Sonntag, 21. Februar 2021

Sind manche Menschen besser als andere?

 

 

 

Es gibt die naive, unausgesprochene, und die ostentative Haltung, alle Menschen seien gleich viel wert. Wer der naiven anhängt, ist einfach nur noch nicht erwachsen geworden und überträgt unreflektiert kindheitlich-familiäre Beziehungserfahrungen auf alle Mitmenschen. Wer ostentativ behauptet, alle Menschen seien gleich, sagt eigentlich, dass er sich selbst für etwas Besseres und alle anderen für gleich viel wert hält, dass er dem Heiligen und Verbrecher, dem Schurken und Helden gleichermaßen Respekt zollen und entziehen kann, völlig nach seiner Willkür, und damit andere Menschen nicht als Personen betrachtet, sprich dehumanisiert, und somit diametral entgegengesetzt zum kategorischen Imperativ handelt.

Wer selbst nicht wertlos ist, wie der ebenerwähte Narzisst/Soziopath, wird auch objektive Wertunterschiede anerkennen. Es ist selbstevident, dass nicht alle Menschen gleich sind. Manche verdienen Anerkennung und Wertschätzung, die anderen Verachtung und Ablehnung. Das bedeutet nicht, dass es geboten ist, gut zu den Guten und schlecht zu den Schlechten zu sein; ein guter Mensch handelt zum Wohle aller und hat grundlegenden Respekt vor der Person eines jeden. Für den schlechten Menschen sind andere nur Objekte. Somit sagt jener, der alle für gleich viel wert hält: "Menschen, die die Würde anderer Menschen respektieren und die, die sie nicht respektieren, sind gleich". Damit erübrigt sich aber auch das Gute, wenn das Schlechte genauso gut ist.

Mittwoch, 10. Februar 2021

Was ist Holdoora?

 

 

 

Ich erinnere mich noch an die abscheulichen "Raubkopierer sind Verbrecher"-Werbefilmchen im Kino, im Ton der Unterstellung gemacht, eine Zuschauerbeleidigung. Heute sehe ich darin vor allem die Hilflosigkeit des Staates, die durch technologisch ermöglichte Freiräume des Verbrechens entsteht. Durch zu schnellen Fortschritt entstehen technologisch bedingt unregulierbare Räume, in denen das Recht des technologisch Stärkeren gilt und nicht etwa das staatliche Gewaltmonopol.

Im Jahr meiner Immigration nach Deutschland, 1996, war für mich im Alter von 13 Jahren Sexualität noch Theorie, ich verspürte keinerlei sexuelles Verlangen, kannte aber bereits die Bedeutung der Sexualität für Kultur und Gesellschaft und ließ der Phantasie freien Lauf: warum nicht einen Film drehen, in dem humanoide Vergewaltigungsroboter bzw. Vergewaltigerzombies auf Frauenjagd gehen, oder wie wäre es mit Foltersalons, in denen nach Lust und Laune gefoltert wird, wobei die Lustobjekte genetisch optimierte Klone sind. Die Motivation des bösen Genies des Erfinders wäre zynischer Nihilismus des kindlich-dämonischen "Guck mal, was ich kann!" Diese Phantasien entsprangen nicht dem Sadismus, sondern der Vermutung, dass die Wissenschaft längst so weit fortgeschritten sei, solche Perversitäten zu ermöglichen. Und der Staat wäre entweder hilflos in aufholender Position gegenüber Technologiekonzernen oder dadurch korrupt, dass seine Diener auch nur Menschen sind, und von den Dehumanisierungsunternehmen ihre allzumenschlichen Wünsche und Begierden erfüllt bekommen. Den rechtsfreien Raum dafür nannte ich Holdoora.

Die conditio humana ist ursprünglicher als Kultur und Gesellschaft: Erfindungen wie die Pille spielen eine größere Rolle in der Bonoboisierung der sexuellen Kultur als etwa eine Lockerung der Sitten durch kulturelle Dekadenz. Pädophilie z. B. ist, trotz moralischer Widerwärtigkeit, pragmatisch betrachtet, bloß ein teurer Luxus, den sich heute Superreiche und mächtige Politiker straflos leisten können; was passiert aber, wenn Kinderklone für den Sexmarkt zu bezahlbaren Preisen hergestellt werden können? Korrupte Politiker können willkürlich entscheiden, was ein schützenswerter Mensch und was ein humanoider Sexroboter ohne Rechte ist, ohne Rücksicht auf tatsächliche Eigenschaften der Klone. Heute schon schützen wir Hunde und betrachten Schweine als ausschlachtbare Ressource, deren Lebendigkeit nicht etwa Mitleid, sondern peinliche Verlegenheit auslöst, und deren den Hunden ebenbürtiger Entwicklungsgrad uns nicht weiter stört.

Entfesselter technologischer Fortschritt bedeutet nicht die Herrschaft der KI und die Versklavung der Menschen durch Maschinen. Auch dies könnte passieren, doch zunächst und am dringendsten sind die Konsequenzen zu bedenken, die sich aus den Dehumanisierungsmöglichkeiten ergeben: Technologie als Vehikel der Entmenschlichung. Die Erfindung der Schrift war ein Beispiel für egalitäre, inklusive Technologie: jeder kann schreiben lernen und bekommt damit den Zugang zum Reich des Wissens. Die elitären Technologien, die zwischen ihren Besitzern und Nichtbesitzern ein unüberwindbares Machtgefälle schaffen, sind die eigentliche Gefahr im Zeitalter des Transhumanismus.