiert weibliche Charaktere, zu denen die meisten empirischen Frauen und Männer gehören, wobei in der postmodernen Zivilisation Männer meistens sogar eine Spur weiblicher als Frauen sind. Es handelt sich hierbei um die Tragik des Dramatisch-Weiblichen, welches im Regime der ewigen Wiederholung lebt und Irreversibilität nicht ertragen kann.
Die Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen, wird als eine Gewalt des männlichen Prinzips gegen die eigene Selbstbestimmung (genauer: gegen den Unwillen, sich selbst zu bestimmen) erlebt. Darum wird die erlebte "Diskriminierung" des Weiblichen um so größer, je mehr die Menschen verweiblichen. Im Paarungsverhalten führt die Angst vor Endgültigkeit zur Unfähigkeit, sich verbindlich an einen Partner zu binden, und eine Familie zu gründen. Kinder solcher Charaktere wachsen in lockeren Familienstrukturen auf, und entwickeln selbst ohne Scheidung der Eltern charakteristische Symptome von Scheidungskindern, weil ihre Eltern die Familie als eine reversible Entscheidung wahrnehmen, und darum nicht vollends dazu stehen, eine Familie gegründet zu haben.
12.9.2014. Fortschritt als Barbarisierung
Als Kind lernte ich in einer "patriarchalen" Gesellschaft: "Du musst deine Gefühle unterdrücken, weil du ein Mann bist". Als Jugendlicher in einer "liberalen" Gesellschaft bekam ich zu hören: "Du hast keine Gefühle, weil du ein Mann bist". Die "patriarchale" Gesellschaft lehrte mich: "Du musst deine Interessen auf das Nützliche beschränken, und darfst keine Lüftschlösser bauen, weil du ein Mann bist". In der "liberalen" Gesellschaft sagte man mir: "Du bist primitiv, und besitzt weder Kreativität noch Phantasie, weil du ein Mann bist". - Als ich dies für meine Weininger-Rezension schrieb, entging mir das Wesentliche dabei, nämlich dass traditionelle Gesellschaften sich völlig dessen bewusst sind, dass "männlich" und "weiblich" soziale Genderrollen sind, und mitnichten biologische Determinanten.
Moderne Gesellschaften erklären Gender monokausal aus dem biologischen Geschlecht, weshalb sie im Kampf gegen das Individuum einengende und diskriminierende Genderrollen die biologischen Geschlechtsunterschiede nivellieren wollen. Traditionelle Gesellschaften wissen auch ohne die wissenschaftliche Methode, dass bloße biologische Männchen und Weibchen des homo sapiens sapiens ohne Sozialisation mitnichten Männer und Frauen sind, und dass Gender vielmehr ein soziales Konstrukt ist, weshalb man seinen Gender-Status nicht automatisch bekommt, sondern durch Initiationsrituale erwerben muss. Moderne Gesellschaften sind hinter dieses Wissen zurückgefallen (und haben es erst spät mit der Soziologie wiederentdeckt, aber nicht anwenden können, weil soziologisches Wissen als nicht-naturwissenschaftliches Wissen als minderwertig gegenüber biologischen Fakten gilt), und schnipsen barbarischerweise an Genitalen von Menschen, um ihren Gender-Status dem individuell gewünschten anzupassen (dabei ändert eine Geschlechtsumwandlung nichts am Gender-Status, wenn der soziale Gender-Status selbst beliebig wird, - der postmoderne Mensch ist ein soziales Neutrum, das sich nach Lust und Laune männliche oder weibliche Genitalien an- oder wegoperieren lassen kann).
18.9.2014. Gesichtsverlust in der Postmoderne?
Nur unter bzw. gegenüber Vertretern des 1. oder 2. Standes kann man das Gesicht verlieren, - vorausgesetzt diese Stände sind nicht nur Dekoration, sondern haben eine ihnen gebührende soziale Stellung. Unter gesichstlosen spätmodernen und postmodernen Individuen kann keiner sein Gesicht verlieren.
Die Mechanismen sozialer Ächtung existieren auch in einer postmodernen Gesellschaft, nur spielen die traditionellen und durch Beschämungsdrohung verinnerlichten Werte bei der Ausgrenzung einer Person keine Rolle mehr. Der postmoderne Mensch ist schamlos, und Gesichtsverlust ist ihm stets äußerlich, d. h. es handelt sich immer nur um einen Maskenverlust. Die Stelle von Normen und Werten nehmen wechselnde ideologische Vorstellungen ein, die explizit erlernt werden müssen, weil sie so beliebig sind, dass sie durch Erziehung und Sozialisation nicht vermittelbar sind (nichtsdestotrotz wird dieser Versuch unternommen, so dass Kinder schon in der Grundschule oder früher lernen, was z. B. Homosexuelle sind, und wie sie es miteinander treiben).
Man hält sich an die neueste Mode der politischen Korrektheit, und muss immer auf dem Laufenden bleiben, um nicht in seinen simulierten Wertvorstellungen überholt zu werden: so kann jemand, der gelernt hat, dass man nicht mehr "Neger" sagt, und stattdessen politisch korrekterweise "Farbiger" oder "Schwarzer" sagt, trotz eigener nicht-rassistischer Gesinnung als Rassist stigmatisiert werden, wenn er nicht schnell genug mitbekommt, dass man inzwischen "Afroamerikaner" oder "Afroeuropäer" sagen muss, - die politisch korrekten Euphemismen ändern jedoch nichts an gesellschaftlicher, ökonomischer und politischer Diskriminierung von Randgruppen und Minderheiten, was die logische moderne Schlussfolgerung aus der sprachlichen Feststellung der diskriminierenden Realität gewesen wäre.
30.9.2014. Gesichtsverlust und faschistoide Paranoia
Ein Vertreter des 1. Standes kann nur vor Gott und sich selbst das Gesicht verlieren. Da ihn andere Menschen nicht qualifiziert verachten können, weil sie unter ihm stehen, kann ihn nur sein eigenes Gewissen beschämen.
Ein Adliger kann vor anderen Adligen und dem Klerus sein Gesicht verlieren. Er steht über einer großen Mehrzahl von Menschen, und ist einem hohen Erwartungsdruck ausgesetzt; jeder Fehltritt kann den Verlust der Ehre bedeuten. Deshalb verhält sich wahrer Adel so, dass man dafür sorgt, dass der Andere nicht sein Gesicht verliert, - eine freilich edle aber durchaus nicht uneigennützige Verhaltensweise.
Der 3. Stand hat es mit Gleichen zu tun: da es nur wenige höherstehende Menschen gibt, und auch nicht so viele Standeslose, sorgt sich jeder bloß darum, nicht sein eigenes Gesicht zu verlieren. Dieser Achtungs- und Anerkennungsegoismus führt leider allzuoft zur abschaumigen Unart, sich so zu verhalten, dass der Andere möglichst sein Gesicht verlieren sollte. Dieser Hang zur Entartung verwischt die Grenzen zwischen dem noch ehrbaren 3. Stand und den Standeslosen, die der indischen Kaste der Unberührbaren gleichen.
Da der 3. Stand sich nicht klar von den Unberührbaren abgrenzen kann - der Übergang ist fließend und jeder kann jederzeit absteigen - , nimmt der Standesdünkel des 3. Standes paranoide und oft faschistoide Züge an. Als Faschismustherapie eignet sich ein Abrutschen in die Standeslosigkeit mit einer darauffolgenden selbstgeleisteten Rehabilitation, - die hieraus resultierende individualistische Mentalität und Toleranz könnte insbesondere mitteleuropäische Antisemiten von einer paranoiden "Die Juden sind unser Unglück"-Haltung zur offenen "Von Tellerwäscher zum Millionär"-Haltung umerziehen, was durch die Amerikanisierung Europas nach 1945 teilweise auch geschehen ist.
6.10.2014. Zivilcourage und Diurne-Entropie
Ich sehe, wie drei U-Bahn-Schläger jemanden angreifen.
Logos: Ich stelle mich unverzüglich auf die Seite des Unschuldigen, und alles weitere liegt in Gottes Hand.
Logik: Ich überlege, wie ich dem Angegriffenen am besten helfen kann und ergreife dann Partei.
Logistik: Ich überlege, was die sicherste Variante für alle Beteiligten - zuallererst für mich selbst - wäre. Ich bleibe mit einer Wahrscheinlichkeit von 95-99% einfach sitzen und gucke weg.
Logem: Ich fühle mich unwohl. Hoffentlich bringe ich den Mut auf, den Sitzplatz oder den Wagen zu wechseln.
12.10.2014. Föten und sozialdemokratische Romantik
Das Grundparadigma des Logos ist die Ständegesellschaft, das Grundereignis ist der Übergang von der archaischen Gemeinschaft zur hierarchisch sturkturierten Gesellschaft. Das Grundparadigma der Logik ist der Staat, das Grundereignis ist der Krieg. Das Grundparadigma der Logistik ist das Konzentrationslager (nach Agambens erweiterter Definition), das Grundereignis ist die Warenproduktion. Das Grundparadigma des Logems ist die Matrix (genauso wie im Film von 1999, der Mensch als an eine virtuelle Realität angeschlossener Fötus ist keine Metapher), das Grundereignis ist der Kampf des vollständig auf Maschinen angewiesenen Menschen gegen diese Maschinen (nicht im Streben nach Befreiung, sondern aufgrund eines Funktionsfehlers der Maschine, die die Versorgung des Menschen unterbricht).
Narzisstisch (im Kleinkindstadium hängengeblieben) ist nicht die Generation der "68-er", sondern die Generation deren Eltern. Die "68-er" sind in ihrer Persönlichkeitsentwicklung Säuglinge, die nach 1990 Geborenen Föten, weshalb die Matrix im Jahr 2014 überfällig ist, und Matrix als Metapher z. B. durch ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle ist, wie jede sozialdemokratische Idee, von der Realität überholt (sozialdemokratisches Denken zeichnet sich dadurch aus, dass für die Gesellschaft von Morgen Lösungen von Gestern gefunden werden; die sozialdemokratische Romantik ist die vulgäre Sehnsucht nach der nahen Vergangenheit: "Früher war alles besser").
17.10.2014. Postmoderner Diskurs
Klassische Argumentation funktioniert in der Postmoderne nicht mehr, da die Kraft des Arguments nicht mehr gilt. Der postmoderne Diskurs besteht darin, einfach etwas dagegen zu sagen; da sich keine Auseinandersetzung mit dem Argument stattfindet, wird Bullshit (vgl. "On Bullshit" von Harry Frankfurt) geredet: irgendwas nah am Thema, gegen den Opponenten, aber vorbei am Argument. Der moderne Redner verliert jedes postmoderne Streitgespräch, weil er sich an Regeln hält, die nicht mehr gelten, so nennt er z. B. für die Diskussion relevante empirische Fakten, die seine Aussage eindeutig belegen und die des Opponenten widerlegen, doch damit erreicht er nichts, weil die Diskussion daran vorbeischreitet und einfach woanders wieder ansetzt.
7.12.2014. Der Holocaust der Anderen
Für die Nazis gab es in der Moderne zwei verdammenswerte Massentötungen, die aus furchtbaren Ideolgien hervorgingen: der Kolonialismus der raffend-kapitalistischen Imperialisten und der Bolschewismus ermordeten Millionen von Menschen, so dass als Reaktion darauf (man denke an den Historikerstreit von 1986) der Faschismus entstehen musste, zum Schutze der Zivilisation von der Barbarei, versteht sich.
Für die Kommunisten war neben dem Imperialismus der liberalen Ideologie der völkische Faschismus die mörderische Ideologie der Moderne; man errichtete antifaschistische Schutzwälle und entwickelte ein antikapitalistisches, antiliberales Wirtschaftssystem.
Die erste und vorerst siegreiche Ideologie der Moderne ist der Liberalismus, der für die Fakten der Opiumkriege, der Hungermorde in Indien und der Ausrottung der Ureinwohner Amerikas blind ist, und das Unheil der Moderne allein in Auschwitz und Gulag sieht.
In Wahrheit sind alle drei Ideologien der Moderne - der Liberalismus, der Kommunismus und der Faschismus - demozidale Bewegungen titanischer (weder apollinischer noch dionysischer sondern kybelischer) Art, totalitäre Weltrevolutionen zur radikalen Veränderung der ganzen Lebenswelt des Menschen. Das allen drei gemeinsame Mittel der Veränderung der Welt ist der Massenmord (Demozid, Genozid, systematische Aushungerung und Ausmordung durch Drogen, mutwillige Präkarisierung der Lebensumstände und Heimatlosen- und Flüchtlingsproduktion durch Zerstörung traditioneller Gesellschaften).
7.12.2014. Logoentropie und Zeitordnung
Der Logos ist diurne, apollinisch, ideatisch; die Logik ist nocture synthetique, dionysisch, idealistisch; die Logistik ist nocturne mystque, kybelisch, sensat/materialistisch.
Die traditionelle ontologische Ordnung ist der ewige Logos, die Moderne ist zeitbegründende Logik, die Postmoderne ist zeitkonsumierende Logistik.
10.12.2014. Christliche Ontologie
Gottvater ist das reine Sein (absolute Potenz, kein Seiendes), Gottsohn ist das rein Seiende; ein Mensch kommt zur Idee (Vater) nur durch das Ideal (Sohn). Es gibt keinen Weg der reinen Ideatik, der Mensch muss Idealist sein.
Gottvater ist das absolut Männliche (diurne, Logos), Gottsohn ist das absolut Kindliche (androgyn, Logik), das ewige Leben ist das sein Sollende (weiblich, Logistik); im heiligen Geist des ewigen Lebens sind Idee und Ideal aufgehoben, aus ihm regenerieren sie sich ewig.
Das Männliche ist vorausgesetzt (das sein Könnende, reine Potenz), das Kindliche ist gegeben (das rein Seiende), das Weibliche ist aufgegeben (das sein Sollende). Der Mensch und der Demiurg bemühen sich, das sein Sollende in der Endlichkeit zu verwirklichen. Das Werk des Demiurgen ist die Natur, das Werk des Menschen ist die Kultur.
Das männliche Bewusstsein (diurne) ist ideational und strebt direkt zu Gottvater (im Endlichen gilt: Gott ist der Tod). Das kindliche/androgyne Bewusstsein (nocturne synthetique) ist idealistisch und auf die Welt (äußere Mannigfaltigkeit) ausgerichtet; in diesem Bewusstsein wird die Kultur durch Bildung und Kunst geschaffen. Das weibliche Bewusstsein (nocturne mystique) ist sensat und auf Sensationen (sowohl im Sinne der Sinneseindrücke als auch im Sinne der kurzweiligen/überraschenden Unterhaltung) ausgerichtet. Das Männliche lehrt, das Weibliche nährt, das Kindliche wächst und erschafft die Welt des Menschen.
10.12.2014. Zwei Aspekte der régimes de l’imaginaire
Diurne (das Männliche) ist als absolute Potenz der Urgund allen Lebens, die Sonne des Geistes. Einerseits verursacht es das Leben (Urzeugung), andererseits lockt es das existierende Leben in den Tod (reine Ideatik ist transzendent, negiert alles Sinnliche, und fordert, das Leben der Idee zu opfern).
Nocturne synthetique (das dramatisch Weibliche) ist in seinem männlichen Aspekt das Kindliche, das Subjekt des konkreten Lebens, und in seinem weiblichen Aspekt das dirnenhaft Weibliche, das Objekt des konkreten Lebens. Die Dirne (siehe Weiningers "Geschlecht und Charakter") treibt den Künstler an, inspiriert ihn, bringt ihn in der konkreten Lebenswirklichkeit überhaupt dazu, tätig zu sein. Ihr Gegebensein ist unabdingbar für die Existenz von Kultur, ihre Nähe ist zerstörerisch, denn sie verwandelt die androgyne Harmonie des Kindlichen in die identitätsauflösende Polarität (sie sollizitiert das rein Männliche und damit den Tod; ist der Mann zu feige, dem Tod ins Angesicht zu sehen, kehrt er in den Schoss der Mutter zurück, und wird von der Dirne verlassen).
Nocturne mystique (das mystisch Weibliche) ist einserseits die nährende Mutter und andererseits die verzehrende Mutter. Ein berühmter Musiker veröffentlichte 2002 ein verstörendes Lied, in dem er mit seiner Mutter brach. Es war schon damals abzusehen, dass er sich schon wenige Jahre später für dieses großartige Lied entschudigen würde, und somit als Künstler sterben. Im Umgang mit Frauen seines Alters ist er launisch wie ein ungeliebtes Kind; er beschimpft und bedroht die Dirne, aber die Mutter, die ihn tatsächlich misshandelt hat, bleibt für ihn eine Gottheit. Dies ist paradigmatisch für den modernen/postmodernen Mann, der zu schwach für diurne und nocturne synthetique ist; einerseits ist er von der (emotional) nährenden Mutter abhängig, andererseits fürchtet er die verzehrende Mutter, die ihn (psychisch) fressen könnte.
Der Mann im diurne ist Philosoph/Herrscher/Held, der Mann im nocturne synthetique ist Wissenschaftler/Regent/Künstler, der Mann im nocturne mystique ist Manager/Beamter/Penner. Die Frau im diurne ist Heilige/Traumprinzessin/Jungfrau, die Frau im nocturne synthetique ist Geliebte/Ehefrau/Hure, die Frau im nocturne mystique ist Krankenschwester/Ehemutter/Mutter. Dies ergibt sich aus dem Umstand, dass die Sphäre des Männlichen das Äußere, das Öffentliche, und die Sphäre des Weiblichen das Innere, das Private ist; biologisches Geschlecht determiniert jedoch nicht den Gender, und so können Männer feminoid und Frauen maskulinoid sein, wobei das Gesetz der Entropie (das Fleisch ist schwach) jedes Wesen auf den Weg des geringsten Widerstandes lockt (in freiheitlichen Gesellschaften werden sowohl Frauen als auch Männer verweiblicht, weil soziale Institutionen keinen Gender-Erwartungsdruck ausüben; in traditionellen Gesellschaften ist es leichter, seiner biologisch prädispositionierten Gender-Rolle zu entsprechen, als sich die Freiheit für den natürlichen Weg des geringsten Widerstandes zu nehmen).
22.12.2014. Diurne im Buddhismus
Der traditionelle Buddhismus ist nocturne mystique: das Karma ist nichts anderes als die unendliche Existenzschuld jedes Wesens gegenüber seiner chthonischen Mutter. Das Nirvana ist die Asymptote, die unerreichbare aber gleichwohl anzustrebende Tilgung der Existenzschuld.
Spielarten des Buddhismus, die mit dem Karma-Konto spielen, z. B. um durch besseres Karma nicht das Nichtsein, sondern eine glücklichere Existenz zu erreichen, sind dem regime nocturne synthetique zuzuordnen.
Ein männlicher, diurnischer Buddhismus begreift das Karma nicht als unendliche Schuld, sondern als unendlichen Überfluss, und ist nicht chthonisch, sondern solar.
Verfolgen wir nun die Wahrheiten des traditionellen Buddhismus bis zu einem Punkt zurück, an dem ein Dogma, eine willkürliche Setzung, den kybelischen Grundstein des Buddhismus gelegt hat.
1. Leben ist Leiden (das ist evident).
2. Die Ursache des Leidens sind die Begierden (der Begriff der Begierde kann so großzügig bestimmt werden, dass darunter auch nicht direkt durch das Begehren verursachte Schmerzen fallen; jeder auf ein Objekt gerichtete Wille ist Begierde, und alles außer des Willens selbst ist Objekt).
3. Die Begierden entstehen aus dem Mangel (ein Subjekt, das sich selbst nicht genügt (ein endliches), empfindet einen Mangel, begehrt und leidet).
4. Es gibt den Mangel. - Das ist das gesuchte Dogma. Für die sensualistische Sicht ist der Mangel evident, aber das Verhaftetsein an der Materie ist nicht alternativlos. Für die ideationale Sicht, die die Materie negiert, und aus der unendlichen Fülle des Geistes lebt, gibt es keinen Mangel: Schmerzen, die man empfindet, werden als Schmerzen des Körpers verstanden, und Begierden nicht als die eigenen wahrgenommen, sondern als Laster des schwachen Fleisches. Der Geist ist unendliche Fülle und unendliche Freiheit, in ihm gibt es keinen Mangel, also keine Begierden, und folglich kein Leiden.
29.6.2015. Das Schöne, Gute und Wahre
Das Schöne, Wahre und Gute bilden einen ontologischen Kreis und bedingen sich gegenseitig. Obgleich sie in ihrer Totalität als das Göttliche nicht voneinander zu trennen sind, sind sie im endlichen Sein getrennt, und zeigen sich dem Bewusstsein als drei eigenständige Potenzen.
Das rationale Bewusstsein (L3 - Logistik) lebt unter dem Primat des Wahren. L3 ist ein Skeptiker, weil ihm das Wahre nicht sicher ist, sondern erst zu beweisen. Die Mathematik ist seine Metaphysik, die Logik seine Religion (er befolgt stur und unreflektiert Gebote, deren Inhalt beliebig sein kann, solange sie sich nicht gegenseitig widersprechen).
Das transrationale Bewusstsein (L2 - Logik) lebt unter dem Primat des Guten (Kants Primat des Praktischen in der Philosophie). Die Logik ist als sichere Grundlage gegeben, die Moralität ist problematisch, und muss entdeckt und begründet werden. Die Religion ist auf dieser Bewusstseinsstufe romantisch-ästheisch (Glückseligkeit als Folge der moralischen Pflichterfüllung).
Das vollkommene Bewusstsein (L1 - Logos) lebt unter dem Primat des Schönen. Logik und Moralität sind seine sichere Grundlage, Ästhetik sein weltanschauliches Paradigma. Insofern geht der Ästhetiker Nietzsche über die Ethiker Kant und Hegel hinaus, und zeigt, dass das antike Paradigma des Logos dem neuzeitlichen Paradigma der Logik überlegen ist.
Ein Bewusstsein, dessen sichere Grundlage das Schöne ist, ist das göttliche Bewusstsein, oder das Bewusstsein im paradiesischen Zustand der vollkommenen Glückseligkeit. Das prärationale Bewusstsein (L4 - Logem) kann nicht einmal das Wahre fassen, und lebt im Reich der Vorstellungen (weil es unfähig ist, Begriffe zu bilden). Die Abwesenheit des Schönen, Guten und Wahren im Bewusstsein ist die Verdammnis, die Gottesferne.
18.10.2015. Das anthropologische Trilemma
Die Setzung ist diurne, die solare Dihairesis; der Zirkelschluss ist nocturne synthetique, das lunare Wechselspiel; der infinite Regress ist nocturne mystique, der unendliche Fall in den Abgrund. An der Oberfläche des philosophischen Scheins ergeben diese Grundbestimmungen z. B. das Münchhausen-Trilemma von Hans Albert. Jedoch sind Setzung, Zirkelschluss und unendlicher Regress keine Scheiternsweisen der Letztbegründung, sondern anthropologische Paradigmen des Welterlebens.
20.10.2015. Das Monster in der Kindheit
Das hässliche, seine Form verändernde, und oft formlose Monster, welches Kinder im solaren Regime in Alpträumen und Phantasien heimsucht, ist das übermächtige Mütterlich-Weibliche. Der Ekel vor dem Monster entspringt der Angst, sich nicht mehr zu ekeln, wenn das Monster einen überwältigt, d. h. der Angst vor dem Wegfall der Dihairesis, der Auflösung der Individuation. Diese Angst ist der innere Horror, der für den solaren Menschen sein Leben lang größer ist, als jede von Außen verursachte Angst; der innere Horror erklärt den Todesmut und die Verachtung des Diesseits, sowie das Festhalten an einem Jenseits (dem räumlichen Paradigma der Dihairesis/Individualität).
25.10.2015. Licht und Schönheit
Der schlechte Mensch kann nur blind tasten, das Angenehme erfühlen, aber nicht das Schöne sehen. Der heteronom moralische Mensch betrachtet die Schönheit im Mondschein. Der gute Mensch ist die Sonne, die der Schönheit leuchtet.
Die Schönheit selbst ist solar, denn ihr liegt die radikale Dihairesis zugrunde. Deshalb hat der Tellurismus kein Verhältnis zur Schönheit; ein schönes Mädchen als Mahl zuzubereiten, oder einen schönen Jüngling um des sozialen Friedens willen zu verkrüppeln (um den Neid Hässlicher zu beschwichtigen), sind typisch tellurische Handlungen.
Im Lunarismus kann die Schönheit halbwegs und unscharf gesehen werden, und wird narzisstisch konsumiert. „Zu schön zum Ficken“ ist ein Ausdruck, den der Lunarist nicht versteht, denn sein Licht ist zu dunkel, um die Schönheit im vollen Glanz zu sehen, so dass sie seine niederen Bedürfnisse überstrahlen könnte.
Im Solarismus ist die Schönheit so strahlend hell, dass sie, genau wie der Tod, einen transzendentalen Schrecken auslöst; dieser innere Horror ist größer, als jede von Außen verursachte Angst oder Furcht. Der Horror der Sterblichkeit lässt die Furcht vor dem Tod in Todesverachtung umschlagen; der Horror vor der Entweihung der Schönheit lässt die Angst vor dem Leben zur Verachtung des bloßen Lebens werden.
2.11.2015. Freiheit und Sicherheit in der Moralität
Sicherheitsbasierte Moralität (kollektiv, statisch): wie füge ich mich am besten in die Gesellschaft ein? Freiheitsbasierte Moralität (individuell, dynamisch): wie begegne ich dem Nächsten?
6.11.2015. Beziehungsregimes
Symmetrische Beziehungen: Bruderschaft (negativ-sakrifiziell, idealistisch, Logik), Schicksalsgemeinschaft (negativ-victim, empiristisch, Logistik).
Asymmetrische Beziehungen: Extreme ergänzen sich wie bei Vater und Tochter (positiv-sakrifiziell, ideational, Logos – positiv-victim, materialistisch, Logem).
21.2.2016. Die totale Immanenz
Die Klassiker der zweiten, materialistischen Aufklärung (die erste war rational), Feuerbach und Marx, sind Philosophen der Kybele, der bloßen biologischen Gattung, der flachen Welt des dritten Standes. Was bedeutet, dass der Mensch sich Gott nach seinen Bedürfnissen erschaffe? - Dass es angeblich nichts als die materielle Welt gäbe, und der Mensch damit ein bloßes Tier, bloßes Gattungswesen sei. Religion als Kitt ungerechter sozialer Verhältnisse (Opium des Volkes) verweist ebenso nicht auf Transzendenz, sondern erschöpft sich in ihrer weltimmanenten Funktion. Wenn es nämlich Gott gibt, und der Glaube der Menschen von mächtigeren Menschen zu Manipulationszwecken benutzt wird, - was kümmert das Gott und den religiösen Menschen, der zuversichtlich in eine bessere Welt blicken kann, während seinen Peiniger eine schlechtere Welt nach dem Tod erwartet? Die materialistische Aufklärung beendet die Frage nach der Transzendenz mit einem Federstrich, und geht davon aus, dass es nichts Transzendentes gibt. Die totalitäre Immanenz erweist sich in der Folge als Nährboden säkularer Ideologien wie Kommunismus und Faschismus, die die totale Herrschaft über den Menschen anstreben (und sie können das, weil der Mensch in der absoluten Immanenz absolut versklavt werden kann; wenn es außer dieser Welt nichts gibt, ist die totale Herrschaft, die Tyrannei über alles möglich; die totalitäre Gesellschaft kann sogar mithilfe der Wissenschaft versuchen, einen neuen Menschen zu erschaffen).
29.2.2016. Wer ist Ich und was will ich?
Der Chthoniker sagt Ich zu seinem Es, der Lunarist zu seinem empirischen Ich, der Solarist zu seinem transzendentalen Ich. Beim Chthoniker wird somit die Begierde zum Inhalt des Willens, er will das, was seine Triebe begehren. Der Lunarist macht seine egoistischen Wünsche zum Inhalt des Willens, sein Wille ist triebbesetzt, aber nicht triebgesteuert. Der Wille des Solaristen ist unabhängig von den Trieben, sieht aber in ihnen eine Bedrohung, und verhält sich deswegen anti-triebhaft. Der Wille des Chthonikers braucht einen äußeren Herren, der Wille des Lunaristen einen Führer, der Wille des Solaristen ein Ideal (ohne ein positives Ideal verheizt er sich selbst im Kampf gegen die Triebe).
18.4.2016. Männliche und weibliche Biographie
Eine Akademikerin, die als Hausfrau und Mutter endet, scheint eine gescheiterte Existenz zu sein, die von Unterdrückung und nach Emanzipation schreit. Diese Betrachtungsweise ist jedoch einseitig männlich. Das Scheitern ist eine männliche Kategorie. Während die männliche Biographie ein Pfeil mit einem bestimmten Anfang und einem bestimmten Ende ist, ist die weibliche Biographie ein Kreis mit sich abwechselnden guten und schlechten Zeiten. Der Mann lebt auf ein Ziel hin, die Frau lebt im Jetzt. Als Lebewesen, das das Leben lebt, ist die Frau dem Mann von Natur überlegen, da der Mann entweder in die Zukunft rennt oder vor der Vergangenheit wegläuft; der Mann lebt im Nie-Wieder oder im Noch-Nicht, die Frau im Jetzt und Nun. Die Biographie als Zeugnis eines gelungenen oder gescheiterten Lebens ist eine männliche Erfindung des bürgerlichen (nicht geistlichen oder adligen) Standes.
27.05.2016. Romantiker
Die Verbrecherromantik, die Verherrlichung von Kriminellen in der Popkultur der späten Moderne, folgt der allgemeinen Regel des romantischen Gemüts: ein Romantiker ist, wer sich eine Standes-Stufe herunter träumt. So ist ein Philosoph, der davon träumt, Krieger zu sein, ein Romantiker: ein Vertreter des Lehrstandes will auf der Entropieleiter zum Wehrstand absteigen; Romantik bedeutet auch: "simplify your life".
Das Denken ist die höchste Anstrengungsform des Menschen, und ist als Lebensaufgabe nur für Menschen des ontologischen (nicht sozial-zufälligen) 1. Standes möglich. Der Krieg ist die Lebensaufgabe des Adels (2. Stand), er ist einfacher als das Denken, und ohne lebenswierige Entsagung, aber erfordert Todesbereitschaft, und ist eine erheblich höhere Anstrengung, als die Arbeit. Ein Krieger, der sich nach einem Bauernhof sehnt, ist ein Romantiker.
Auch der Nährstand (3. Stand) hat seine Romantiker. Diese sehnen sich nach einem Leben als Landstreicher und Diebe, und sind besessen von Antiheldenfiguren wie John Dillinger, Bonnie und Clyde oder den sizilianischen Mafiosi. Das körperlich anstrengende und geistig anspruchslose Arbeitsleben will unter dem Entropiedruck die letzte Spannung loswerden, und nur noch seinen Impulsen folgen. Da die moderne Gesellschaft nur noch aus dem 3. Stand besteht, artikuliert sich Romantik authentisch nur noch als Verbrecherromantik.
20.09.2016. Das Bessere
Der Solarist ist zu gut für diese Welt, und strebt von Anfang an, nicht erst nach einer Reihe schlechter Erfahrungen, über sie hinaus. Die schlechten Erfahrungen dienen im Nachhinein der psychologischen Rationalisierung der Sinnsuche und des Strebens nach Höherem, in Wahrheit ist die Anlage hierzu angeboren.
Der Lunarist ist in dieser Welt genau richtig, und lebt ein ästhetisches Leben: er will sich mit Schönerem vermischen, und das Hässlichere meiden. Schlussendlich heiratet er eine Frau, die ihm vom sozialen Status und Aussehen ähnlich ist. Er missversteht das Streben des Solaristen nach Höherem als Ressentiment eines Verlierers - in Wahrheit hat er selbst ein Ressentiment gegen den Solaristen, und wertet dessen höhere Sphären ab, weil sie ihm unzugänglich sind, und dennoch sichtbar für ihn existieren.
Der Tellurist ist schlechter als diese Welt, und empfindet jede Vermischung mit Menschen und Dingen in ihr als beglückend. Er will unbedingt Kinder zeugen, um, diese als Teil seiner Selbst empfindend, noch mehr Kontakt zur Welt herzustellen. Er kann nur in Schönerem als er selbst zeugen, und die Fortpflanzung an sich ist für ihn bereits ein Erfolg, unabhängig davon, wie glücklich oder erfolgreich seine Kinder werden. Er hat ein Ressentiment gegen den ästhetisch differenzierenden Lunaristen, und empfindet diesen als egoistisch und undankbar. Das Wesen des Solaristen kann er nicht begreifen, weshalb dieser eine Projektionsfläche für all seine Ängste darstellt (jüdische oder außerirdische Weltverschwörung, kalte gefühllose Vernunft, - im Genie (bereits im Indivduum an sich) sieht der Tellurist das Böse; der Böse ist für ihn stets ein einzelner intelligenter und zurückhaltender Mann (zurückhaltend: er hat etwas zu verbergen!)).
28.04.2017. Kybelische Theodizee
Dass das Böse nicht sein darf, entspringt einer solaren männlichen Ontologie; die Theodizee der Philosophen setzt diese Ontologie des Guten voraus und sucht auf ihrer Grundlage nach einer Rechtfertigung des Bösen in der Welt.
In einer lunarischen Ontologie ist das Böse ein dem Guten gleichwertiges Prinzip, und sein Dasein in der Welt ist für die ontologische Harmonie notwendig. Logisch wird diese Ontologie durch den für das Bewusstsein unvermeidlichen Subjekt-Objekt-Dualismus begründet, wobei der Dualismus hier als höchste Realität behauptet wird, während er im Solarismus eine durch die Möglichkeit nicht-solarer Ontologien bedingte Konstruktion ist.
Das kybelische Universum ist weiblich; das Universum-Weib, diese chthonische Gottheit, die die unvollkommenen Kreaturen der Welt fortwährend gebärt und wiedergebärt, verlangt nach Grausamkeit, um sexuell erregt zu werden. Wird das Äußerste des möglichen Bösen vollbracht, kommt das Universum-Weib zum Orgasmus, in welchem die Welt vernichtet wird, was für die leidenden Wesen darin einer Erlösung gleichkommt. Das Böse muss demnach nicht bloß in der Welt sein, sondern auch voll entfaltet werden, um die Gebärmutter des Universum-Weibes im Orgasmus zu zerstören, und damit den ewigen Wiedergeburten-Kreislauf zu unterbinden.
3.08.2017. Psychische Heilung solar
Die Vorstellung von der Heilung als Vereinigung/Integration ist weiblich: entweder Regression (mütterlich-weiblich) oder Anpassung (lunarisch). Die solare Heilung erfordert einen unerbittlichen inneren Kampf bis die Dihairesis vollzogen ist: die Trennung in das geistig-seelische Subjekt und das psychosomatische Objekt.
In der Krankheit wird das männliche Subjekt auf Körper und Psyche zurückgeworfen, und identifiziert sich mit diesen niederen Entitäten anstatt mit seinem geistig-seelischen Ich. Dabei wird die Empfindung "Die Psyche tut weh" als "Ich bin die Psyche" missdeutet. Ohne einen transzendentalen archimedischen Punkt kann diese falsche Identifikation nicht überwunden werden, der Rückfall in die Identifikation mit den Erscheinungsformen des Es ist ohne ein festes transzendentales Ich unvermeidlich. In diesem Sinne rettet die Moralität bereits in dieser Welt, und nicht erst in der transzendenten moralischen Welt, in der das höchste Gut verwirklicht wird.
17.8.2017. Die psychokulturelle Trias
Solar ist die Schuldkultur: "Was habe ich getan!?" Die autonome Persönlichkeit sieht sich selbst und die Welt bei vollem Licht und weiß um die Identität von Ichheit und Moralität. Es geht um die Integrität.
Lunar ist die Schamkultur: "Was denken sie über mich!?" Bei Mondschein gilt es, seine schlechten Seiten zu verbergen, um nicht den Anschluss an die Gruppe zu verlieren. Die Schuldkultur kann auch als primitiv-solar gesehen werden, als erstes Bewusstsein der Nacktheit mit der Entdeckung der Ichheit. Für die Einteilung zum Lunarismus spricht hingegen das Wechselspiel, der Tanz von Subjekt und Objekt: ich bin anderen und andere sind mir Subjekt und Objekt zugleich. Es geht um die Ehre. - In der Schuldkultur bin ich unabhängig vom Urteil anderer und als Subjekt Objekt für mich selbst (das empirische Ich ist das Objekt, das transzendentale das Subjekt).
Chthonisch ist die Angstkultur: "Was werden sie mir antun!?" Die Gruppe ist alles, und der Einzelne ist machtlos gegen ihre Tyrannei (bzw. gegen den Tyrannen der Gruppe). Es geht um die Macht und die Zugehörigkeit zu der mächtigeren Seite.
20.9.2017. Kultur und Verbrechen
In der Schuldkultur herrscht das Gute, in der Schamkultur das Schlechte (weil etwas zufälliges, und nicht das Gute herrscht), und in der Angstkultur das Böse (die Angstkultur gehorcht dem Gesetz "Macht ist Recht" und ist daher satanistisch).
Der Verbrecher ist in der Schuldkultur schuldig, in der Schamkultur nur als Überführter erledigt (der nicht überführte Verbrecher ist besser dran als der Rechtschaffene), in der Angstkultur wird das Verbrechen an Schwächeren belohnt.
Die Würde des Verbrechensopfers wird in der Schuldkultur geachtet; in der Schamkultur wird das Opfer beschämt, und in der Angstkultur signalisiert der Opferstatus Wehrlosigkeit, und somit Straflosigkeit von Grenzverletzungen gegen seine Person.
21.9.2017. Mediokritätsfaschismus
Je mehr eine Gesellschaft degeneriert, umso verbitterter kämpft die Mehrheit gegen ästhetische und moralische Exzellenz und die Suche nach absoluter Wahrheit. Ästhetische Gleichheit, moralische Indifferenz und metaphysischer Relativismus bestimmen den Zeitgeist des Untergangs einer Zivilisation.
23.9.2017. MGTOW im kosmischen Format
Es ist selbstredend besser für eine Frau, einen statushöheren Mann zu verpflichten (wie auch der Mann eine schönere und jüngere Frau bevorzugt), doch aus der höheren Perspektive ist es grundsätzlich im Interesse der Frau, dass eine Beziehung zustande kommt. Die ausgleichende Gerechtigkeit zum Prinzip der Damenwahl ist, dass dem Mann die Option Alleinsein offensteht, während die Frau ein Beziehungswesen ist. Genauso verhält es sich mit Individuum und Welt: die Welt (als weibliches Seiendes, als das positiv Gegebene gefasst) braucht das ichhaft-männliche Individuum, das Individuum hingegen braucht die Welt nicht, und kann sich vom Seienden ins höhere Prinzip, in das Sein transzendieren. Kommt die Beziehung zwischen Mann und Frau bzw. zwischen Welt und Individuum nicht zustande, ist der Verlust für die weibliche Seite größer. Darum ist die weibliche Haltung bei scheiternder Zusammenkunft das hysterisch-aggressive "Du bist schuld!", die männliche Haltung ist das ruhige schulterzuckende "Selber schuld".
23.9.2017. Sichhelfenlassen ist unmännlich
Der Helfende hat einen höheren Status als der um Hilfe Bittende. Deshalb ist es für einen männlichen Charakter eine Erniedrigung, sich helfen zu lassen. Wenn mich jemand um etwas bittet, helfe ich aus der Position der Stärke; der aus einer Position der Schwäche Helfende ist ein Sklave. Aus der weiblichen Perspektive ist Sichhelfenlassen ein Privileg, und der Helfende wird in die Schuldnerposition gedrängt: weil Hilfe angeboten wird, wird sie geschuldet, so die weibliche Logik.
Der Rechtschaffene, der Held, der Heilige, der Weise ziehen sich richtigerweise zurück, wenn Hilfe erpresst wird; wer den höheren ontologischen Status des Guten nicht anerkennt, verschuldet die Unmöglichkeit tätiger Nächstenliebe durch den Guten. Ein guter Mensch, der trotz Nichtanerkennung hilft, darf es nur mit der Geste der Verachtung tun; wenn er sich benutzen lässt, verletzt er den kategorischen Imperativ gegenüber sich selbst und handelt damit unmoralisch.
Es ist jedoch kindisch, auf gesellschaftlich notwendige Hilfestellungen aus Stolz zu verzichten. Eine Gesellschaft, die dem Individuum keinen Rückzugsraum zur Subsistenzwirtschaft übrig lässt, muss ihm das zum Überleben Notwendige zur Verfügung stellen, und lädt die Schuld des Unfriedens auf sich, wenn sie dies unterlässt.
26.9.2017. Hohe Ansprüche
Hohe Ansprüche werden als Vorwurf von
solchen Menschen formuliert, die zu schwach sind, um auf schlechteres
als das Begehrte verzichten zu können. Ein charakterschwacher Mann
wird seine Ansprüche senken, bis eine Beziehung zu irgendeiner Frau
zustande kommt, denn ohne eine Beziehung würde er verzweifeln. Wer
zu schwach ist, um allein leben zu können, und mit einem
Lebenspartner, den er nicht begehrt, vorlieb nehmen muss, ist
neidisch auf einen starken Charakter, der das Prinzip “Entweder das
was ich will oder nichts” nicht nur behauptet, sondern auch
konsequent lebt.
Der Lunarist ist nur neidisch auf den
Solaristen, der die Einsamkeit aushalten kann; beim Chthoniker kommt
zum Neid der Hass hinzu, weil sich der Solarist der Gattung entzieht,
und damit die Gottheit des Chthonikers, die große Mutter, erzürnt.
Von einem Mann, der willensstark genug ist, frei zu sein, und fähig
ist, die Freiheit auszuhalten, erwarten das weibliche Umfeld wie die
matriarchalen Chthoniker, dass er seine Freiheit auf dem Altar der
Kybele opfert (und bei diesen Erwartungen handelt es sich nicht nur
um Ansprüche, sondern um in größter Unverschämtheit gestellte
Forderungen). Nicht irgendeine Art von Un- oder Amoralität, sondern
das “Verbrechen”, ein Ich zu haben, und über sich selbst frei zu
bestimmen, ist die größte Sünde im Matriarchat, die
volkstümlich-boulevardpsychologisch Egoismus genannt wird.
29.9.2017. Die ontologische Familie
Der Mann ist das sein Könnende, die Frau das Seiende, das Kind das sein Sollende. In der modernen Gender-Homoehe beharren beide Ehepartner, egal welchen Geschlechts, auf sich selbst als Seiende, und behaupten damit gegeneinander ihren weiblichen Gender. In der ontologisch korrekten Familie projiziert der Mann seinen weiblichen Teil auf die Frau, damit die Frau allein das Seiende ist (Frau ist human being, Mann ist human doing).
Die Potentialität des Mannes und die Aktualität der Frau vereinigen sich im Kind, dem ontologisch vollkommenen Wesen, das ebendeshalb das sein Sollende ist. Das Kind ist das gegenständliche Gute. Das ist die wahre geistige Grundlage für Familie und Kinderzeugung.
Die Gattung wird in der Familie im Hegelschen Sinne aufgehoben: sie wird durch den Geist negiert und in den Diremtionen des Geistes in die drei Entitäten aufbewahrt. Die Kinderzeugung ist transzendental bzw. ontologisch damit gerechtfertigt, dass das Kind das gegenständliche Gute ist, und das Gute ist das, was schlechthin sein soll; es ist unbedingt geboten, zu bewirken, dass das Gute sei.
Die moderne Familie besteht neben zwei gender-weiblichen Ehepartnern aus ebenso gender-weiblichen Kindern, die als bloße Optionen (bloß Seiende) für das Ehepaar bestehen, und nicht der Endzweck der Ehe, das sein Sollende, sind. Somit besteht die moderne Familie aus drei und mehr Gender-Frauen, die im emotionalen Nullsummenspiel der Liebeserpressung einander narzisstisch kannibalisieren, anstatt dass die korrekte ontologische Hierarchie freiwillig geschenkte Liebe von Mann zu Frau zu Kind zum Fluss bringen und eine Win-Win-Win-Situation bewirken könnte (die freiwillig geschenkte und angenommene Liebe ist ebenso ein Gewinn für den Liebenden, die erpresste Liebe ist für den Liebenden ein Verlust, - deshalb sind Beziehungen, die auf freiwilliger Liebe basieren, Win-Win-Situationen, und Beziehungen, die auf narzisstischer Liebeserpressung basieren, Nullsummenspiele).
11.10.2017. Einzelgängerbeschämung im Matriarchat
In einer chthonisch-matriarchalen (biologistischen) Gesellschaftsordnung sind normative Kontrollbegriffe wie Güte, Verantwortung, Tugend usw. gynozentrisch orientiert, d. h. sie werden denen zugesprochen, die für Frauen und die Gruppe leben und arbeiten. Wer ein eigenes Leben mit selbstbestimmten Zielen hat, wird beschämt, und zwar als Bösewicht (wer sich nicht vollständig der Gruppe unterordnet, ist gegen die Gruppe!), Parasit (Undankbarkeit gegenüber der Mutter, die ihn ausgetragen hat!) und lasterhaft (Charaktereigenschaften, die Unabhängigkeit von der Gruppe ermöglichen, werden negativ bewertet).
Wer männliche Fähigkeiten hat, und nicht für die Gruppe im Großen und für Frauen und Menschen weiblichen Genders im Kleinen lebt, “stiehlt” der Gruppe seine Energie, denn nach der matriarchalenWerteordnung gehört das Individuum der kleinen (einzelnen) bzw. der großen (kollektiven) Mutter. Weil männliche Fähigkeiten selten sind (eine hohe Vitalspannung mit männlicher Polarität kommt bei wenigen vor und ist schwer aufrechtzuerhalten – wer “sich gehen lässt”, gibt der Entropie und damit der Verweiblichung nach; die Vitalspannung des Untätigen sinkt), ist der Druck der Gruppe auf die wenigen stark männlichen Individuen sehr hoch; weniger stark männliche Individuen drücken sich vor dem Druck, indem sie ihre Vitalspannung senken und zu Gender-Frauen werden (wie die westlichen Männer in den letzten Jahrzehnten).
Die Gruppe bzw. die einzelnen Weiber und Weiblinge setzen dem männlichen Individuum sich selbst als einzige legitime Endzwecke vor; das männliche Individuum wird so erzogen, dass seine Existenzberechtigung darin besteht, Mittel für sie zu sein. Das Weibliche hingegen hat im Matriarchat ein unmittelbares Daseinsrecht, weshalb schwache männliche Individuen sich “umweiben” (die Extremform davon ist die Geschlechtsumwandlung), um an diesem Daseinsrecht ohne Leistung teilhaben zu können; der Kampf um den Opfer-Status in der postmodernen westlichen Gesellschaft ist ein Beispiel dafür. Individuen und Gruppen, welche quängeln: “Wir sind diskriminiert, wir sind Opfer!” sagen damit eigentlich: “Wir erheben einen Anspruch auf weibliche Privilegien, wir wollen (auch) wie Frauen behandelt werden!”
11.10.2017. Die Vitalspannung
Das einzelne Wesen kann nicht vollständig Substanz sein, das Individuum trägt immer auch Nichts-Anteile in sich. Individuation und Vielheit sind im Sein nicht möglich (dazu sei an den Seinsbegriff des Parmenides erinnert); Seiendes ist Substanz, Daseiendes ist eine Mischung aus Substanz und Nichts.
Die einzelne Seele ist nicht durch Endlichkeit und Sterblichkeit begrenzt und unvollkommen, sondern durch ihre Nichts-Anteile. Wäre die Seele zu 100% Seiendes, wäre sie Substanz. Die individuelle Seele ist Daseiendes und nicht Substanz, d. h. sie kann sich verändern (was auch eine Voraussetzung für moralische Charakterentwicklung ist). Der Substanz-Anteil der Seele ist ihre Ichheit, d. h. das Subjekt ist in individuierten Wesen die Substanz. Das Subjekt ist das Tätige, nicht das Seiende; die Ichheit, die selbstreflexive schöpferische Kraft ist die Substanz des Subjekts. Das Subjekt ist nicht als das Seiende, sondern als das sein Könnende Substanz; die individuelle Seele ist eine Mischung nicht aus Seiendem und Nichts, sondern aus sein Könnendem und Nichts.
Das sein Könnende ist die schöpferische Potenz bzw. das Männliche, das Nichts ist das Seiende mit negativem Vorzeichen bzw. das Weibliche. Jede Seele ist (wie in Otto Weiningers “Geschlecht und Charakter”) eine Mischung aus männlichen und weiblichen Anteilen. Der stark differenzierte (polare) Mann ist zu über 90% männlich, wobei das restliche Nichts bewusster und dadurch wirksamer wird, je kleiner sein Anteil in der Seele des Mannes ist. Der schwach differenzierte Mann ist zu unter 75% männlich, ein Chthoniker mit verdunkeltem Bewusstsein, schwachem Willen und hoher Gattungsbindung. Die stark differenzierte (polare) Frau ist zu über 90% weiblich, wobei die Subjekt-Substanz aufgrund geringer Größe klar ausdifferenziert ist. Die schwach differenzierte Frau ist zu unter 75% weiblich, gattungsgebunden und zu nichts als bloßer Mutterschaft fähig. Da das Nichts in schwach differenzierten Charakteren von der Gattung ausgefüllt wird, leben die Menschen mit einer geringen Vitalspannung nicht als Individuen, sondern “werden von der Gattung gelebt”.
Die Vitalspannung ist das Verhältnis der Anteile in der Seele: bei einem zu 75% männlichen oder weiblichen Individuum beträgt der Wert der Vitalspannung 3, bei einer Polarität von 90% ist die Vitalspannung 9, und bei exakt gleichen Anteilen bzw. einer Vitalspannung von 1 ist die Seele tot und das Individuum im tatsächlichen Sinne ein bloßes Tier. Die Vitalspannung ist der Gradmesser der geistigen Lebendigkeit.
13.10.2017. Männlichkeit und Erscheinung
Das ontologische Prinzip der Weiblichkeit ist das Seiende, das ontologische Prinzip der Männlichkeit ist das sein Könnende. Hohe weibliche Polarität äußert sich deshalb in erhöhter individueller Weiblichkeit (weinger Mütterlichkeit, mehr Selbstbezogenheit, mehr Schönheitspflege), hohe männliche Polarität führt zu Reflexivität in Form von erhöhter Geistigkeit. Die weibliche Reflexivität ist selbstisch, die männliche ichhaft.
Je weniger männlich ein Mann ist, umso mehr äußert sich seine Männlichkeit phänotypisch, weil dies die energetisch billigste, die schwächste Form der Entfaltung der Männlichkeit ist. Je männlicher ein Mann, umso geistiger wird er, und umso unmännlicher scheint er: der chthonische Bauer ist unreflektiert und selbstsicher wie sein Ochse, der lunarische Weiberheld wirkt unsicher und jungenhaft, der solare Denker erscheint weltfremd, verträumt und kindlich. Je männlich polarer ein Mann ist, umso weniger biologisch erwachsen ist seine Erscheinung: der Chthoniker erscheint schon im Jugendalter erwachsen, der Lunariust behält seine Jugendlichkeit sehr lange, und der Solarist bleibt bis ins hohe Alter kindlich.
29.9.2017. Die ontologische Familie
Der Mann ist das sein Könnende, die Frau das Seiende, das Kind das sein Sollende. In der modernen Gender-Homoehe beharren beide Ehepartner, egal welchen Geschlechts, auf sich selbst als Seiende, und behaupten damit gegeneinander ihren weiblichen Gender. In der ontologisch korrekten Familie projiziert der Mann seinen weiblichen Teil auf die Frau, damit die Frau allein das Seiende ist (Frau ist human being, Mann ist human doing).
Die Potentialität des Mannes und die Aktualität der Frau vereinigen sich im Kind, dem ontologisch vollkommenen Wesen, das ebendeshalb das sein Sollende ist. Das Kind ist das gegenständliche Gute. Das ist die wahre geistige Grundlage für Familie und Kinderzeugung.
Die Gattung wird in der Familie im Hegelschen Sinne aufgehoben: sie wird durch den Geist negiert und in den Diremtionen des Geistes in die drei Entitäten aufbewahrt. Die Kinderzeugung ist transzendental bzw. ontologisch damit gerechtfertigt, dass das Kind das gegenständliche Gute ist, und das Gute ist das, was schlechthin sein soll; es ist unbedingt geboten, zu bewirken, dass das Gute sei.
Die moderne Familie besteht neben zwei gender-weiblichen Ehepartnern aus ebenso gender-weiblichen Kindern, die als bloße Optionen (bloß Seiende) für das Ehepaar bestehen, und nicht der Endzweck der Ehe, das sein Sollende, sind. Somit besteht die moderne Familie aus drei und mehr Gender-Frauen, die im emotionalen Nullsummenspiel der Liebeserpressung einander narzisstisch kannibalisieren, anstatt dass die korrekte ontologische Hierarchie freiwillig geschenkte Liebe von Mann zu Frau zu Kind zum Fluss bringen und eine Win-Win-Win-Situation bewirken könnte (die freiwillig geschenkte und angenommene Liebe ist ebenso ein Gewinn für den Liebenden, die erpresste Liebe ist für den Liebenden ein Verlust, - deshalb sind Beziehungen, die auf freiwilliger Liebe basieren, Win-Win-Situationen, und Beziehungen, die auf narzisstischer Liebeserpressung basieren, Nullsummenspiele).
11.10.2017. Einzelgängerbeschämung im Matriarchat
In einer chthonisch-matriarchalen (biologistischen) Gesellschaftsordnung sind normative Kontrollbegriffe wie Güte, Verantwortung, Tugend usw. gynozentrisch orientiert, d. h. sie werden denen zugesprochen, die für Frauen und die Gruppe leben und arbeiten. Wer ein eigenes Leben mit selbstbestimmten Zielen hat, wird beschämt, und zwar als Bösewicht (wer sich nicht vollständig der Gruppe unterordnet, ist gegen die Gruppe!), Parasit (Undankbarkeit gegenüber der Mutter, die ihn ausgetragen hat!) und lasterhaft (Charaktereigenschaften, die Unabhängigkeit von der Gruppe ermöglichen, werden negativ bewertet).
Wer männliche Fähigkeiten hat, und nicht für die Gruppe im Großen und für Frauen und Menschen weiblichen Genders im Kleinen lebt, “stiehlt” der Gruppe seine Energie, denn nach der matriarchalenWerteordnung gehört das Individuum der kleinen (einzelnen) bzw. der großen (kollektiven) Mutter. Weil männliche Fähigkeiten selten sind (eine hohe Vitalspannung mit männlicher Polarität kommt bei wenigen vor und ist schwer aufrechtzuerhalten – wer “sich gehen lässt”, gibt der Entropie und damit der Verweiblichung nach; die Vitalspannung des Untätigen sinkt), ist der Druck der Gruppe auf die wenigen stark männlichen Individuen sehr hoch; weniger stark männliche Individuen drücken sich vor dem Druck, indem sie ihre Vitalspannung senken und zu Gender-Frauen werden (wie die westlichen Männer in den letzten Jahrzehnten).
Die Gruppe bzw. die einzelnen Weiber und Weiblinge setzen dem männlichen Individuum sich selbst als einzige legitime Endzwecke vor; das männliche Individuum wird so erzogen, dass seine Existenzberechtigung darin besteht, Mittel für sie zu sein. Das Weibliche hingegen hat im Matriarchat ein unmittelbares Daseinsrecht, weshalb schwache männliche Individuen sich “umweiben” (die Extremform davon ist die Geschlechtsumwandlung), um an diesem Daseinsrecht ohne Leistung teilhaben zu können; der Kampf um den Opfer-Status in der postmodernen westlichen Gesellschaft ist ein Beispiel dafür. Individuen und Gruppen, welche quängeln: “Wir sind diskriminiert, wir sind Opfer!” sagen damit eigentlich: “Wir erheben einen Anspruch auf weibliche Privilegien, wir wollen (auch) wie Frauen behandelt werden!”
11.10.2017. Die Vitalspannung
Das einzelne Wesen kann nicht vollständig Substanz sein, das Individuum trägt immer auch Nichts-Anteile in sich. Individuation und Vielheit sind im Sein nicht möglich (dazu sei an den Seinsbegriff des Parmenides erinnert); Seiendes ist Substanz, Daseiendes ist eine Mischung aus Substanz und Nichts.
Die einzelne Seele ist nicht durch Endlichkeit und Sterblichkeit begrenzt und unvollkommen, sondern durch ihre Nichts-Anteile. Wäre die Seele zu 100% Seiendes, wäre sie Substanz. Die individuelle Seele ist Daseiendes und nicht Substanz, d. h. sie kann sich verändern (was auch eine Voraussetzung für moralische Charakterentwicklung ist). Der Substanz-Anteil der Seele ist ihre Ichheit, d. h. das Subjekt ist in individuierten Wesen die Substanz. Das Subjekt ist das Tätige, nicht das Seiende; die Ichheit, die selbstreflexive schöpferische Kraft ist die Substanz des Subjekts. Das Subjekt ist nicht als das Seiende, sondern als das sein Könnende Substanz; die individuelle Seele ist eine Mischung nicht aus Seiendem und Nichts, sondern aus sein Könnendem und Nichts.
Das sein Könnende ist die schöpferische Potenz bzw. das Männliche, das Nichts ist das Seiende mit negativem Vorzeichen bzw. das Weibliche. Jede Seele ist (wie in Otto Weiningers “Geschlecht und Charakter”) eine Mischung aus männlichen und weiblichen Anteilen. Der stark differenzierte (polare) Mann ist zu über 90% männlich, wobei das restliche Nichts bewusster und dadurch wirksamer wird, je kleiner sein Anteil in der Seele des Mannes ist. Der schwach differenzierte Mann ist zu unter 75% männlich, ein Chthoniker mit verdunkeltem Bewusstsein, schwachem Willen und hoher Gattungsbindung. Die stark differenzierte (polare) Frau ist zu über 90% weiblich, wobei die Subjekt-Substanz aufgrund geringer Größe klar ausdifferenziert ist. Die schwach differenzierte Frau ist zu unter 75% weiblich, gattungsgebunden und zu nichts als bloßer Mutterschaft fähig. Da das Nichts in schwach differenzierten Charakteren von der Gattung ausgefüllt wird, leben die Menschen mit einer geringen Vitalspannung nicht als Individuen, sondern “werden von der Gattung gelebt”.
Die Vitalspannung ist das Verhältnis der Anteile in der Seele: bei einem zu 75% männlichen oder weiblichen Individuum beträgt der Wert der Vitalspannung 3, bei einer Polarität von 90% ist die Vitalspannung 9, und bei exakt gleichen Anteilen bzw. einer Vitalspannung von 1 ist die Seele tot und das Individuum im tatsächlichen Sinne ein bloßes Tier. Die Vitalspannung ist der Gradmesser der geistigen Lebendigkeit.
13.10.2017. Männlichkeit und Erscheinung
Das ontologische Prinzip der Weiblichkeit ist das Seiende, das ontologische Prinzip der Männlichkeit ist das sein Könnende. Hohe weibliche Polarität äußert sich deshalb in erhöhter individueller Weiblichkeit (weinger Mütterlichkeit, mehr Selbstbezogenheit, mehr Schönheitspflege), hohe männliche Polarität führt zu Reflexivität in Form von erhöhter Geistigkeit. Die weibliche Reflexivität ist selbstisch, die männliche ichhaft.
Je weniger männlich ein Mann ist, umso mehr äußert sich seine Männlichkeit phänotypisch, weil dies die energetisch billigste, die schwächste Form der Entfaltung der Männlichkeit ist. Je männlicher ein Mann, umso geistiger wird er, und umso unmännlicher scheint er: der chthonische Bauer ist unreflektiert und selbstsicher wie sein Ochse, der lunarische Weiberheld wirkt unsicher und jungenhaft, der solare Denker erscheint weltfremd, verträumt und kindlich. Je männlich polarer ein Mann ist, umso weniger biologisch erwachsen ist seine Erscheinung: der Chthoniker erscheint schon im Jugendalter erwachsen, der Lunariust behält seine Jugendlichkeit sehr lange, und der Solarist bleibt bis ins hohe Alter kindlich.
7.11.2017. Die Devolution zum “Homo
Deus”
Theozentrismus (ideational): Ewige
Hierarchie Gott-Mensch-Natur (Überich-Ich-Es).
Reformierter Theozentrismus
(ideational-idealistisch): Der Mensch braucht Freiheit und Autonomie,
um Gott zu dienen.
Anthropozentrismus/Humanismus (idealistisch): Der
Mensch ist frei und autonom.
Hedonistischer Anthropozentrismus
(idealistisch-sensualistisch): Die Natur (Es) muss berücksichtigt
werden, damit der Mensch (Ich) in der Welt glücklich leben kann.
Hedonismus (sensualistisch): Das nach
Lust strebende Es ist Selbstzweck.
Data-Hedonismus
(sensualistisch-nihilistisch): Die Maschine braucht Macht, um für
das nach Lust strebende Es ein hedonistisches Paradies zu
ermöglichen.
Dataismus (nihilistisch): Das lebendige
Es ist ein veralteter Algorithmus. Es lebe die Maschine!
26.11.2017. Männliche und weibliche Schönheit
Weibliche Schönheit ist statisch: ein lebendiges Bild. Weibliche Schönheit wird zutreffend metaphorisch durch die Pflanze ausgedrückt, männliche durch das Tier. Das Mädchen ist wie die zarte Blume, die Frau wie die pralle Frucht; der Jüngling ist wie der spielende Leopard, der Mann wie der erhabene Löwe oder der unbändige Stier. Die weiblich schönen Bewegungen ergeben sich unwillkürlich aus der Natur selbst, die männlich schönen Bewegungen sind konsequente willensgesteuerte Bewegungen.
Das weibliche Schöne ist das Symbol des Guten als des positiven, seienden Guten. Das männliche Schöne ist das Symbol des werdenden Guten, der Negation des Gegenteils. Das zarte Mädchen, die wunderschöne Schöne, ist das, was schlechthin sein soll. Die Taten des guten Mannes (z. B. in der großartigen Serie “Spartacus” (2010-2013)) sind das, was werden soll, damit das, was schlechthin sein soll, sein kann. In dieser Hinsicht ist das, was der “Punisher” Frank Castle dem Schurken Billy Russo im Abschluss der 1. Staffel der Serie (2017) antut, schlicht wunderschön: der Böse bekommt endlich sein wahres Gesicht, die ästhetische Lüge hat ein Ende. Das Hässliche ist das Symbol des Bösen wie das Schöne das Symbol des Guten ist. Moralisch ist die Tötung des Schurken verpflichtend, in einem Kunstwerk (Drama, Novelle, Film, Serie) ist die ästhetisch befriedigende Lösung zulässig: der Schurke wird am Leben gelassen, aber er bekommt sein wahres Gesicht, womit die Lüge des schönen Scheins entlarvt und der Missbrauch des Schönen als Schein bestraft wird.
8.12.2017. Erogamie und Hypergamie
Der Mann ist erogam, das Weib hypergam. Hypergamie bedeuetet, einen Besseren als Partner mit einer passiv-aggressiven Anspruchshaltung zu fordern, Erogamie bedeutet, den Weg des Eros, des Aufstiegs zum Besseren, aktiv zu gehen. Steigt der Mann in der sozialen Hierarchie auf, melden auf einmal Frauen Ansprüche auf ihn an, die ihn vorher ignoriert hatten. Dabei tun diese Frauen aktiv nichts, sie nehmen nur eine passiv-aggressive Anspruchshaltung ein, locken mit ihren Reizen und warten ab, bis der Mann auf sie zugeht. Der Mann, der eine schönere Frau will, als ihm von seinem sozialen Status her zusteht, wird hingegen bis ins Extreme aktiv: er “gibt alles”, und riskiert sogar oft sein Leben, um diese Frau zu bekommen.
8.12.2017. Die Erogamie des Tricksters
Der Trickster, der sich deine dionysische Potenz zunutze macht, wird dir nicht helfen, solange du nicht über dem Dionysischen stehst. So trat Loki erst in mein Leben, als ich einen harten Entscheidungskampf um meine Seele gegen ein narzisstisches Monster gewonnen hatte. Ich vollzog die den Aufstieg zum Solarismus erfordernde Dihairesis, indem ich den Kampf im Absoluten anstatt im Subjektiven ausfocht. Somit entschied ich mich gegen die dionysische Beliebigkeit des Nihilismus und für die absoluten ideationalen Werte, es war gleichsam mein Aufstieg vom Idealismus zur Ideationalität. Nachdem dieser Aufstieg praktisch vollzogen wurde, habe ich ihn auch theoretisch erkannt: “...die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug” (G. W. F. Hegel). Den Beginn dieser Erkenntnis markiert der erste Eintrag ins Gedankenprotokoll “Das Wirkliche”. Der dionysische Trickster half mir fortan nicht nur (durch die Vernunft der List), sondern forderte auch meine apollinische Haltung immer wieder heraus, was mir letztlichhin wiederum zugute kam (die List der Vernunft). Wäre ich im nihilistischen Niemandsland (bzw. im bitteren Idealismus des “unglücklichen Bewusstseins” (abermals G. W. F. Hegel)) stecken geblieben, hätte der Trickster sich in meinem Leben nicht blicken lassen.
8.12.2017. Männer als Schweine und die TFL-Zuschreibung
Der untere dritte Stand, und erst recht der Pöbel (zu beidem gehören stets weit über 90% der Bevölkerung) geht stillschweigend vom Vorurteil aus, dass jeder Mann grundsätzlich jede Frau sexuell begehrt, wenn sie nicht zu alt, zu krank oder zu hässlich ist. Hieraus resultiert das in der spät- und postmodernen Gesellschaft gängige Bild vom Mann als immergeiles sexuelles Schwein; der Mann will angeblich wahllos jede Frau, und der Mann will angeblich immer Sex.
Männer, die nicht dieser Kakonormativität entsprechen, werden als unmännlich oder “schwul” wahrgenommen. Männer, die nein, nicht zu hohe, sondern lediglich vernünftige ästhetische (und womöglich auch, wenn auch nur bescheidene, moralische) Standards haben, finden keine Frauen, und gelten fälschlich als sogenannte TFLer/Incels (unfreiwillige Singles). Diese Zuschreibung impliziert, dass sie unfähig sind, die vorhandenen Frauen “uns Bett zu kriegen”, wobei es auch sein kann, dass einem Mann einfach keine jener Frauen, die er jemals getroffen hat, wirklich gefallen hat (und zwar tatsächlich und nicht nach dem Saure-Trauben-Prinzip).
Noch mehr missverstanden werden die echten Liebesromantiker, die nicht bloß irgendeine beliebige attaktive Frau wollen, sondern sich erst um eine Frau bemühen, wenn sie sich verlieben. Echte romantische Liebe, und sei es “nur” Verliebtheit, ist selten, und trifft einen großzügig geschätzt 10-15 Mal im Leben, und wenn die “allgemeine Ablehnungsrate” bei etwa 98% liegt, dann muss man sich schon 50 Mal verlieben, um einmal mit der Frau, in die man verliebt ist, zusammenzukommen. Dafür bräuchte man statistisch 3 bis 5 Leben. Die meisten Menschen, die “romantisch” zu sein behaupten, sind falsche Liebesromantiker, die eine zufällig entstandene Beziehung im Nachhinein zur Liebesbeziehung hochrationalisieren.
Fast jeder echte Liebesromantiker muss in der heutigen Zeit also als “Incel” gelten, da die Wahrscheinlichkeit, jemanden, die zum Verlieben ist, zu treffen, multipliziert mit der Wahrscheinlichkeit, dass auch sie sich für einen interessiert, äußerst gering ist. Außerdem wachsen einige Männer spirituell mit jeder unerwiderten Liebe, und gehen letztlich den platonischen Weg des Aufstiegs von der Liebe zu einzelnen schönen Objekten zur Liebe zum göttlichen Schönen selbst. Nach geschätzten 10 Verliebnissen im Laufe des Lebens bin ich bereits auf dieser höchsten Stufe angelangt, und kann eine Frau nur noch väterlich lieben.
13.12.2017. Die Destruenten der Zivilisation
Psychoökonomisch sowie im weitesten politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Sinne sind Männer die Produzenten, Frauen und Kinder die Konsumenten und als Pathologie vorkommende aberrationale psychonegative Elemente die Destruenten. In der Endphase einer Zivilisation nehmen diese psychonegativen Elemente zu, wobei zuerst Frauen sich dem konstruktiven zivilisatorischen Prozess verschließen, und nur auf Destruktion aus sind; als nächstes werden die Kinder dieser Frauen groß, und es entstehen männliche und weibliche Destruenten, “ewige Teenager”, die ihr ganzes Leben im blinden Protest-Modus verbringen, bei dem die destruktive Einstellung gegenüber sowohl der eigenen Zivilisation als auch der Kultur an sich zum Selbstzweck verkommt.
Die Produzenten hören auf zu produzieren (MGTOW, “going Galt”) und/oder werden zu Konsumenten, die Konsumenten verlieren durch ihre Zivilisations- und Kulturverweigerung ihre Empfangs- und Genussfähigkeit und werden zu Destruenten; der Anteil der Destruenten explodiert unter den “letzten Menschen”. Die Rattenplage der spät- und postmodernen westlichen Zivilisation sind die Narzissten. Ihr Anteil in der Bevölkerung hat in den letzten Jahrzehnten drastisch zugenommen; die Narzisstenplage wird womöglich in der heutigen Popkultur unterbewusst durch die unzähligen Zombie-Filme verarbeitet: der ständig fressgierige aber genussunfähige Zombie, der, anders als ein Tier, nicht um zu leben, sondern um zu zerstören frisst, wäre jedenfalls eine gelungene Metapher für den Narzissten.
Destruktive und selbstzerstörerische Bewegungen wie Feminismus oder “Social Justice” (der Kampf gegen die tragenden Fundamente der eigenen Kultur und Zivilisation) vereinnahmen vitale und mitunter sogar gutwillige Mitglieder der Gesellschaft und stellen aus ihrer linksradikalen Position die Zerstörung als das einzig Gerechte dar, weil Zerstörung für die größte mögliche Gleichheit sorgt und als unterdrückend empfundene Unterschiede nivelliert.
19.12.2017. Abermals Eulen nach Athen
Ein häufiges “Argument” gegen den Antinatalismus lautet: “Es ist schwerer, eine Familie zu gründen, Kinder aufzuziehen und für jemand anderen verantwortlich zu sein, als nur für sich selbst”. Ja, und noch schwerer ist es, jeden Tag 16 Stunden lang im Garten mit einem Spaten Löcher auszubuddeln und sie wieder zuzuschütten. Schwerer bedeutet nicht sinnvoller oder in irgendeiner anderen Hinsicht besser.
Es gibt jedoch ein natürliches Paradigma, in dem schwerer und besser automatisch gleichgesetzt werden: es ist das Denken der Sklaven, der Leibeigenen, des unteren Dritten Standes. Für den ontologischen Adel gilt: mutiger ist besser. Der obere Dritte Stand, etwa risikofreudige Kaufleute und fleißige Unternehmer, verbinden die beiden Werte zu verschiedenen Anteilen: was schwerer ist, ist besser, und was mutiger ist, ist besser, wobei im Zweifelsfall dem Fleiß die Priorität zugeschrieben wird, und Mut ohne Fleiß als hochmütige und tollkühne Risikofreude angesehen wird. Das moralisch Bessere ist das Paradigma des ontologischen Klerus, des Lehrstandes; nur dieser Stand kann die Moralität in ihrer Konkretheit fassen, anstatt den Schatten ihrer Majestät an einzelnen Tugenden anzuschauen. Vereinfacht dargestellt, ist für den Lehrstand die Moralität selbst der moralisch höchste Wert, für den Wehrstand ist es der Mut, und für den Nährstand der Fleiß.
26.11.2017. Männliche und weibliche Schönheit
Weibliche Schönheit ist statisch: ein lebendiges Bild. Weibliche Schönheit wird zutreffend metaphorisch durch die Pflanze ausgedrückt, männliche durch das Tier. Das Mädchen ist wie die zarte Blume, die Frau wie die pralle Frucht; der Jüngling ist wie der spielende Leopard, der Mann wie der erhabene Löwe oder der unbändige Stier. Die weiblich schönen Bewegungen ergeben sich unwillkürlich aus der Natur selbst, die männlich schönen Bewegungen sind konsequente willensgesteuerte Bewegungen.
Das weibliche Schöne ist das Symbol des Guten als des positiven, seienden Guten. Das männliche Schöne ist das Symbol des werdenden Guten, der Negation des Gegenteils. Das zarte Mädchen, die wunderschöne Schöne, ist das, was schlechthin sein soll. Die Taten des guten Mannes (z. B. in der großartigen Serie “Spartacus” (2010-2013)) sind das, was werden soll, damit das, was schlechthin sein soll, sein kann. In dieser Hinsicht ist das, was der “Punisher” Frank Castle dem Schurken Billy Russo im Abschluss der 1. Staffel der Serie (2017) antut, schlicht wunderschön: der Böse bekommt endlich sein wahres Gesicht, die ästhetische Lüge hat ein Ende. Das Hässliche ist das Symbol des Bösen wie das Schöne das Symbol des Guten ist. Moralisch ist die Tötung des Schurken verpflichtend, in einem Kunstwerk (Drama, Novelle, Film, Serie) ist die ästhetisch befriedigende Lösung zulässig: der Schurke wird am Leben gelassen, aber er bekommt sein wahres Gesicht, womit die Lüge des schönen Scheins entlarvt und der Missbrauch des Schönen als Schein bestraft wird.
8.12.2017. Erogamie und Hypergamie
Der Mann ist erogam, das Weib hypergam. Hypergamie bedeuetet, einen Besseren als Partner mit einer passiv-aggressiven Anspruchshaltung zu fordern, Erogamie bedeutet, den Weg des Eros, des Aufstiegs zum Besseren, aktiv zu gehen. Steigt der Mann in der sozialen Hierarchie auf, melden auf einmal Frauen Ansprüche auf ihn an, die ihn vorher ignoriert hatten. Dabei tun diese Frauen aktiv nichts, sie nehmen nur eine passiv-aggressive Anspruchshaltung ein, locken mit ihren Reizen und warten ab, bis der Mann auf sie zugeht. Der Mann, der eine schönere Frau will, als ihm von seinem sozialen Status her zusteht, wird hingegen bis ins Extreme aktiv: er “gibt alles”, und riskiert sogar oft sein Leben, um diese Frau zu bekommen.
8.12.2017. Die Erogamie des Tricksters
Der Trickster, der sich deine dionysische Potenz zunutze macht, wird dir nicht helfen, solange du nicht über dem Dionysischen stehst. So trat Loki erst in mein Leben, als ich einen harten Entscheidungskampf um meine Seele gegen ein narzisstisches Monster gewonnen hatte. Ich vollzog die den Aufstieg zum Solarismus erfordernde Dihairesis, indem ich den Kampf im Absoluten anstatt im Subjektiven ausfocht. Somit entschied ich mich gegen die dionysische Beliebigkeit des Nihilismus und für die absoluten ideationalen Werte, es war gleichsam mein Aufstieg vom Idealismus zur Ideationalität. Nachdem dieser Aufstieg praktisch vollzogen wurde, habe ich ihn auch theoretisch erkannt: “...die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug” (G. W. F. Hegel). Den Beginn dieser Erkenntnis markiert der erste Eintrag ins Gedankenprotokoll “Das Wirkliche”. Der dionysische Trickster half mir fortan nicht nur (durch die Vernunft der List), sondern forderte auch meine apollinische Haltung immer wieder heraus, was mir letztlichhin wiederum zugute kam (die List der Vernunft). Wäre ich im nihilistischen Niemandsland (bzw. im bitteren Idealismus des “unglücklichen Bewusstseins” (abermals G. W. F. Hegel)) stecken geblieben, hätte der Trickster sich in meinem Leben nicht blicken lassen.
8.12.2017. Männer als Schweine und die TFL-Zuschreibung
Der untere dritte Stand, und erst recht der Pöbel (zu beidem gehören stets weit über 90% der Bevölkerung) geht stillschweigend vom Vorurteil aus, dass jeder Mann grundsätzlich jede Frau sexuell begehrt, wenn sie nicht zu alt, zu krank oder zu hässlich ist. Hieraus resultiert das in der spät- und postmodernen Gesellschaft gängige Bild vom Mann als immergeiles sexuelles Schwein; der Mann will angeblich wahllos jede Frau, und der Mann will angeblich immer Sex.
Männer, die nicht dieser Kakonormativität entsprechen, werden als unmännlich oder “schwul” wahrgenommen. Männer, die nein, nicht zu hohe, sondern lediglich vernünftige ästhetische (und womöglich auch, wenn auch nur bescheidene, moralische) Standards haben, finden keine Frauen, und gelten fälschlich als sogenannte TFLer/Incels (unfreiwillige Singles). Diese Zuschreibung impliziert, dass sie unfähig sind, die vorhandenen Frauen “uns Bett zu kriegen”, wobei es auch sein kann, dass einem Mann einfach keine jener Frauen, die er jemals getroffen hat, wirklich gefallen hat (und zwar tatsächlich und nicht nach dem Saure-Trauben-Prinzip).
Noch mehr missverstanden werden die echten Liebesromantiker, die nicht bloß irgendeine beliebige attaktive Frau wollen, sondern sich erst um eine Frau bemühen, wenn sie sich verlieben. Echte romantische Liebe, und sei es “nur” Verliebtheit, ist selten, und trifft einen großzügig geschätzt 10-15 Mal im Leben, und wenn die “allgemeine Ablehnungsrate” bei etwa 98% liegt, dann muss man sich schon 50 Mal verlieben, um einmal mit der Frau, in die man verliebt ist, zusammenzukommen. Dafür bräuchte man statistisch 3 bis 5 Leben. Die meisten Menschen, die “romantisch” zu sein behaupten, sind falsche Liebesromantiker, die eine zufällig entstandene Beziehung im Nachhinein zur Liebesbeziehung hochrationalisieren.
Fast jeder echte Liebesromantiker muss in der heutigen Zeit also als “Incel” gelten, da die Wahrscheinlichkeit, jemanden, die zum Verlieben ist, zu treffen, multipliziert mit der Wahrscheinlichkeit, dass auch sie sich für einen interessiert, äußerst gering ist. Außerdem wachsen einige Männer spirituell mit jeder unerwiderten Liebe, und gehen letztlich den platonischen Weg des Aufstiegs von der Liebe zu einzelnen schönen Objekten zur Liebe zum göttlichen Schönen selbst. Nach geschätzten 10 Verliebnissen im Laufe des Lebens bin ich bereits auf dieser höchsten Stufe angelangt, und kann eine Frau nur noch väterlich lieben.
13.12.2017. Die Destruenten der Zivilisation
Psychoökonomisch sowie im weitesten politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Sinne sind Männer die Produzenten, Frauen und Kinder die Konsumenten und als Pathologie vorkommende aberrationale psychonegative Elemente die Destruenten. In der Endphase einer Zivilisation nehmen diese psychonegativen Elemente zu, wobei zuerst Frauen sich dem konstruktiven zivilisatorischen Prozess verschließen, und nur auf Destruktion aus sind; als nächstes werden die Kinder dieser Frauen groß, und es entstehen männliche und weibliche Destruenten, “ewige Teenager”, die ihr ganzes Leben im blinden Protest-Modus verbringen, bei dem die destruktive Einstellung gegenüber sowohl der eigenen Zivilisation als auch der Kultur an sich zum Selbstzweck verkommt.
Die Produzenten hören auf zu produzieren (MGTOW, “going Galt”) und/oder werden zu Konsumenten, die Konsumenten verlieren durch ihre Zivilisations- und Kulturverweigerung ihre Empfangs- und Genussfähigkeit und werden zu Destruenten; der Anteil der Destruenten explodiert unter den “letzten Menschen”. Die Rattenplage der spät- und postmodernen westlichen Zivilisation sind die Narzissten. Ihr Anteil in der Bevölkerung hat in den letzten Jahrzehnten drastisch zugenommen; die Narzisstenplage wird womöglich in der heutigen Popkultur unterbewusst durch die unzähligen Zombie-Filme verarbeitet: der ständig fressgierige aber genussunfähige Zombie, der, anders als ein Tier, nicht um zu leben, sondern um zu zerstören frisst, wäre jedenfalls eine gelungene Metapher für den Narzissten.
Destruktive und selbstzerstörerische Bewegungen wie Feminismus oder “Social Justice” (der Kampf gegen die tragenden Fundamente der eigenen Kultur und Zivilisation) vereinnahmen vitale und mitunter sogar gutwillige Mitglieder der Gesellschaft und stellen aus ihrer linksradikalen Position die Zerstörung als das einzig Gerechte dar, weil Zerstörung für die größte mögliche Gleichheit sorgt und als unterdrückend empfundene Unterschiede nivelliert.
19.12.2017. Abermals Eulen nach Athen
Ein häufiges “Argument” gegen den Antinatalismus lautet: “Es ist schwerer, eine Familie zu gründen, Kinder aufzuziehen und für jemand anderen verantwortlich zu sein, als nur für sich selbst”. Ja, und noch schwerer ist es, jeden Tag 16 Stunden lang im Garten mit einem Spaten Löcher auszubuddeln und sie wieder zuzuschütten. Schwerer bedeutet nicht sinnvoller oder in irgendeiner anderen Hinsicht besser.
Es gibt jedoch ein natürliches Paradigma, in dem schwerer und besser automatisch gleichgesetzt werden: es ist das Denken der Sklaven, der Leibeigenen, des unteren Dritten Standes. Für den ontologischen Adel gilt: mutiger ist besser. Der obere Dritte Stand, etwa risikofreudige Kaufleute und fleißige Unternehmer, verbinden die beiden Werte zu verschiedenen Anteilen: was schwerer ist, ist besser, und was mutiger ist, ist besser, wobei im Zweifelsfall dem Fleiß die Priorität zugeschrieben wird, und Mut ohne Fleiß als hochmütige und tollkühne Risikofreude angesehen wird. Das moralisch Bessere ist das Paradigma des ontologischen Klerus, des Lehrstandes; nur dieser Stand kann die Moralität in ihrer Konkretheit fassen, anstatt den Schatten ihrer Majestät an einzelnen Tugenden anzuschauen. Vereinfacht dargestellt, ist für den Lehrstand die Moralität selbst der moralisch höchste Wert, für den Wehrstand ist es der Mut, und für den Nährstand der Fleiß.
Abonnieren
Posts (Atom)