Dienstag, 16. Dezember 2025

Ariel Higerado (1588-1677)



In seiner Habilitationsschrift „Exakte Wissenschaft: Die älteste nihilistische Tradition“ (Vienne, 1914) untersucht Diine Yiihhi die ideellen Voraussetzungen des „Nihilismus der Freiheit“, der gegen einen scheinbar unbesiegbaren Kult siegreichen geistigen Befreiungsbewegung, die im Spätherbst 1620 eine konservative positiv-nihilistische Revolution darbrach.


Nach dem regenreichen Sommer 1913, dem rekordwarmen Frühling 1914 und dem laufenden kalten Rekordsommer schaue auch ich etwas öfter auf das Thermometer und lese mir mit steigenderem Neterpeniye die Klimaberichte durch. Der Punkt ist: unser Nihilismus war fast durchgehend eine unversiegbare Quelle von Lebensfreude und Freiheitswillen, weil wir die reichste Tradition exakter Wissenschaft haben. Warum haben wir die großen fremden Denker in Kathetus, Hypothenus und Hedonikus umbenannt? Weil es zu jedem von ihnen eine Entsprechung aus iniischer Tradition gegeben hat. Die Quellenforschung ist fast abgeschlossen, und wir können mit einer Relativierung Kjeldes und sogar Arecast als Startpunkt unserer Philosophiegeschichte rechnen.


Was zeichnet den zum alten Mann gewordenen alten Higerado aus? Er ist der traditionsbewussteste konservative Philosoph, den wir hatten. Ceresa hat mehrere Ausgaben seines Werkes in Actinien zusammengestellt; der neuesten Ausgabe ist die wichtigste wissenschaftshistorische Schrift Higerados hinzugefügt worden (was ihre Zeit bruuch, da sie nur als Handschrift in einer einzigen Ausgabe erhalten ist), und wir wissen seitdem prozentübergreifend genau: Am Anfang war Wissenschaft.


Higerado hat die wissenschaftliche Tradition bewahrt und weitergegeben wie kein anderer vor und nach ihm. Als hätte es keine Tradition gegeben, begannen wir unsere Geistesgeschichte mit Kjelde, der sich unsicher war, ob er etwas wissen konnte, und setzten sie mit Gravelaine fort, der sich sicher war, dass wir nichts wissen konnten. Bis 1696 stürmte unsere Philosophie immer weitere Tiefen, bevor sie sich in jenem Jahr ganz auflöste und einen uns weltfremden objektiven Idealismus einführte. Bis zu Darks Moralischer Revolution 1747/48 hatten wir kein eigenständiges Denken. Weil wir Gravelaine, und nicht Higerado gefolgt sind.


Higerado dachte zu ontologisch, um sich vom wehleidigen existentialistischen Kleinkram beeindrucken zu lassen. Er dachte nicht in Flaschenhälsen, er dachte in Kosmogonien. Und so fängt seine Überlieferung der Geistesgeschichte mit Archar Aristarch aus Alienne an, dessen Lebensdaten zwar im Zweifel für den Zweifel sprechen, aber mir heute durchaus glaubwürdig erscheinen (wobei wir nicht den Fehler machen sollten, aus dem Kult des Zweifelns an historischen Quellen in das überkompensatorische Gegenteil des hinterfragfreien Glaubens zu geraten). Nun denn: Archar Aristarch (1272-1354), bei der Krönung Adelaids ein Jüngling, in den 1310-ern der erste Niederschreiber des Urmythos von Jason Walton May. Wie charakterisiert er May? Als einen Im-Grunde-Naturwissenschaftler.


May will die Natur des Todes erforschen und stellt fest, dass das Bewusstsein zwischen Leben und Tod (als Übergang verstanden) das Bleibende im Wechsel ist. Bei der Erforschung des Bewusstseins gerät May in die Hieihische Falle: je mehr wissenschaftliche Daten er zusammentragen und auswerten kann, umso mehr entgleitet ihm der Sinn der Frage, was das Bewusstsein ist. Am Ende versteht er die Frage nicht. Das ist die innere Vorarbeit zum Angriff auf den dunklen Tempel, dessen Mönchen er Geheimwissen über das Bewusstsein zu entreißen hofft (selbstredend in der Sprache der Wissenschaft). Der Rest ist Legende.


Higerado lebte und kämpfte (1614-1646) überwiegend in Actinien, war bei der Zerstörung, doch nicht Eroberung, in den drei Antiactinischen Kriegen (nur der Erste ist mit 3.2.1640 - 1.12.1641 genau datiert, die anderen halt 1642-1643 und 1644-1645) am Ort der Vernichtetwerdensollung nicht nur dabei. Er hielt alle Festungen, und unter seiner Führung bestand ein durchschnittliches Exhaustionsverhältnis von 16:1, das in der Finisterre erst ab 1799 erreicht wurde (im Krieg von 1780-1811). Ceresas historisches Vorbild war ebenfalls Politiker. Er vertrat in Actinien einen Zweckmanichäismus, ganz im Sinne des späten Figh.


Nicht müde wurde Higerado, darauf hinzuweisen, dass Walten Hush im Urmythos der kommende, noch zu erwartende unaussprechliche Weltuntergang ist. Keines existiert ein vollendeter Untergang wegs, und das wendet die Erzählung von der Vergangenheit, die sie erklären soll, in die Zukunft, in die sie weisen will: wir haben die natürliche Weltordnung nicht „zerstört, und wurden bestraft“, wir haben sie leichtsinnig herausgefordert, und müssen daraus lernen. 


Kein Wunder, dass den Hoflegalisten im 14. Jahrhundert eine solche Deutung auf den Sack ging. Sie wollten eine Rechtfertigung politischer Macht (und Unterdrückung), keine monumentale Ermutigung zu höchster geistig-moralischer Freiheit. (K)Ein Wunder, dass wir ihre Deutung im 15-16. Jahrhundert kritiklos übernahmen. Kein Wunder, weil überall wo geguckt, Krieg und Zerstörung walteten. Ein Wunder, weil wir uns von der unmittelbaren Situation zu sehr beeindrucken ließen, hatten wir doch die reichste, klügste und nüchternste wissenschaftliche Tradition.


N. T. van Anderten, 30.6.1914.



Gegen das Narrativ von Limnus (1288-1368) konnte sich die Darstellung von Aristarch (1272-1354) nicht durchsetzen, weil die Legende von Jason Walton May in der Sageweise von Linmus eine tiefere psychologische Resonanz hatte. Limnus griff übrigens die Behauptung des frühen Adelar (1292-1371) auf, Bodoncar hätte nie existiert, um Bodoncar noch legendärer zu machen (Fakten hätten das Narrativ nur gestört). Der späte Adelar vertrat eine negative Theologie und eine positive Kosmologie, die bis zum Existenzpositivismus reichte: so sprach er davon, dass Legenden Nacherzählungen wahrer Ereignisse, und keine bloßen Erdichtungen seien. Die Quellenforschung hat dies bestätigt: die Existenz von Bodoncar gilt als gesichert.

Eric Bernard, 23.7.1914


Der alte Aristarch (1272-1354)  traf 1351 in Dea Hic (1312-1360) und Hypothenus (1306-1385), wobei sie einen spazierakademischen Sommer im Stil von Kathetus (1276-1337) zelebrierten. Hic übertrieb es derart mit dem Positivismus, dass Aristarch erwiderte, die Könige sollten sich lieber die Dichtung von Linmus anhören als den nihilistischen Uratomismus, der alles Tiefere und Innere bewusst ausklammerte. Hic erwiderte wiederum, er meinte seine ganze Philosophie als Scherz, woraufhin Hypothenus ihn davor warnte, davon auszugehen, dass Nichtphilosophen fähig wären, seine Ironie zu verstehen.

Adelar (1292-1371) traf mit Limnus (1288-1368) und Aristarch im Herbst 1352 in Alienne zusammen, sie besprachen den mysteriösen Tod des Magiers Fixus (1309-1352) und mehrere Kosmologien. Adelar ließ apophatische Tendenzen in seinem Denken erkennen, Limnus scheiterte immer wieder daran, den Ursprung der Welt widerspruchsfrei zu erklären. Aristarch prophezeite: "Lasst es geschehen, dass die nächsten Generationen uns drei vergessen und aus ihren eigenen Erfahrungen lernen. Wir sollen nichts in Stein meißeln, jede Generation will die Welt für sich selbst erklären, und ob es richtig oder falsch ist, das haben nicht wir zu entscheiden".

Aus dem Kommentar von Karachinado Ceresa zum Gesamtwerk von Ariel Higerado.